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Alle Infos zur Kunstrichtung des Kubismus

Wichtige Maler, Eigenschaften und Bedeutung der Stilrichtung

Kubismus
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Seit seinem Aufkommen vor über 100 Jahren gilt der Kubismus als eine der bedeutendsten und faszinierendsten Kunstrichtungen der modernen Kunst. Der Kubismus ist eng mit ikonischen Künstlern wie Pablo Picasso verbunden, dessen fortschrittliche Annäherung an alltägliche Themen die Kunstgeschichte auf den Kopf stellte.

Mit fragmentierten Formen und raffinierten Kompositionen verließ der Kubismus die figurativen Darstellungen der Kunst und bewegte sich hin zur totalen Abstraktion. Dieser Aspekt, gepaart mit seiner einzigartigen Entwicklung und seinem nachhaltigen Einfluss hat den Kubismus zu einer der berühmtesten Kunstformen des 20. Jahrhunderts gemacht.

Was verbirgt sich hinter dem Begriff “Kubismus”?

Franz Marc/Der Blaue Reiter: Füchse, 1913
Franz Marc/Der Blaue Reiter: Füchse, 1913

Die frühen Formen des Kubismus entstanden im Jahr 1906 mit mehreren Werken Picassos. Die von Pablo Picasso und Georges Braque geprägte Stilrichtung zeichnet sich durch eine fragmentierte, derart dekonstruierte Thematik aus, die aus verschiedenen Blickwinkeln gleichzeitig betrachtet werden kann.

Geschichte

Um die Jahrhundertwende wurden Post-Impressionismus und Fauvismus vom experimentellen Ansatz der Impressionisten inspiriert zur prägenden Kunstrichtung Europas. Der französische Maler, Bildhauer, Druckgrafiker und Zeichner Georges Braque trug mit seinen polychromen Gemälden von stilisierten Landschaften und Meereslandschaften zum Fauvismus bei.

1907 traf Braque den spanischen Maler, Bildhauer und Grafiker Pablo Picasso. Zu dieser Zeit war Picasso in seiner “Afrikanischen Periode” und schuf primitive Arbeiten, die von afrikanischen Skulpturen und Masken beeinflusst wurden. Wie Braques post-impressionistische Gemälde spielten diese Stücke mit Form und Farbe, blieben aber gegenständlich.

Nach der Begegnung begannen Braque und Picasso mit der Zusammenarbeit, wichen stärker von ihren bisherigen Stilen ab und schufen gemeinsam ein neues Genre: Kubismus.

Phasen

Proto-Kubismus

Bevor die eigentliche Bewegung begann, übernahmen sowohl Picasso als auch Braque Elemente des späteren Kubismus in ihren jeweiligen Genres. Diese temporäre Übergangszeit wird auch als “Proto-Kubismus” verstanden. Dieser faszinierende Übergang zum Kubismus zeigt sich besonders in zwei ihrer Werke: Les Demoiselles d’Avignon (1907) und Viadukt in L’Estaque (1908).

Les Demoiselles d’Avignon ist vielleicht Picassos berühmtestes Stück aus seiner Afrikaperiode. Das 1907 erschaffene Werk steht an der Schwelle zum Primitivismus und Kubismus, wie die maskenhaften Gesichter der Figuren und die fragmentierte Thematik zeigen.

Das Viadukt in L’Estaque zeigt Braques Interesse am Spiel mit der Perspektive und am Zerlegen von Objekten in geometrische Formen – wichtige kubistische Merkmale.

Analytischer Kubismus

Portrait of Picasso, 1912, oil on canvas
Juan Gris: Portrait of Picasso, 1912

Die erste offizielle Phase des Kubismus wird als analytischer Kubismus bezeichnet. Diese Periode dauerte von 1908 bis 1912 und ist gekennzeichnet durch chaotische Gemälde von fragmentierten Motiven, die in neutralen Tönen wiedergegeben werden. Die gebrochenen Formen überschneiden sich oft und zeigen das Bildobjekt aus mehreren Perspektiven gleichzeitig.

Picasso wandte auch in seiner Bildhauerei die Prinzipien des analytischen Kubismus mit dem Ergebnis an, dass eine Sammlung von Büsten und Figuren entstand, die den experimentellen Ansatz zur Perspektive unterstreichen.

Zu dieser Zeit schlossen sich Picasso und Braque weitere hochkarätige Künstler an, darunter der spanische Maler Juan Gris. Gris wurde zu einem weiteren namhaften Maler, der vor allem für seine Rolle im synthetischen Kubismus bekannt war.

Synthetischer Kubismus

Der synthetische Kubismus ist die zweite Phase der Bewegung, die 1912 begann und bis 1914 andauerte. Während dieser Zeit vereinfachten Picasso, Braque, Gris und andere Künstler ihre Kompositionen und bereicherten ihre Farbauswahlen.

Der synthetische Kubismus zeigt ein Interesse an Stillleben, die entweder als Gemälde oder als Collage dargestellt werden.

Vorläufer des Kubismus

Angesichts der Popularität des Post-Impressionismus und Braques persönlicher Beziehung zum Fauvismus ist es nicht verwunderlich, dass beide Bewegungen eine Schlüsselrolle bei der Formung des Kubismus spielten.

Post-Impressionismus

Ein Sonntagnachmittag auf der Insel La Grande Jatte "Ein Sonntagnachmittag auf der Insel La Grande Jatte" wurde in den 1880er Jahren von Georges Seurat, einem Pionier des Pointillismus, gemalt. Um das großformatige Stück zu schaffen, hat Seurat Millionen von handgemalten Punkten auf die 207.6 cm × 308 cm große Leinwand aufgetragen. Neben dem monumentalen Abschlussstück kreierte Seurat kleinere Studien zu dem Motiv
Georges Seurat: Ein Sonntagnachmittag auf der Insel La Grande Jatte, 1884

Die Kubisten liehen sich mehrere künstlerische Elemente von postimpressionistischen Malern wie Paul Cézanne aus.

Dazu gehören flache Farbflächen, geometrische Formen und vor allem eine verzerrte Darstellung der Perspektive. “Die harten und schnellen Regeln der Perspektive, die der Kunst aufgezwungen wurden, waren ein schrecklicher Fehler, den man erst nach vier Jahrhunderten wiedergutmachen konnte”, erklärte Braque im Jahr 1957. “Die wissenschaftliche Perspektive zwingt die Objekte in einem Bild, vom Betrachter zu verschwinden, anstatt sie in seine Reichweite zu bringen, wie es die Malerei tatsächlich sollte.”

Fauvismus

Frau mit Hut (Henri Matisse)
Henri Matisse: Frau mit Hut, 1905

Neben dem Post-Impressionismus wurde die kubistische Kunst auch vom Fauvismus inspiriert.

Abgesehen von Braques Verbundenheit zum Fauvisus wurde dieser Einfluss durch Picassos Beziehung zu Matisse verstärkt, einem Künstler, der dafür bekannt ist, Blöcke bunter Farbe zu verwenden und Muster zu wiederholen, um eine Szene zu komponieren.

Picasso sagte, dass die beiden Künstler so eng zusammengearbeitet haben, wie keine anderen. Matisse kannte Picassos Werke bis ins Detail und studierte sie regelrecht, um sie zu verstehen. Andersherum betrachtete auch Picasso die Werke minuziös, um die Wirkung nachvollziehen zu können.

Foto: Hare Krishna / shutterstock.com