Malerei

Georgia O’Keeffe – Biografie, Kunstwerke und Vermächtnis

Georgia O'Keeffe

Georgia O'Keeffe war eine bedeutende amerikanische Malerin des 20. Jahrhunderts und Pionierin der amerikanischen Moderne. Sie war vor allem für ihre Gemälde von Blumen, Tierschädeln und Landschaften aus New Mexico bekannt.

Kernideen von und zu Georgia O'Keeffe

  • O'Keeffe bezog die Techniken anderer Künstler ein und wurde besonders durch Paul Strands Verwendung von Ausschnitten in seinen Fotografien beeinflusst; sie war eine der ersten Künstlerinnen, die diese Methode für die Malerei adaptierte, indem sie Nahaufnahmen von einzigartigen amerikanischen Objekten machte, die sehr detailliert und dennoch abstrakt waren.
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    O'Keeffe folgte keiner bestimmten künstlerischen Bewegung, sondern experimentierte mit der Abstraktion von Motiven aus der Natur. Sie arbeitete in Serien und kombinierte Abstraktion und Realismus, um Werke zu schaffen, die die primären Formen der Natur hervorheben. Während einige dieser Werke sehr detailliert sind, reduzierte sie in anderen das ihrer Meinung nach Unwesentliche, um sich auf Form und Farbe zu konzentrieren.

Georgia O'Keeffe Biografie

Kindheit und Frühwerk

Georgia O'Keeffe wurde am 15. November 1887 in der Nähe von Sun Prairie, Wisconsin, als zweites von sieben Kindern geboren. Sie wurde schon früh von ihrer Mutter zum Kunstunterricht ermutigt und nahm Aquarellstunden bei der einheimischen Künstlerin Sara Mann.

O'Keeffe stammte aus einer Familie, in der die weibliche Erziehung betont wurde. Sie hatte das Glück, von 1905 bis 1906 die School of the Art Institute of Chicago zu besuchen, wo sie bei John Vanderpoel studierte.

Im Herbst 1907 zog O'Keeffe nach New York City und besuchte Kurse an der Art Students League, wo sie unter William Merritt Chase studierte. Ein Preis, den sie für eines ihrer Stillleben gewann, ermöglichte ihr die Teilnahme an der Sommerakademie in Lake George, New York.

Während ihres Aufenthalts in New York besuchte sie Ausstellungen in der Gallery 291, die dem Fotografen Alfred Stieglitz gehörte und einer der wenigen Orte in den USA war, an dem europäische Kunst der Avantgarde ausgestellt wurde.

Zum ersten Mal wurde O'Keeffe mit populären europäischen Künstlern wie Auguste Rodin und Henri Matisse in Kontakt gebracht. Sie gab 1908 für vier Jahre die Kunstkarriere auf und nahm eine Stelle als Werbegrafikerin in Chicago an.

Im Jahr 1912 begann sie sich wieder auf ihre Kunst zu konzentrieren, nachdem sie einen Zeichenkurs an der Sommerschule der University of Virginia besucht hatte. Ihr Lehrer, Alon Bement, bekannte sich zu einem innovativen Unterrichtsstil, der stark vom Künstler Arthur Wesley Dow beeinflusst war.

Während sie 1915 am Columbia College in South Carolina unterrichtete, begann O'Keeffe mit Dows Theorie der Selbsterforschung mittels Kunst zu experimentieren.

Sie nahm natürliche Formen wie Farne, Wolken und Wellen und begann eine kleine Serie von Kohlezeichnungen, die sie zu ausdrucksstarken, abstrakten Kombinationen von Formen und Linien vereinfachte. Nach Abschluss dieser Serie schickte O'Keeffe einige von ihnen an ihre Freundin Anita Pollitzer, die die Zeichnungen im Januar 1916 an Alfred Stieglitz übermittelte.

Mittleres Werk

Stieglitz erkannte ihr Potenzial und begann den Austausch mit O'Keeffe. Ohne dass O'Keeffe davon wusste, stellte er zehn ihrer Kohlezeichnungen in seiner Gallery 291 aus. Er schickte ihr Fotos von ihren ausgestellten Zeichnungen und so begann ihre berufliche Zusammenarbeit.

Während O'Keeffe weiterhin lehrte, kehrte sie 1917 nach New York zurück, um ihre erste Einzelausstellung zu sehen, die Stieglitz arrangierte. In dieser Zeit begannen O'Keeffe und Stieglitz eine Beziehung, die bis zu seinem Tod andauern sollte.

1918 bot Stieglitz an, O'Keeffe ein Jahr lang finanziell zu unterstützen, damit sie in New York leben und malen konnte. Sie nahm eine Beurlaubung von ihrer Lehrtätigkeit an und widmete sich zum ersten Mal ausschließlich dem künstlerischen Schaffen. Stieglitz ließ sich von seiner ersten Frau scheiden, woraufhin er und O'Keeffe im Jahr 1924 heirateten.

Alfred Stieglitz, Georgia O'Keeffe, 1920

Alfred Stieglitz, Georgia O'Keeffe, 1920

In den 1920er Jahren stellte Stieglitz O'Keeffe seinen Freunden und Künstlerkollegen vor, zu denen Marsden Hartley, Arthur Dove, John Marin und Paul Strand gehörten. Stieglitz und sein Circle, wie sie genannt wurden, setzten sich für den Modernismus in den Vereinigten Staaten ein. O'Keeffe wurde durch Strands Fotografie und die Fähigkeit der Kamera, wie eine Lupe eingesetzt zu werden, sowie durch Charles Sheelers Präzisionsarbeit stark beeinflusst.

