Kunst

Was man unter der Avantgarde in der Kunst versteht und welche Rolle avantgardistische Künstler spielen

Avantgarde in der KunstIn Anlehnung an die für 120.000$ verkaufte Banane in Miami | Foto: Jason Woodhead / Flickr / CC BY 2.0

Mutig, progressiv, experimentell - alles Worte, die eine Kunst beschreiben, die Grenzen überschreitet und Veränderungen schafft. All diese Eigenschaften werden auch mit einem oft gebrauchten, aber manchmal falsch verstandenen Ausdruck in Verbindung gebracht - nämlich die Avantgarde.

Die grundlegende Bedeutung des Begriffs

Der französische Begriff, der am ehesten mit "Vorhut" oder "Vorkämpfer" übersetzt wird, bezieht sich auf ein visionäres und seiner Zeit vorauseilendes Phänomen.

Häufig verwendet, um über künstlerische Beiträge zur Gesellschaft und Kultur zu diskutieren, ist die Avantgarde für einige der prägendsten Werke der Geschichte verantwortlich. Aber wie lässt sich die Avantgardekunst überhaupt kategorisieren? Wer sind die vorausschauenden Künstler, die die Risiken eingegangen sind, um gravierende Veränderungen und Richtungswechsel zu bewirken, die heute de Verlauf der Kunstgeschichte bestimmen?

In der Kunst ist die Avantgarde meist an eine Art ästhetische Innovation gebunden. Häufig wurde diese Innovation in ihrer Zeit oft missverstanden oder gar nicht akzeptiert. Es ist ein Begriff, der auf jene Kreativen zutrifft, die gegen die Ideale des Mainstreams gekämpft haben. Und obwohl der Begriff oft in Bezug auf die Moderne verwendet wird, gab es auch schon davor einige Künstler, deren Arbeiten zu ihrer Zeit als avantgardistisch angesehen werden könnten.

Usprung des Begriffs der Avantgarde in der Kunst

Bevor wir in einige der bekanntesten Avantgarde-Künstler und Kunstbewegungen eintauchen, wollen wir uns ansehen, woher der Begriff kommt und wie er seine aktuelle Bedeutung angenommen hat. Ursprünglich wurde der Begriff der Avantgarde vom französischen Militär verwendet und bezeichnete eine Vorhut an Truppen, die vor der Hauptarmee Aufklärungsarbeit leistete. Im Laufe des 19. Jahrhunderts wurde er dann auf linke sozialistische Denker und ihre Forderungen nach politischen Reformen angewandt. Der einflussreiche französische Sozialist Henri de Saint-Simon war der erste, der den Begriff erstmals auf die Kunst anwandte.

In einem Text von 1825 fasste er die Künstler zusammen mit Wissenschaftlern und Industriellen als Führer der Gesellschaft, die die Menschen vorwärts weisen konnten. Ab diesem Zeitpunkt wurde der Begriff Avantgarde regelmäßig auf Künstler angewandt, wobei viele den Realismus von Gustave Courbet als Ansatzpunkt nannten. In der Folgezeit wurde der Begriff verwendet, um viele Kunstrichtungen der Moderne zu beschreiben.

Es lässt sich allerdings leicht feststellen, dass auch frühere Künstler wie Leonardo oder Caravaggio zu ihrer Zeit eben jene Vorreiterrolle eingenommen haben. Sie brachen bewusst mit den bis dato geltenden Normen der Kunst, gingen damit ein Risiko ihres künstlerischen Erfolgs ein und trieben die Entwicklung der Kunst genau dadurch voran. Auch die Renaissance selbst war eine avantgardistische Bewegung, weil sie sich in einer Weise mit Perspektive und Realismus beschäftigte, wie man sie vorher nicht kannte.

Die Avantgarde in der Kunst: Visionäre Kunstrichtungen

Dies ist zwar keineswegs eine vollständige Aufzählung, doch nachfolgend findest du einige Bewegungen der Moderne, die typischerweise als Avantgarde in der Kunst genannt werden.

Impressionismus

Impressionismus Hero Monet

Monet, Impression, Sonnenaufgang, 1872

Auch wenn die Kunst des Impressionismus nach heutigen Maßstäben nicht avantgardistisch erscheinen mag, war die Bewegung zu ihrer Zeit gnadenlos revolutionär. 

