Kunst

Hat Vincent van Gogh tatsächlich nur ein einziges Werk zu seinen Lebzeiten verkauft?

Vincent van Gogh, Der rote Weinberg bei Arles, 1888Vincent van Gogh, Der rote Weinberg bei Arles, 1888

La Vigne rouge à Montmajour, im Deutschen besser bekannt als Der rote Weinberg bei Arles, ist ein Ölgemälde des niederländischen Malers Vincent van Gogh, das im November 1888 in Arles entstand.

Es soll das einzige Gemälde sein, das Vincent van Gogh zu Lebzeiten öffentlich verkauft hat.

Wir wissen zwar, dass Vincent van Gogh im Laufe seiner rund 10 Jahre langen künstlerischen Schaffensphase mit finanziellen Schwierigkeiten zu kämpfen hatte, doch was ist dran an der Geschichte, dass er nur ein einziges Kunstwerk verkauft hat.

Finden wir es heraus.

Wie viele Bilder hat Vincent van Gogh zu seinen Lebzeiten verkauft?

Der rote Weinberg bei Arles wurde zum ersten Mal auf dem jährlichen Salon der Les XX (eine Gruppe von 20 belgischen Malern) im Jahr 1890 in Brüssel ausgestellt. Dort wurde das Gemälde wenige Monate vor dem Tod von van Gogh für 400 Francs an Anna Boch, impressionistische Malerin, Mitglied der Les XX und Mäzenin der belgischen Kunst, verkauft.

 

Wissenswert: Anna Boch ist die Schwester von Eugène Boch, einem impressionistischen Maler und Freund von Vincent van Gogh, der sein Porträt (Le Peintre aux étoiles) im Herbst 1888 in Arles gemalt hatte.

Dennoch scheint es, dass Vincent selbst mindestens ein weiteres Bild verkauft hat: In dem Brief Nummer 638 an seinen Bruder Theo erklärt er, dass er ein Porträt eines Freundes von Père Tanguy für 20 Francs verkauft hat. Man nimmt an, dass es sich dabei um das Bild eines Mannes mit Schnurrbart von 1886-1887 handelt (siehe unten).

Zitat aus dem Brief in englischer Fassung: "I had the further thought that if you care to recall that I painted portraits of Père Tanguy (which he still has),5 of mère Tanguy (which they sold),6 of their friend (it’s true that I was paid 20 francs by him for the latter portrait),…"
Vincent van Gogh, Bild eines Mannes mit Schnurrbart, 1886-1887

Vincent van Gogh, Bild eines Mannes mit Schnurrbart, 1886-1887

Auch über eine bezahlte Auftragsarbeit in seiner frühen Schaffensphase gibt es Belege:

Im Jahr 1882 schuf Van Gogh auf Wunsch seines Onkels Cor eine Serie von Bildern der Stadt Den Haag in den Niederlanden. Es war seine erste bezahlte Auftragsarbeit, nachdem er sich rund zwei Jahre zuvor entschlossen hatte, Künstler zu werden.

Vincent van Gogh, Brücke und Häuser an der Ecke Herengracht-Prinsessegracht, 1882

Vincent van Gogh, Brücke und Häuser an der Ecke Herengracht-Prinsessegracht, 1882 | Foto via Van Gogh Museum Amsterdam

Darüber hinaus hat Theo mindestens ein Werk von Vincent zu seinen Lebzeiten an eine Galerie in London verkauft. Es ist anzunehmen, dass Theo weitere Werke seines Bruders getauscht oder verkauft hat und ihn mit den Erlösen finanziell unterstützte.

 
 

Es lässt sich feststellen, dass die Anzahl der heute als gesichert geltenden Verkäufe zu Vincent van Goghs Lebzeiten größer ist als nur ein einziger. 

Der rote Weinberg bei Arles ist jedoch das Werk, dessen Verkaufsgeschichte am genauesten dokumentiert ist.

Die Entstehungsgeschichte von "Der rote Weinberg bei Arles"

Vincent van Gogh, Der rote Weinberg bei Arles, 1888

Vincent van Gogh, Der rote Weinberg bei Arles, 1888

Dieses Gemälde stellt die Weinlese auf dem Land von Arles dar, wahrscheinlich in Le Trébon. Dieses Werk ist bemerkenswert wegen seiner Farben, insbesondere wegen des Gegensatzes zwischen den Komplementärfarben Gelb und Violett, was wiederum die Entwicklungen der späteren Fauvisten ankündigte.

In seinem Brief vom 2. Oktober 1888 erzählt Vincent Eugène Boch von seinem Projekt:

Nun, ich muss in den Weinberg in der Nähe des Mont Major gehen und dort arbeiten. Es ist alles violett, gelb-grün unter dem blauen Himmel, ein schönes Farbmuster. 

In dieser Zeit von September bis Oktober 1888 arbeitete Vincent van Gogh an der Wirkung der Farbe, was sich am besten in seinen Werken wie Das Nachtcafé oder der Sternennacht über der Rhone zeigt.

Besonderheiten der Darstellung des Weinbergs

Ende des neunzehnten Jahrhunderts wurde der Weinbau von der verheerenden Reblausplage heimgesucht. Ungewöhnlich sind die roten und gelben Farbtöne der Blätter während der Ernte, die bei der Reife der Trauben noch grün sein sollten. Das Absinken der Äste auf den Boden kann ein Zeichen der Schwäche der Reben sein, was wiederum auf den Lausbefall hindeuten würde.

Im Jahr 1875 erreichte die französische Weinproduktion 84,5 Millionen Hektoliter. Im Jahr 1889, ein Jahr nach dem Gemälde von van Gogh fiel die Zahl auf 23,4 Millionen - zu großen Teilen zurückzuführen auf die Reblausplage.