Skulptur

Diese Venusfigur fasziniert auch noch nach über 30.000 Jahren

von Willendorf TitelbildFoto: Ziko van Dijk / CC BY-SA 3.0 / Wikipedia

Im Laufe der Geschichte haben unzählige Kreative die Inspiration in Venus, der römischen Göttin der Liebe, gefunden. Die Venus, die von der Aphrodite, einer der bedeutendsten Gottheiten in der altgriechischen Mythologie, abgeleitet wurde, war für die römische Kulturgeschichte und damit auch für die Kunst der damaligen Zeit von zentraler Bedeutung.

Die Venus von Milo aus dem 2. Jahrhundert v. Chr. ist vielleicht die bekannteste Skulptur der Göttin, aber sie ist nicht die älteste. Ein besonders schönes Exemplar des Motivs aus der frühzeitlichen Kunst ist die Venus von Willendorf.

Diese kleine Statuette, die Anfang des 20. Jahrhunderts entdeckt wurde, wurde nachträglich als Venus benannt, obwohl sie rund 28.000 Jahre vor Mythos der antiken Venus geschaffen wurde. Die Archäologen, die sie im Jahr 1908 in Willendorf in der Wachau ausgruben, dachten, dass es sich bei der Darstellung um ein frühes Fruchtbarkeitssymbol handelt.

Während diese Hypothese seit Jahren gilt, sind sich Historiker, Archäologen und andere Fachleute auf diesem Gebiet bis heute nicht sicher, was die Darstellung, ihren Zweck oder gar ihre Herkunft betrifft.

Die Venus von Willendorf

Venus von Willendorf Schwarz Weiß

Foto: Wellcome Images / CC BY 4.0 / Wikipedia

Die Venus von Willendorf ist eine ca. 11 cm große Schnitzerei, die in Willendorf in Österreich entdeckt wurde. Es wird angenommen, dass sie zwischen 30.000 und 25.000 v. Chr. angefertigt wurde, was sie zu einer der ältesten bekannten künstlerischen Arbeiten der Welt macht.

Die Statuette aus Kalkstein, dekorativ mit rotem Ocker gefärbt, zeigt einen weiblichen Akt. Obwohl es kein Gesicht gibt, ist die Krone des Kopfes der Figur mit einem sich wiederholenden Motiv verziert, das einer geflochtenen Frisur oder einem gemusterten Kopfschmuck ähnelt.

Noch faszinierender als die Entscheidung des Künstlers, die Figur gesichtslos zu lassen, ist jedoch die Art und Weise, wie er sich für die Darstellung ihres Körpers entschieden hat. Die Übertreibung von Proportionen und die Betonung von Merkmalen, die mit sexueller Fortpflanzung und Fruchtbarkeit verbunden sind, ist offensichtlich.

Aufgrund der markanten Brustpartie, des gerundeten Bauches und der wohlgeformten Hüften der Figur sind viele Fachleute im Laufe der Zeit zu dem Schluss gekommen, dass die Skulptur eine Fruchtbarkeitsstatuette oder "Venusfigur" sein sollte.

Venus von Willendorf Frontal

Foto: MatthiasKabel / CC BY 2.5 / Wikipedia

Was sind Venusfigurinen?

Eine Venusfigurine ist eine kleine Skulptur einer weiblichen Gestalt, die in der Altsteinzeit hergestellt wurde. Während die Details, die die Ursprünge der Figuren umgeben, düster sind, glauben die meisten Geschichtswissenschaftler, dass sie einem spirituellen Zweck dienten und wahrscheinlich mit der Fruchtbarkeit zusammenhängende Ideen, einschließlich Weiblichkeit, Göttinnen und Erotik, verkörperten.

Bis heute wurden 144 solcher Fruchtbarkeitsfiguren in Europa und Asien gefunden. Obwohl nicht alle dieser Statuetten die üppigen Merkmale der Venus von Willendorf teilen, haben die meisten ähnliche Züge. Denn in der Steinzeit war ein solches Erscheinungsbild untrennbar mit der Empfängnisbereitschaft einer Frau verbunden, weshalb eine vollbusige Frau ein ideales Motiv für einen an Fruchtbarkeit interessierten Bildhauer war.

Die Menschen, die diese Statue geschaffen haben, lebten in einer rauen, eiszeitlichen Umgebung, in der Merkmale von Fett und Fruchtbarkeit sehr wünschenswert waren.

Venus vom Hohlefels

Foto der Venus vom Hohle Fels | Foto: Ramessos / Wikipedia / CC BY-SA 3.0

Die Menschen, die diese Statue geschaffen haben, lebten in einer rauen, eiszeitlichen Umgebung, in der Merkmale von Fett und Fruchtbarkeit sehr wünschenswert waren.

Wegen der sexuell ausgeprägten Beschaffenheit dieser Statuetten entschied sich Paul Hurault - ein Amateurarchäologe, der eine solche Figur erstmals im Jahr 1864 entdeckte - dafür, sie nach der Venus zu benennen, der Göttin der Liebe, Schönheit, Begierde und des Geschlechts.

Obwohl es eigentlich eher eine ironische Bezeichnung sein sollte, blieb der Name bestehen und die Venus von Willendorf erhielt einen ähnlichen Titel, als sie über 40 Jahre später ausgegraben wurde.

Die Entdeckung der Venus von Willendorf

Am 7. August 1908 entdeckte Johann Veran die winzige Statue bei Ausgrabungen an einer altsteinzeitlichen Fundstätte bei Willendorf in Österreich. Zunächst verzeichneten Archäologen eine Datierung der Skulptur auf etwa 10.000 v. Chr. Weitere Studien haben jedoch zu einem immer früheren Entstehungszeitpunkt geführt.

In den 1970er Jahren kamen Forscher zu dem Schluss, dass sie etwa 20.000 Jahre alt war.

Nach einer Analyse der Gesteinsschichten, in denen die Skulptur gefunden wurde, wurde das Datum allerdings auf 25.000 bis 30.000 v. Chr. revidiert.

Neben ihrem atemberaubenden Alter wird die Venus von Willendorf paradoxerweise für das Mysterium verehrt, das sie umgibt. Obwohl über ihre Entstehung wenig überliefert ist, hat sie sich nicht nur zu einem Höhepunkt des Naturhistorischen Museum in Wien, sondern der gesamten Kunstgeschichte entwickelt.