Malerei

8 Aquarelltechniken für deine kreative Inspiration

Tipps zur Anwendung der Aquarellfarbe

Aquarelltechniken
460Views

Die Aquarellmalerei ist seit langem ein beliebtes Ausdrucksmittel für Kunstinteressierte und professionelle Künstler gleichermaßen. Obwohl du nur einen Pinsel, Farbe und Papier benötigst, kommt die Aquarellmalerei mit vielen kreativen Möglichkeiten. Indem du Haushaltsmaterialien in deine Malerei integrierst, kannst du Arbeiten mit interessanten Texturen und fließenden Farben schaffen, die die besten Eigenschaften des Mediums zur Geltung bringen.

Materialien für beliebte Aquarelltechniken

Für viele Aquarellmaltechniken musst du nicht lange suchen. Die meisten Materialien hast du wahrscheinlich sogar schon zuhause oder kannst sie leicht besorgen. Abgesehen von einem normalen Aquarell-Set, bestehend aus Farben, Aquarellpapier und Pinseln in mehreren Größen, kannst du folgende Materialien einsetzen:

  • Salz
  • Klebeband
  • Haushaltsalkohol
  • Palettenmesser oder Nadel

8 spannende Aquarellmaltechniken

Lavur (flat wash)

 

Sieh dir diesen Beitrag auf Instagram an

 

Ein Beitrag geteilt von creating new things (@art_through_joy) am


Eine Lavur macht einen großen Anteil der Aquarellmalerei aus. Die Lavur ist eine grundlegende Maltechnik, bei der Farben mit viel Wasser angerührt werden, bevor sie auf den Untergrund gemalt werden. Das Wort lavieren entstammt dem Italienischen “lavare” und bedeutet so viel wie “wischen” oder “waschen”.

Ein sogenannter flat wash unterscheidet sich von anderen Waschungen dadurch, dass die Farbfläche in einem einheitlichen Farbton und mit einheitlicher Farbmenge bemalt wird. Gemeint ist daher eine ebenmäßige Farbfläche mit flachem Farbverlauf, ohne Gradient oder sonstige Aquarelltechniken.

Graduierte Lavur


Eine graduierte Lavur beschreibt einen Farbverlauf in der Aquarellmalerei. Der Farbverlauf kann innerhalb einer Farbfamilie stattfinden oder über mehrere Farbfamilien hinweg gemalt werden.

Begonnen wird, indem du die Farbe, wie bei anderen Lavuren, mit Wasser verdünnst. Nun setzt du den Pinsel dort an, wo die Farbe am dunkelsten sein soll und malst die ersten Striche. Anschließend tauchst du den Pinsel in Wasser, um das Pigment aus dem Pinsel zu spülen. Setzt du nun den Pinsel an die bereits gemalte Stelle an, um Wasser zu verstreichen, wird das Pigment aus der farbigen Fläche zumindest teilweise aus dem ursprünglichen Farbfilm transportiert. Dadurch vergrößerst du die Fläche, die das Pigment abdecken muss, ohne die Menge an Pigment auf dem Bild um denselben Faktor zu vergrößern.

Anstatt die Farbe nur in eine Richtung hin ausdünnen zu lassen, kannst du auch verschiedene Farben in entgegengesetzter Richtung auftragen.

Nass-in-Nass

 

Sieh dir diesen Beitrag auf Instagram an

 

Ein Beitrag geteilt von Stephanie Fehrenbach (@stephaniefehrenbach) am


Die Nass-in-Nass-Technik bringt die beste Eigenschaft der Aquarellfarbe zum Vorschein – ihre Fähigkeit, schöne und feine Waschungen zu erzeugen. Um diese Technik zu nutzen, feuchtest du einfach einen Teil des Papiers mit deinem Pinsel an. Im Anschluss tauchst du den Pinsel in eine andere Farbe und tupfst ihn leicht auf den Nassbereich und beobachtest, wie sich das Pigment verfärbt.

Die genaue Ausgestaltung der Nass-in-Nass-Technik ist dir überlassen. Generell werden nämlich alle Varianten, bei denen nasse Farben auf einen nassen (vorgenässten) Untergrund aufgetragen werden, unter dem Sammelbegriff “Nass-in-Nass” verstanden.

Dry-Brush

Dry Brush Darstellung

Die Dry-Brush-Technik ist genau das, wonach sie sich anhört. Ein möglichst trockener Pinsel wird über den trockenen Malgrund gestrichen, sodass die Pinselstriche deutlich sichtbar sind und beinahe kratzig wirken. Da du ein wenig Wasser benötigst, um die Aquarellfarbe anzurühren, ist es wichtig, dass du überschüssiges Wasser auswringst, nachdem sich die Haare des Pinsels mit Farbe vollgesaugt haben. Am besten tupfst du vorsichtig die Pinselspitze an einem Lappen oder einem Papiertuch ab, um überschüssiges Wasser loszuwerden.

