Malerei

Oskar Kokoschka – Biografie und Einfluss des österreichischen Künstlers

Oskar KokoschkaFoto: Arturo Espinosa / Flickr / CC BY 2.0

Oskar Kokoschka entwickelte sich mutig von einem eher dekorativen Stil zu einem kräftigen Expressionismus. Er wurde während der Wiener Jahrhundertwende volljährig, untersuchte Sigmund Freuds Analyse von Traumerlebnissen und Unbewusstem und gab der wachsenden Angst der bürgerlichen Klasse gegenüber der Neuzeit eine Stimme.

Seine desorientiert gestalteten Kompositionen konfrontierten den Betrachter mit kraftvollen Pinselstrichen und intensiven Farben. 

Seine Unabhängigkeit von stilistischen Einschränkungen sowie sein Glaube an die Kraft der Kunst, das Bewusstsein für zeitgenössische Probleme zu sensibilisieren, waren ein Vorbild für viele Künstler des 20. Jahrhunderts.

So sind einige Vertreter des Abstrakten Expressionismus und des Neoexpressionismus von Oskar Kokoschka inspiriert worden.

Schlüsselideen zu Oskar Kokoschka

  • Wie viele Expressionisten vermied Kokoschka die harmonischen Effekte von Farbe und Form und schuf stattdessen stürmische Gemälde mit gegensätzlichen Farbnuancen und verkrümmten Winkeln, um eine emotionale Intensität zu erzeugen, die den Betrachter von bürgerlicher Langeweile und Konservatismus befreien soll.
  • Kokoschkas Vorliebe für die Porträtmalerei und das Selbstporträt war unter den Expressionisten einzigartig. Kokoschka ging es weniger darum, die körperlichen Eigenschaften seiner Dargestellten so realistisch wie möglich darzustellen, als vielmehr darum, ihre und seine innere Psyche durch übertriebene Gesichtszüge, Gesten und Pinselstriche einzufangen.
  • Kokoschka, der als unverblümter Kritiker der Nationalsozialisten und des Faschismus galt, glaubte, dass die Kunst dieser Macht entgegenwirken könnte. Aus diesem Grund malte er nie völlig abstrakt wie einige seiner anderen Kollegen der Avantgarde. Er war der Meinung, dass die Kunst einen Bezug zur konkreten Welt haben sollte, um sie möglichst kraftvoll zu einzusetzen.

Oskar Kokoschka Biografie

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Foto: photo©ErlingMandelmann.ch / CC BY-SA 3.0

Als zweites Kind von Gustav Josef Kokoschka und Maria Romana Kokoschka wurde Oskar Kokoschka (1. März 1886 - 22. Februar 1980) in Pöchlarn, Österreich, geboren.

Sein älterer Bruder starb im Säuglingsalter. Seine Schwester Berta wurde 1889 geboren, und ein Bruder, Bohuslav, im Jahr 1892.

Kindheit und frühe Jugend

Das Leben der Familie war nicht einfach, vor allem aufgrund der mangelnden finanziellen Stabilität seines Vaters. Sie zogen immer wieder in kleinere Wohnungen, immer weiter und weiter weg vom blühenden Zentrum der Stadt.

Als Kokoschka zu dem Schluss kam, dass sich sein Vater nicht angemessen verhielt, rückte er näher an seine Mutter heran. Da er sich selbst als Hausherr verstand, unterstützte er seine Familie weiterhin, sobald er finanziell unabhängig wurde. Kokoschka trat einer Realschule bei, auch wenn er die meiste Zeit während des Unterrichts klassische Literatur las.

Einer von Kokoschkas Lehrern schlug vor, eine Tätigkeit in der bildenden Kunst zu erlernen. Gegen den Willen seines Vaters bewarb sich Kokoschka an der Kunstgewerbeschule in Wien, heute die Universität für angewandte Kunst Wien. Die Wiener Kunstgewerbeschule war eine fortschrittliche Schule für angewandte Kunst, die sich vor allem auf Architektur, Möbelgestaltung, Handwerk und modernes Design konzentrierte.

Kokoschka studierte dort von 1904 bis 1909 und wurde von seinem Lehrer Carl Otto Czeschka bei der Entwicklung eines eigenen Stils beeinflusst.

