Gemälde

Alle Infos zu Gauguins “Woher kommen wir? Wer sind wir? Wohin gehen wir?”

Woher kommen wir? Wer sind wir? Wohin gehen wir?Paul Gauguin, Woher kommen wir? Wer sind wir? Wohin gehen wir?, 1897

"Woher kommen wir? Wer sind wir? Wohin gehen wir?" ist ein riesiges, farbenfrohes, aber dennoch rätselhaftes Werk, das auf rauer Leinwand gemalt wurde.

Es enthält zahlreiche menschliche, tierische und symbolische Figuren, die kreuz und quer in einer Insellandschaft angeordnet sind. Im Hintergrund sind das Meer und die vulkanischen Berge Tahitis zu sehen.

Es ist das größte Gemälde von Paul Gauguin, und er empfand es als sein schönstes Werk.

Über den Künstler Gauguin

Das Gemälde stellt das gemalte Manifest des Künstlers dar, das er während seines Aufenthalts auf der Insel Tahiti geschaffen hat.

Der französische Künstler wandelte sich von einem Hobby-Maler zu einem Profi, nachdem seine Karriere als Börsenmakler Anfang der 1880er Jahre scheiterte. Er besuchte die Pazifikinsel Tahiti in Französisch-Polynesien, die er von 1891 bis 1893 besuchte.

1895 kehrte er dann nach Polynesien zurück, malte dort 1897 dieses gewaltige Bild und starb schließlich 1903 auf Hiva Oa auf den Inseln von Marquesas.

Gauguin über "Woher kommen wir? Wer sind wir? Wohin gehen wir?"

Gauguin schrieb an seinen Freund Daniel de Monfried, der Gauguins Karriere in Paris verwaltete, während der Künstler im Südpazifik blieb:

Ich glaube, dass diese Leinwand nicht nur alle meine vorhergehenden übertrifft, sondern auch, dass ich nie etwas Besseres machen werde, auch nichts dergleichen. 

Gauguin vollendete das Gemälde in rasantem Tempo angeblich innerhalb eines Monats und behauptete sogar gegenüber de Monfried, dass er in die Berge ging, um nach Abschluss der Arbeit Selbstmord zu begehen.

Gauguin, der Meister der Selbstdarstellung, der sich seines Bildes als Avantgardekünstler sehr bewusst war, mag sich selbst mit Arsen vergiftet haben , um sich von den Leiden seiner Syphilis, seiner Herzbeschweren und seiner chronischen Augenentzündung zu befreien. Er überlebte diesen unklar dokumentierten Suizidversuch, musste sich aber wochenlang behandeln lassen.

Diese Überlieferung passte jedenfalls zu den Themen Leben, Tod, Poesie und der symbolischen Bedeutung des Bildes.

Gauguin selbst beschrieb die geheimnisvolle Bildsprache des Gemäldes im gleichen Brief an de Monfried wie folgt:

Es ist eine Leinwand, vier Meter fünfzig in der Breite, und ein Meter siebzig in der Höhe. Die beiden oberen Ecken sind chromgelb, mit einer Inschrift auf der linken und meinem Namen auf der rechten Seite, wie ein Fresko, dessen Ecken mit dem Alter unansehnlich geworden sind und das auf eine goldene Wand aufgetragen ist.

Woher kommen wir Detail 1
Rechts am unteren Bildrand ein schlafendes Kind und drei kauernde Frauen. Zwei violett gekleidete Gestalten bekennen sich zu ihren Gedanken. Eine riesige kauernde Gestalt, überproportional und absichtlich so, hebt die Arme und starrt erstaunt auf diese beiden, die es wagen, an ihr Schicksal zu denken.
Woher kommen wir Detail 2

Eine Figur in der Mitte pflückt Früchte. Zwei Katzen in der Nähe eines Kindes. Eine weiße Ziege. Ein Götzenbild, dessen Arme geheimnisvoll in einer Art Rhythmus erhoben sind, scheint auf das Jenseits hinzuweisen.

