Nachtmahr von Füssli
Gemälde

Beschreibung und Analyse: Der Nachtmahr von Johann Heinrich Füssli, 1781

Der in der Schweiz geborene Johann Heinrich Füssli (im Englischen bekannt als Henry Fuseli) entwickelte ein frühes zeichnerisches Talent, bevor er im Alter von 23 Jahren nach London zog, wo er auf Initiative von Joshua Reynolds - der bald zum ersten Präsidenten der neu gegründeten Royal Academy of Arts gewählt werden sollte - die Malerei aufnahm.

Dies führte dazu, dass er einen Großteil der 1770er Jahre in Italien verbrachte und die Figurengestaltung von Michelangelo untersuchte, die zu einem prägenden Einfluss seiner Kunst wurde. Weitere prägende Aspekte waren der Manierismus des 16. Jahrhunderts und literarische Quellen, insbesondere Shakespeare.

Später wurde Füssli zum Professor für Malerei an der Royal Academy ernannt, wurde einer der bedeutendsten englischen Maler des achtzehnten Jahrhunderts und wurde schließlich in der St. Paul's Cathedral begraben. 

Die Ausdruckskraft des Malers liegt in seiner fantasievollen Intensität. Das Gemälde Nachtmahr aus dem Jahr 1781 bleibt sein größtes und gleichzeitig rätselhaftestes Meisterwerk.

Nach seinem Tod wurde Fuseli von Expressionisten und Surrealisten des 20. Jahrhunderts wiederentdeckt, die die Ausdrucksformen von Traumwelten sehr bewunderten.

Der Nachtmahr von Johann Heinrich Füssli

Johann Heinrich Füssli, Nachtmahr, 1781

Johann Heinrich Füssli, Nachtmahr, 1781

Kurz nach seiner Rückkehr aus Italien gemalt, wurde der Nachtmahr von Füssli im Jahr 1782 erstmals auf der Jahresausstellung der Royal Academy der Öffentlichkeit vorgestellt. Das Gemälde wurde zu einem sofortigen Erfolg, das den Ruf von Fuseli als einer der kreativsten Künstler Londons begründete.

Um die Beliebtheit des Gemäldes zu nutzen, wurde von Thomas Burke schnell eine preisgünstige Gravur des Bildes angefertigt, vervielfältigt und häufig verkauft. Fuseli selbst schuf später drei weitere Versionen des Gemäldes, darunter eine kleinere, die sich heute im Goethe-Museum in Frankfurt befindet.

Nachtmahr im Goethe-Museum, 1790/1791

Johann Heinrich Füssli, Nachtmahr, 1790/1791, Goethe-Museum

Der Nachtmahr war eines der ersten Gemälde, das nicht ein Ereignis, eine Geschichte oder eine Person, sondern eine Idee darstellte.

So zeigt das Gemälde eine schlafende Frau - hilflos über das Ende ihres Bettes drapiert - und den Inhalt ihres "Alptraums". Ein Nachtmahr lastet auf ihrem Körper, der ihr Angst einflöst. Dahinter lässt sich das Bild eines Pferdes, das aus dem Schatten ragt, ausmachen.

Symbolik in Johann Heinrich Füsslis Nachtmahr 

Die genaue Bedeutung und Symbolik dieser Bilder bleibt jedoch nur schwer fassbar, da der Künstler seine genauen Absichten nie preisgab.

Zu den vielen aufgeworfenen Fragen gehören:

  • Was bedeutet die hilflose Haltung der Frau? 
  • Ist die Platzierung des Nachtmahrs auf ihr eine erotische Anspielung, wie es in vielen Albtraumgeschichten der Fall war? 

Einige Kunstkritiker glauben, dass das Gemälde von germanischen Legenden über Dämonen inspiriert wurde, die Menschen im Schlaf heimsuchten. In diesen Geschichten wurden Männer von Pferden oder Hexen besucht, während man glaubte, dass Frauen gelegentlich Geschlechtsverkehr mit dem Teufel hatten. 

Andere glauben, dass der Nachtmahr die unerwiderte Liebe des Künstlers zu Anna Landholdt veranschaulicht, einer Frau, die er einige Jahre zuvor auf Reisen in Europa kennengelernt hat. In dieser Interpretation ist die schlafende Frau Landholdt, während er der Mahr ist.

Johann Heinrich Füssli, Anna Landholdt, ca. 1779

Johann Heinrich Füssli, Anna Landholdt, ca. 1779

Zur Unterstützung dieser Theorie wird ein unvollendetes Porträt eines Mädchens (vermutlich Landholdt) angeführt, das sich auf der Rückseite der Leinwand befindet.

Wir wissen, dass Fuseli in seinen Gemälden und Tuschezeichnungen die Themen des Schlafes und des Traumes häufig verwendete. Eines seiner anderen Bilder mit diesem Thema ist Joseph interpreting the Dreams of the Pharaoh's Baker and Butler (ca. 1809).

Johann Heinrich Füssli, Joseph interpreting the Dreams of the Pharaoh's Baker and Butler, ca. 1809

Johann Heinrich Füssli, Joseph interpreting the Dreams of the Pharaoh's Baker and Butler, ca. 1809

Fuselis Wahl und Stil der Bildsprache wurde von der Kunst der Antike (Mahr), der italienischen Renaissance (träumende Frau) und der deutschen Renaissance (Pferd) beeinflusst, während seine Farbauswahl aus dem 18. Jahrhundert an die Tizianische Malerei erinnert.

Albtraumdarstellungen in der englischen Romantik

Fuseli malte in der Blütezeit des Aufklärungszeitalters. In einer Zeit, in der viele, wenn nicht sogar die meisten Menschen aufgehört hatten, an Hexen und andere dunklere, vernunftwidrige Kräfte zu glauben.

Und doch benutzte er und mehrere andere Maler in England diese übernatürlichen Themen in vielen ihrer Gemälden und Zeichnungen der Romantik.

Einige Beispiele für eine ähnliche Themenwahl von Malern der Romantik sind unter anderem:

  • John Runciman, Die drei Hexen, 1768
  • Johann Heinrich Füssli, The Mandrake: A Charm, ca. 1785
  • William Blake, The Night of Enitharmon's Joy, 1795
William Blake, The Night of Enitharmon's Joy, 1795

William Blake, The Night of Enitharmon's Joy, 1795

Beschreibung und Analyse: Der Nachtmahr von Johann Heinrich Füssli, 1781

Johann Heinrich Füssli, The Mandrake: A Charm, ca. 1785, Yale Center for British Art, Paul Mellon Collection