Kürbis Kusama
Kunst

Wieso bewundert Yayoi Kusama Kürbisse so sehr?

Foto: Garrett Ziegler / Flickr

Yayoi Kusama hat sich als führende zeitgenössische Künstlerin einen Namen gemacht. Im Laufe ihrer ruhmreichen Karriere hat die japanische Künstlerin einen charakteristischen Ansatz für ihr Handwerk entwickelt. Geprägt von Polka-Dots, kräftigen Farbpaletten und organischen Formen, lassen sich ihre Ausdrucksformen vielleicht am besten durch ihre Kürbiskunst charakterisieren, eine Sammlung von Werken, die die großzügige Bescheidenheit des Subjekts würdigt.

Kusamas Begeisterung für Kürbisse ist in ihrer Kindheit verwurzelt und hat ihre Arbeitsweise seit über 70 Jahren maßgeblich geprägt. Ob Detailzeichnungen, öffentliche Skulpturen oder eindrucksvolle Installationen, Kusamas stilisierte Interpretationen des Kürbisses sind einige ihrer bekanntesten Werke geworden und gehören zu den kultigsten Meisterwerken der zeitgenössischen Kunst.

Yayoi Kusamas Beziehung zu Kürbissen

Geboren 1929 in einer Bauernfamilie, begann Yayoi Kusama als Grundschülerin, Bilder von Kürbissen zu zeichnen. In dieser Zeit begann die Künstlerin auch lebhafte Halluzinationen zu erleben, die sie seither als Inspiration für viele ihrer markanten Motive nannte: Polka Dots, Blumen und natürlich Kürbisse.

Im Gegensatz zu Polka Dots und Blumen, deren halluzinatorische Formen die angehende Künstlerin Kusama erschreckten, fand sie Trost bei den Kürbissen und bemerkte, dass sie bereits bei ihrer ersten Begegnung von ihrer reizvollen und anmutigen Form entzückt war.

In ihrer Autobiografie Infinity Net erinnert sie sich: 

Das erste Mal, dass ich einen Kürbis sah, war in der Grundschule. Ich ging mit meinem Großvater auf ein großes Saatguterntegelände. Und da war er: ein Kürbis von der Größe eines Männerkopfes. Er fing sofort an, auf sehr lebhafte Weise mit mir zu sprechen.

Aufkeimendes Interesse am Kürbis

Kusamas Liebe zu Kürbissen begleitete sie durch ihr gesamtes Teenager-Alter. Im Alter von 17 Jahren machte sie ihre Vorliebe für Kürbisse mit ihrem Gemälde Kabocha bekannt, das sie in einer Wanderausstellung präsentierte. Nach diesem pflanzlichen Erstwerk verschwand das Kürbismotiv jedoch jahrzehntelang aus Kusamas Oeuvre, da sie beschloss, sich stattdessen der Performancekunst zu widmen.

Yayoi Kusamas Kürbisse

Foto: Dutch Blythe Fashion / Flickr

In den 1970er und 80er Jahren entdeckte Yayoi Kusamas Kürbisse erneut in ihrem künstlerischen Schaffen. Während dieser Zeit begann sie, Gemälde, Drucke und Zeichnungen des Themas zu schaffen. Neben ihren markanten Schalen, die mit Polka-Dots übersät waren, lebendigen Farbschemata und ihren runden Silhouetten sind ihre Kürbisse durch ihren Anthropomorphismus erkennbar. 

In einem Interview sagte Kusama im Jahr 2015:

Ich liebe Kürbisse wegen ihrer humorvollen Form, ihrer Wärme und ihrer menschenähnlichen Qualität.

Yayoi Kusamas Motive ihres mittleren Werk

Obwohl Kusama diese menschenähnliche Qualität durch Arbeiten auf Papier oder Leinwand erfolgreich vermitteln kann, wird sie erst durch die dreidimensionale Wiedergabe volkommen lebendig. In den 90er Jahren erkannte die Künstlerin die bildhauerischen Qualitäten des Kurbisses voll und ganz. Damals entschied sie sich, ihn in einen ihrer berühmten verspiegelten Infinity Rooms  zu integrieren.

Kusama schuf Mirror Room (Pumpkin) für eine Ausstellung 1991 in der Fuji Television Gallery, einem Ausstellungsraum, der für die Präsentation zeitgenössischer Kunst in Japan bekannt ist. Um jene Arbeit zu erschaffen, bedeckte Kusama die Wände, den Boden und die Decke eines Raumes mit einer Schicht gelber Farbe, die mit schwarzen Polka-Dots verziert war.

In der Mitte des Raumes installierte sie einen verspiegelten Würfel mit Kürbissen aus Papiermaché. Durch eine kleine Öffnung konnten die Besucher dieses provisorische Anrichtung des Kürbisses sehen, das aufgrund des reflektierenden Innenraums des Würfels endlos erschien.

Im Jahr 1994 wandte sich Kusama erneut der Skulptur zu, um ihre Liebe zu Kürbissen zum Ausdruck zu bringen. Diesmal entschied sie sich jedoch, sich ihr Lieblingsmotiv als freistehende Skulptur vorzustellen. Dieser gefleckte gelbe Kürbis liegt am Ende eines Steges auf der Insel Naoshima, die für ihre wachsende Sammlung zeitgenössischer Kunst bekannt ist.

Neben dem Beginn der berühmten Sammlung der Insel legte das Stück den Grundstein für Kusamas spätere Freiluftskulpturen, die sie heute noch fertigt.

Yayoi Kusamas Kürbisse Japan

Foto: cotaro70s / Flickr

Yayoi Kusamas Kürbisse der Gegenwart

Seit Beginn des neuen Jahrtausends hat Kusama mehrere neue Kürbiskunstwerke geschaffen. In den Jahren 2016 und 2017 stellte sie zwei neue Infinity Rooms mit Kürbismotvien vor. Neben der Veranschaulichung ihrer lebenslangen Liebe zu Kürbissen greifen diese Installationen auf einige von Kusamas charakteristischen Themen zurück, darunter Unendlichkeit, das Erhabene und die zwanghafte Wiederholung.

Neben diesen wechselnden Installationen sind Yayoi Kusamas Kürbisse in öffentlichen Räumen und privaten Sammlungen auf der ganzen Welt vertreten. Es scheint, dass die 90-jährige Künstlerin nicht die Absicht hat, in absehbarer Zeit mit ihren Kürbissarbeiten nachzulassen. "Mein Wunsch, Kürbiskunstwerke zu schaffen, hält immer noch an", verriet sie 2015. "Ich bin begeistert, als wäre ich noch ein Kind."

Infinity Kürbis Kusama

Foto: Patricia Barden / Flickr