Woher kommen wir Detail 3
Dann schließlich scheint eine alte Frau, die dem Tod nahe ist, alles zu akzeptieren und sich mit ihren Gedanken abzufinden. Sie beendet die Geschichte! Zu ihren Füßen steht ein seltsamer weißer Vogel, der eine Eidechse in den Klauen hält, der die Sinnlosigkeit der Worte verkörpert.

Gauguins Text verdeutlicht nicht nur einige der abstrusen, eigenwilligen Symbole des Bildes, sondern lädt uns auch ein, das Bild zu "lesen". Gauguin schlägt vor, dass die Figuren eine mysteriöse, symbolische Bedeutung haben und dass sie die Fragen beantworten könnten, die sich aus dem Titel des Werkes ergeben.

Wie eine heilige Schrift, die in einer alten Sprache geschrieben ist, ist das Bild von rechts nach links zu lesen: Vom schlafenden Säugling - woher wir kommen - Über die stehende Gestalt in der Mitte - was wir sind - bis hin zum linken Bildrand mit der kauernden alten Frau - wohin wir gehen.

Deutungsansätze der Symbolik

Stilistisch ist die Komposition so gestaltet, dass sie an Fresken auf goldenem Grund erinnert. Die oberen Ecken wurden mit einem leuchtenden Gelb gemalt, um zu diesem Effekt beizutragen, und die Figuren erscheinen unverhältnismäßig groß zueinander, als ob sie im Raum schwebten und nicht fest auf der Erde stehen oder liegen würden.

Diese stilistischen Merkmale sowie Gauguins rätselhaftes Thema tragen zur philosophischen Qualität des Gemäldes bei. Und wie es bei anderen symbolistischen Werken dieser Zeit üblich ist, bleiben präzise, vollständige Interpretationen des Gemäldes außer Sichtweite.

Das Gemälde ist eine bewusste Mischung aus universellem Inhalt und esoterischem Geheimnis. Die im Titel gestellten Fragen sind grundlegende Fragen, die die Wurzel der menschlichen Existenz ansprechen. Obwohl das Gemälde in großem Maßstab ähnlich den dekorativen Tafelbildern des französischen Künstlers Pierre Puvis de Chavannes gemalt ist, ist "Woher kommen wir? Wer sind wir? Wohin gehen wir?" hauptsächlich ein Privatwerk, dessen genaue Bedeutung wahrscheinlich nur Gauguin selbst kannte.

Verbleib des Gemäldes

Wenige Monate nach Fertigstellung des Gemäldes schickte Gauguin es zusammen mit mehreren anderen Kunstwerken nach Paris, mit der Absicht, dass sie gemeinsam in einer Galerie oder einem Künstleratelier ausgestellt werden.

Er schickte de Monfried sorgfältige Anweisungen, wie das Gemälde gerahmt werden und wer zur Ausstellung eingeladen werden sollte. Die Bedenken, die Gauguin in diesen Details offenbart, deuten auf sein fortwährendes Bewusstsein für den Pariser Kunstmarkt hin, auch wenn er sich auf einer kleinen tropischen Insel auf der anderen Seite der Erde aufhielt.

Im November und Dezember 1898 wurde die Gruppe der tahitianischen Gemälde in der Galerie von Ambroise Vollard ausgestellt, der sich als Kunsthändler auf Avantgardekünstler spezialisiert hat. Vollard scheint Schwierigkeiten gehabt zu haben, das große Werk zu verkaufen.

Die Bemühungen der Pariser Freunde des Künstlers, das Gemälde gemeinsam zu erwerben und es dem französischen Staat zu spenden, wurden nie umgesetzt. "Woher kommen wir? Wer sind wir? Wohin gehen wir?" pendelte zwischen Galerien und Privatsammlungen in Frankreich und Norwegen, bis das Museum of Fine Arts in Boston es schließlich im Jahr 1936 kaufte.