Am besten funktioniert das Dry-Brushing mit einem Borstenpinsel, da dessen Pinselkopf kaum nachgibt und die Borsten die gewünscht kratzige Textur im Bild hinterlassen.

Maskieren und Ablösen

Kommen wir jetzt zu den etwas ausgefalleneren Techniken, die zusätzliches Material benötigen.


Klebeband oder Gummikleber sind perfekt geeignet, um bestimmte Stellen des Malpapiers vor Farbe zu schützen. Oft wirst du sehen, wie das Abklebeband eingesetzt wird, um Kästen oder Rahmen für ein bestimmtes Motiv zu erstellen.

Ein Gummikleber lässt sich dahingegen noch vielseitiger einsetzen. Bevor du mit deiner Aquarellmalerei anfängst, kannst du Linien oder Flächen ganz individuell mit dem Kleber benetzen, damit keine Farbe an diese Stelle gelangt. Später lässt sich der Kleber rückstandslos von dem Papier trennen. So kannst du bestimmte Muster und Linien in dein Bild integrieren, die später komplett farbfrei sind.

Ein bekannter Gummikleber, der in Deutschland problemlos erhältlich ist, ist der Marabu Fixogum Montagekleber, auch bekannt unter dem Begriff „Rubber Cement“ – Klebezement.

Salz als Strukturmittel


Salz und Wasser sind eine interessante Kombination. Das Salz bindet das Wasser und hinterlässt einen ganz besonderen Look auf dem Malpapier. Um das Salz als Strukturmittel strategisch einzusetzen, gehst du wie folgt vor:

  • Zunächst trägst du eine Waschung mit etwas mehr Pigment als gewöhnlich auf
  • Anschließend streust du ein wenig Salz auf die gewünschten Stellen
  • Wasser und Pigment werden langsam aber sicher vom Salz aufgesaugt
  • Lasse das Bild einige Stunden einwirken und trocknen
  • Wenn das Bild komplett trocken ist, kannst du das Salz von der Malfläche reiben

Zurück bleibt eine einzigartige Struktur, von der man förmlich die Bewegung des Wassers ablesen kann.

Isopropanol und Aquarellfarbe

Isopropanol, auch bekannt als Reinigungsalkohol, erschafft ebenfalls ganz eigene Strukturen in Verbindung mit Aquarellfarben.  Die Kombination aus Alkohol und Wasser ist eine dieser Aquarelltechniken, die ganz besondere, vom Zufall geprägte Ergebnisse liefert.

Auch wenn die meisten Einfach-Alkohole mit Wasser mischbar sind, ergeben sich beim Aufeinanderträufeln deutliche Trenneffekte mit sichtbare Grenzfläche. Die meisten Künstlerinnen und Künstler wenden den Alkohol nur tropfenweise an oder sprühen ihn auf das Bild. Umrühren oder ausgiebiges Verreiben mit Wasser ist nicht empfehlenswert, da es die sichtbare Trennfläche reduziert.

Aquarell-Sgrafitto

Das Sgrafitto ist eine Technik der Kermik, bei der die obere Schicht des Materials abgetragen wird, um die darunterliegenden Schichten freizulegen. Aber nicht nur beim Töpfern, sondern auch in der Malerei ist das Sgrafitto eine beliebte  Vorgehensweise, um einzigartige Linien zu erzeugen. Mithilfe eines scharfkantigen Palettenmessers oder einer großen Nadel kannst du das Sgrafitto auch zu einer Aquarelltechnik machen.

Die Vorgehensweise ist recht simpel:

  • Laviere eine Fläche mit der Farbe deiner Wahl
  • Während die Farbe noch nass ist, nimm deinen scharfkantigen Gegenstand und ziehe ihn über die Farbe
  • Achte darauf, nicht zu fest aufzudrücken, um das Papier nicht zu beschädigen

Wie du das Sgrafitto sinnvoll in deiner Aquarellmalerei einsetzen kannst, siehst du beispielsweise in diesem Video:

Weitere Aquarelltechniken

In der Aquarellmalerei kannst du mit einigen Materialien experimentieren, um Struktur zu erzeugen oder Farben zu mischen. Die Aquarellfarbe ist wohl das Farbmedium, das sich am vielseitigsten in Mischtechniken einsetzen lässt. Anstatt auf reine Aquarelltechniken zu setzen, solltest du auch testen, wie die Wasserfarbe mit anderen Medien wechselwirkt und wie du diese Farbbeziehungen in deine Kunst integrieren kannst.

Foto: S0l1st / ninanaina – shutterstock.com