Zu Kokoschkas frühen Werken gehörten Zeichnungen von Kindern, die er als schwerfällig darstellte. Kokoschka hatte keine formale Ausbildung in der Malerei und widmete sich gänzlich ungefiltert dem Medium, ohne Rücksicht auf die "traditionelle" oder "richtige" Art zu malen. 

Frühwerk von Oskar Kokoschka

Die Lehrer der Kunstgewerbeschule halfen Kokoschka durch die Wiener Werkstätte neue Möglichkeiten zu erhalten. Kokoschkas erste Aufträge waren Postkarten und Poster.

Seine frühe berufliche Entwicklung war auch von Porträts von Wiener Prominenten bestimmt, die in einem nervös anmutenden Stil gemalt wurden.

Berlin - Neue Nationalgalerie

Kokoschka hatte eine leidenschaftliche, oft turbulente Beziehung mit Alma Mahler. Ihre Beziehung begann 1912, fünf Jahre nach dem Tod ihrer vierjährigen Tochter Maria Mahler und zwei Jahre nach ihrer Affäre mit Walter Gropius, dem späteren renommierten Architekten in Berlin.

Aber nach einigen gemeinsamen Jahren wies Alma ihn zurück und erklärte, dass sie Angst hatte, von der Leidenschaft überwältigt zu werden. Er liebte sie sein ganzes Leben lang, und eines seiner berühmtesten Werke Die Windsbraut ist Ausdruck ihrer Beziehung.

Im Ersten Weltkrieg meldete er sich freiwillig als Kavallerist beim österreichischen Heer und wurde 1915 schwer verletzt. Im Krankenhaus entschieden die Ärzte, dass er psychisch labil sei. Dennoch entwickelte er seine Karriere als Künstler weiter, reiste durch Europa und malte Landschaften.

München (Munich), Germany - Pinakothek der Moderne

Mittleres Werk

Im Mai 1922 nahm er am Internationalen Kongress der Progressiven Künstler teil und unterzeichnete die Gründungsurkunde des "Kongress der Union Internationaler Fortschrittlicher Künstler".

Kokoschka galt im Nationalsozialismus als entartet und floh 1934 aus Österreich nach Prag. In Prag wurde sein Name von einer Gruppe anderer ausländischer Künstler, dem Oskar Kokoschka Bund (OKB), übernommen, obwohl Kokoschka die Teilnahme an ihrer Gruppe ablehnte.

Als die Tschechen 1938 begannen, sich für die erwartete Invasion der Wehrmacht zu mobilisieren, floh er nach Großbritannien und blieb dort während des Krieges. Mit Hilfe des Britischen Komitees für Flüchtlinge konnten alle tschechischen Mitglieder des OKB durch Polen und Schweden fliehen.

Während einiger Sommermonate lebte er mit seiner jungen Frau Oldriska "Olda" Palkovská Kokoschka in Ullapool, einem Dorf in Wester Ross, Schottland. Dort zeichnete Kokoschka mit Farbstift und malte viele Landschaftsaufnahmen in Aquarell, während er in Ullapool ein Porträt seines Bekannten Ferdinand Bloch-Bauer malte. Das Gemälde hängt im Kunsthausmuseum in Zürich.

Zwischen 1941-1946 verbrachten er und Olda jeden Sommer auch mehrere Wochen mit dem tschechischen Professor Emil Korner in seinem Haus in Wigtownshire.

Spätwerk und Auswanderungen

Kokoschka wurde 1946 britischer Staatsbürger und erhielt erst 1978 die österreichische Staatsbürgerschaft zurück. 1947 reiste er kurz in die Vereinigten Staaten, bevor er sich in der Schweiz niederließ, wo er den Rest seines Lebens lebte. Er starb am 22. Februar 1980 in Montreux.


Künstlerisches Vermächtnis von Kokoschka

Kokoschka hatte viel mit seinem Zeitgenossen Max Beckmann gemeinsam. Beide behielten ihre Unabhängigkeit vom deutschen Expressionismus bei, gelten aber heute als Lehrbuchbeispiele für den Stil.

Dennoch hebt sich ihr Individualismus von den Hauptbewegungen der Moderne des 20. Jahrhunderts ab. Beide schrieben wortgewandt über die Notwendigkeit, die Kunst des "Sehens" zu entwickeln, und beide waren Meister innovativer Ölmaltechniken, die in früheren Traditionen verwurzelt waren.