Die Werke impressionistischer Künstler wurden vom traditionsreichen Pariser Salon (einer jährlich stattfindenden Kunstausstellung) abgelehnt, woraufhin sich einige Künstler wie Monet, Degas und Renoir zusammenschlossen, um ihre eigene Ausstellung zu organisieren. 

Diese Maler bevorzugten Landschaften und Szenen des täglichen Lebens gegenüber den klassisch historischen und mythologischen Themen. Sie brachen auch mit der akademischen Tradition, nur im Atelier zu malen. Sie nahmen bewusst ihre Malausrüstung mit in die Natur, um die flüchtigen Eindrücke (Impressionen) so festhalten zu können, wie sie sie in diesem Moment vor sich wahrnahmen. Die Malerei en plein air war ein Kernpunkt der Bewegung.

Kubismus

Juan Gris, Die Jalousie, 1914

Juan Gris, Die Jalousie, 1914

Durch die völlige Abkehr von traditionellen Formen und die Hinwendung zur Abstraktion ist der Kubismus eine der bekanntesten avantgardistischen Bewegungen.

Die Begründer Georges Braque und Pablo Picasso spielten mit allen traditionellen, akademischen Regeln der westlichen Kunst und verwandelten sie in eine neue, unerwartete Methode des Kunstschaffens. Figuren wurden in geometrische Formen fragmentiert, Farben aufgehellt und vereinfacht, und die Collage wurde popularisiert.

Dadaismus

Duchamp Fountaine

Marcel Duchamp, Fountain

Dada kann eine schwer einzugrenzende Bewegung sein, weil die Werke der Künstler so vielfältig sind. Die Bewegung entstand in der Schweiz während des Ersten Weltkriegs und ist revolutionär für ihre Bemühungen, Werke zu schaffen, die nicht unbedingt ästhetisch ansprechend sind. Ihr Anliegen war es vielmehr, die kapitalistische Gesellschaft und ihre Werte zu hinterfragen.

Dadaistische Künstler benutzten beispielsweise Readymades - alltägliche Objekte, die als Kunstwerke verwendet wurden - um die Rolle des Künstlers in der Kreativität zu hinterfragen. Dada hatte einen tiefgreifenden Einfluss auf andere nachfolgende avantgardistische Bewegungen wie den Fluxus.

Surrealismus

Die Beständigkeit der Erinnerung

Salvador Dalí, Die Beständigkeit der Erinnerung | Foto: Neil R / Flickr.com / CC BY-NC 2.0

Der Surrealismus ist ein höchst experimentelles Phänomen, das auf den Prinzipien des Unterbewusstseins basiert und einer literaturwissenschaftlichen Technik des "Automatismus" entlehnt ist.

Dieser Bruch mit der Realität gab Surrealisten wie Salvador Dalí und Man Ray völlige kreative Freiheit, da sie sich nicht mehr von akademischen Prinzipien leiten ließen. Die traumartige Szenerie ihrer Kunst verbindet realistische Darstellungen mit phantastischen Motiven.

Die Surrealisten waren auch dafür bekannt, dass sie sich in vielen künstlerische Medien versuchten, von der Malerei und Bildhauerei bis zur Fotografie und dem Film.

Fluxus

Fluxus_Pak

Nam June Paik – Random Access Music | Foto: Sascha Pohflepp / Flickr / CC BY 2.0

Fluxus entwickelte sich in den 1960er und 1970er Jahren und kann als interdisziplinäre Bewegung bezeichnet werden, an der Künstler, Designer, Komponisten und Dichter mitgewirkt haben. Der Fluxus wurde maßgeblich vom Dadaismus beeinflusst.

Bekannt wurden die Mitglieder des Fluxus vor allem durch ihre beeindruckende, innovative Performancekunst, die durch die Zusammenarbeit verschiedener Künstlergattungen die Interaktion zwischen dem Publikum und dem Vorgeführten in den Vordergrund stellten. Das fertige Produkt war weniger wichtig als der Weg dorthin und die Art und Weise, wie das Publikum emotional angesprochen wurde.