Diesen Interessen folgend, begann sie, großformatige Gemälde von Naturformen aus nächster Nähe zu malen und wechselte in dieser Zeit auch von Aquarell- zu Ölfarben. Neben Blumen stellte O'Keeffe auch New Yorker Wolkenkratzer und andere architektonische Formen dar.

Mitte der 1920er Jahre wurde O'Keeffe als eine der bedeutendsten amerikanischen Künstlerinnen ihrer Zeit anerkannt und ihre Kunst begann, hohe Preise zu erzielen.

O'Keeffes Faszination für die Landschaft New Mexikos begann 1929, als sie als Gast der berühmten Kunstmäzenin Mabel Dodge Luhan auf Dodge's Ranch zu Gast war. O'Keeffe verliebte sich in die Landschaft New Mexicos mit ihren Ausblicken und ihrem kargen Land und kehrte bis 1949 jeden Sommer zurück, um dort zu malen.

Die aus dieser Landschaft entstandenen Werke fingen die Schönheit der Wüste ein, ihren weiten Himmel, die charakteristischen architektonischen Formen und die Knochen, die sie in der Wüste sammelte. O'Keeffes Kauf zweier Grundstücke in New Mexico verband sie schließlich noch stärker mit der Umgebung.

In den 1930er und 1940er Jahren wuchs O'Keeffes Popularität weiter, als sie  mit zwei wichtigen Retrospektiven gewürdigt wurde: Die erste 1943 im Art Institute of Chicago und die zweite 1946 im Museum of Modern Art in NYC.

Spätwerk und Tod

1949, drei Jahre nach Stieglitz' Tod, zog O'Keeffe dauerhaft nach New Mexico.

In den 1950er Jahren schuf sie eine Reihe von Werken, in denen die architektonischen Formen ihrer Hofwand und Tür eines ihrer beiden Häuser in der Nähe von Santa Fe dargestellt wurden.

O'Keeffe begann, viel zu reisen und Inspiration für ihre Arbeit zu sammeln. Sie erhielt viele Auszeichnungen, darunter die Mitgliedschaft in der American Academy of Arts and Letters, die Medal of Freedom und die National Medal of Arts. 

Trotz abnehmender Popularität in den 1950er und 1960er Jahren belebte eine Retrospektive des Whitney Museum of American Art 1970 ihre Karriere wieder und machte sie einer neuen Generation von Frauen im Zeitalter des Feminismus bekannt.

Obwohl ihr Sehrvermögen in ihren letzten Jahren zurückging, schuf O'Keeffe in den 1970er Jahren weiterhin Kunst - vor allem in Aquarell, Bleistift und Ton. Ihre letzten Gemälde bestehen aus einfachen abstrakten Linien und Formen und erinnern an ihre frühen Kohlezeichnungen.

Sie verstarb am 6. März 1986 im Alter von 98 Jahren in Santa Fe.


Das Vermächtnis von Georgia O'Keeffe

Georgia O'Keeffe hat 70 Jahre lang Kunst geschaffen und zur Entwicklung der amerikanischen Moderne beigetragen. Sie war ein prominentes Mitglied des progressiven Stieglitz-Circle und beeinflusste die frühen amerikanischen Künstler der Moderne.

Sie ist bekannt für ihre Rolle als Pionierin der weiblichen Kunst. Obwohl sie deren Interpretation ihres Werkes ablehnte, hatte sie einen starken Einfluss auf die Künstlerinnen der feministischen Kunstbewegung, darunter Judy Chicago und Miriam Shapiro.

Als produktive Künstlerin hat sie im Laufe ihrer Karriere mehr als 2000 Werke geschaffen. Das Georgia O'Keeffe Museum in Santa Fe war das erste Museum in den Vereinigten Staaten, das einer Künstlerin gewidmet ist. Dessen Forschungszentrum sponsert heute bedeutende Stipendien für Wissenschaftler der modernen amerikanischen Kunst.


Bekannte Kunstwerke von Georgia O'Keeffe

Black Iris, 1926

Georgia O'Keeffe ist am bekanntesten für ihre dramatischen und zugleich sinnlichen Nahaufnahme von Blüten, als ob sie durch eine Lupe betrachtet worden wären.

Einige von ihnen wurden als verhüllte Darstellung des weiblichen Körpers interpretiert, wobei ihre ikonischen Darstellungen von Schwertlilien am bekanntesten sind.

O'Keeffe erklärte jedoch, dass sie nur malte, was sie sah und keine Hintergedanken an das weibliche Geschlecht hatte. Black Iris III ist das wohl bekannteste Werk von O'Keeffe.

Oriental Poppies, 1928

Dieses Gemälde wurde bei der Vorstellung zu einem bahnbrechenden Meisterwerk der Kunst erklärt. O'Keeffe hat ihre gewohnte Methode der Vergrößerung von Blumen angewandt, um dem Betrachter die Möglichkeit zu geben, die Schönheit der Blume mit all ihren Details zu würdigen.

 Hinter den beiden riesigen Mohnblumen fehlt der Kontext und der Hintergrund. So werden sie als reine Abstraktionen in einem neuen Blickwinkel präsentiert.

Sky above Clouds IV, 1965

Sky above the Clouds IV

In ihren späteren Jahren war O'Keeffe von den Aussichten gefesselt, die sie auf ihren Reisen um die Welt aus dem Fenster des Flugzeugs sah. Dies führte zu ihrer berühmten Serie von Wolkenlandschaften, die von oben gesehene Wolken zeigen. Sky Above Clouds IV ist das wohl anspruchsvollste Werk der Serie.