Gemälde

Wieso Whistlejacket von George Stubbs eins der beeindruckendsten Pferdebilder aller Zeiten ist

George Stubbs, Whistlejacket, 1762, 1500pxGeorge Stubbs, Whistlejacket, 1762

Whistlejacket ist ein um 1762 datiertes Ölgemälde des englischen Künstlers George Stubbs, das das Rennpferd des Marquess of Rockingham annähernd in Lebensgröße zeigt, wie es sich vor einem schlichten Hintergrund aufbäumt.

In diesem Artikel sehen wir uns an, was das Gemälde so besonders macht und wieso es auch nach mehr als 250 Jahren die Betrachter in seinen Bann zieht.

Beschreibung von George Stubbs' Whistlejacket

Das sich aufbäumende Pferd verlagert das Gewicht auf die Hüften, wodurch eine enorme Aufwärtsbewegung im Körper des Tieres erzeugt wird. Die Nüstern sind weit geöffnet. Der Kopf dreht sich zur Bildebene hin und blickt dem Betrachter direkt entgegen. Die Mähne und der Schweif reagieren auf die Bewegung des Pferds. 

 

Hinweis: George Stubbs stellt Whistlejacket in fotorealistischer Genauigkeit dar. Das Pferd führt gerade eine "Levade" aus. Diese Übung der Reitkunst beschreibt die Verlagerung des Gewichts auf die gebeugten Hinterbeine, während die Vorderbeine zum Leib gezogen werden.

Die ungezügelte Bewegung von Whistlejacket wird nicht durch einen Reiter gestört. Der Blick des Betrachters wird durch den strengen, landschaftslose Hintergrund eingefasst und direkt auf das Pferd gelenkt.

Im Gegensatz zu vielen Reiterporträts präsentierte Stubbs' Werk das Pferd in seiner puren Leidenschaft, anstatt es durch einen Reiter gebändigt darzustellen. Der Betrachter, der sich nicht sicher ist, ob das Pferd eine natürliche Bewegung ausführt oder auf ein Kommando reagiert, wird allein gelassen, um die Muskulatur des arabischen Hengstes des zweiten Marquess of Rockingham zu bewundern.

Interpretation des Gemäldes

Whistlejacket, National Gallery

Foto: Judy dean / Flickr

Stubbs' monumentales Ölgemälde des Rennpferdes auf Leinwand (292 x 246,4 cm) wird in Raum 34 der Londoner National Gallery ausgestellt.

Das Licht bricht sich an dem kastanienfarbigen Fell des Pferdes und verleiht dem Bild eine besondere Energie. Der Schweif und die Mähne schweben in der Luft und umspielen die muskulöse Anatomie des Pferdes.

Weiße Akzente betonen die unbändige Energie des Pferdes und vereinen die Komposition zugleich. Weiße Stellen befinden sich am Schweif, über den Hufen und an der Stirn.

Die physische Perfektion von Whistlejacket, die den Marquess dazu anregte, das Gemälde bei Stubbs in Auftrag zu geben, sind mit der für den Maler typischen anatomischen Genauigkeit festgehalten.

Die Besonderheit der Pferdemalerei von Stubbs

Als Tiermaler verwendete Stubbs eine Malweise, die es ihm erlaubte, sowohl die pure Körperlichkeit als auch die angeborene Scharfsinnigkeit von Pferden zu vermitteln.

Stubbs ist dafür bekannt, die Pferdemalerei revolutioniert zu haben. Er studierte die Anatomie der Pferde, ähnlich wie Da Vinci die menschliche Anatomie studierte. 1756 verbrachte Stubbs 18 Monate in Lincolnshire, um Pferde zu sezieren. Entschlossen, sich ein praktisches Wissen über die Physiologie von Pferden anzueignen, ließ Stubbs Kadaver aufhängen und in verschiedene Positionen manövrieren, um die Anatomie der Tiere besser zu verstehen.

Die Pferdemalerei war ein lukrativer Beruf, da die Auftraggeber wohlhabende Besitzer der hochklassigen Reitpferden waren. Aufgrund seiner intensiven anatomischen Auseinandersetzung wurde Stubbs zum wichtigsten Pferdemaler seiner Zeit.

Das Tier war eines der bedeutendsten Rennpferde seiner Zeit. Nur vier Mal in seiner Laufbahn geschlagen, wurde Whistlejacket zum Synonym für Geschwindigkeit und Erfolg.

Die Bedeutung von Whistlejacket für die National Gallery in London

Whistlejacket NGL

Foto: Andy hay / Flickr

Whistlejacket ist eine der wichtigsten Neuanschaffungen der National Gallery in London. Das Gemälde wurde 1997 für 11 Mio. £ von den Erben des Earl of Rockingham erworben. Das Gemälde wurde seither auf zahlreichen Plakaten, Broschüren und Souvenirs der National Gallery abgebildet. 

Stubbs' sorgfältige, anatomisch genaue Malweise sorgt dafür, dass auch heute noch die Pferdemalerei ein Genre ist, das in einer Zeit voller abstrakter, gegenstandsloser Kunst Bewunderung findet.