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Paul Gauguin Biografie
Malerei

Paul Gauguin – Kernideen, Biografie und wichtige Kunstwerke

Geschichte eines post-impressionistischen Meisters

Paul Gauguin ist eine bedeutende Persönlichkeit der modernen Kunst. Zusammen mit Vincent Van Gogh und Paul Cézanne leistete der französische Maler Pionierarbeit in der Bewegung des Post-Impressionismus, die in den 1890er Jahren als Reaktion auf den Impressionismus aufkeimte.

Wie seine anderen postimpressionistischen Freunde war auch Gauguin daran interessiert, den Geist und die Gedanken eines Künstlers zu erforschen. Während Van Gogh für seine Pinselstriche und Cézanne für seine Kompositionen bekannt ist, wird Gauguin traditionell für seine fortschrittliche Farbskala geschätzt - eine bunte Mischung aus Farbtönen, die durch Reisen in Tahiti inspiriert wurde.

Während Gauguins Faszination für die tropische Insel zu seinem berühmten Farbverständnis führte, sorgte dies auch für Kontroversen. In diesem Artikel werfen wir einen Blick auf das außergewöhnliche Leben Gauguins, erforschen seinen Einfluss auf die Kunst und verstehen, warum sein Vermächtnis noch heute umstritten ist.


Kernideen von und über Paul Gauguin

  • Nachdem Gauguin impressionistische Methoden zur Darstellung der optischen Erfahrung der Natur gemeistert hatte, setzte sich Gauguin mit Religionsgemeinschaften in der ländlichen Bretagne und verschiedenen Landschaften der Karibik auseinander und informierte sich gleichzeitig über die neuesten französischen Ansätze zum Thema Malerei und Farbtheorie. Dieser Werdegang trug zu Gauguins allmählicher Entwicklung einer neuen Art von "synthetischer" Malerei bei, die als symbolische und nicht nur dokumentarische oder spiegelbildliche Reflexion der Realität fungiert.
  • Auf der Suche nach der unmittelbaren Verbindung zur Natur, die er in verschiedenen Gemeinschaften Französisch-Polynesiens und anderen außereuropäischen Kulturen erlebte, behandelte Gauguin seine Malerei als philosophische Reflexion über den ultimativen Sinn der menschlichen Existenz, und nutzte sie als Möglichkeit religiöser Erfüllung und um Antworten darauf zu liefern, wie man näher an der Natur leben kann.
  • Gauguin war in den letzten Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts einer der wichtigsten Akteure in einer europäischen kulturellen Bewegung, die inzwischen als Primitivismus bezeichnet wird. Der Begriff bezeichnet die westliche Faszination für weniger industriell entwickelte Kulturen und die romantische Vorstellung, dass Menschen außerhalb Europas spiritueller sind oder näher an den elementaren Kräften des Kosmos leben könnten als ihre europäischen und amerikanischen Gegenstücke.
  • Nachdem er seine Frau, seine vier Kinder und die gesamte Kunstwelt Europas quasi verlassen hatte, wurde Gauguin zum Synonym für die Idee der ultimativen künstlerischen Freiheit - Die völlige Befreiung des schöpferischen Individuums von seinen ursprünglichen kulturellen Bindungen.

Paul Gauguin Biografie

Frühes Leben

Paul Gauguin wurde 1848 in Paris geboren. Im Alter von anderthalb Jahren zog seine Familie nach Lima. Umgeben von traditioneller Keramik und wunderschönen Landschaften entwickelte er dort seine Vorliebe für Kunst und Reisen.

Gaugins erste Malereien

Bis zu seinem Erwachsenwerden wurde Gauguin schon fast zum Nomaden. Nach Stationen in Indien und am Schwarzen Meer in der französischen Marine kehrte er 1871 nach Paris zurück, wo er über 10 Jahre lang als Börsenmakler arbeitete. In dieser Zeit lernte er den impressionistischen Maler Camille Pissarro kennen und begann, Szenen aus der französischen Hauptstadt zu malen.

Mit seiner dänischen Frau Mette und ihren fünf Kindern zog er 1884 nach Kopenhagen. Doch schon ein Jahr später beschloss er, allein nach Paris zurückzukehren, um eine Karriere als Maler zu führen.

Der Wechsel zum Symbolismus

Während seines ersten Jahres zurück in Paris war Gauguin weder produktiv noch erfolgreich. Obwohl er mit einigen Impressionisten ausstellte, war er nicht mehr an deren Stil interessiert. Um seine Karriere auf Kurs zu bringen und Inspiration zu finden, beschloss er, einen Sommer in einer Künstlerkolonie in der Bretagne zu verbringen. Dort schuf er Pastelle, die von den Tänzerinnenbildern von Degas inspiriert waren. Schlussendlich würde er diese Werke als Studien für einige seiner post-impressionistischen Gemälde verwenden.

Im folgenden Sommer kehrte er in die Bretagne zurück. Diesmal malte er "Die Vision nach der Predigt", das das endgültige Ende seiner Beziehung zum Impressionismus markierte.

Paul Gauguin, Vision nach der Predigt Gauguin, 1888

Paul Gauguin, Vision nach der Predigt Gauguin, 1888

Auf die dicken Pinselstriche der Impressionisten, das Interesse an Alltagsgegenständen und die Konzentration auf Lichteindrücke und Farbe antwortete Gauguin mit flacher Pinselführung, symbolischen Motiven und einer bunten, kunstvollen Farbauswahl.

Obwohl diese Arbeit heute als eines der bedeutendsten symbolistischen Werke Gauguins gilt, wurde es bei der Entstehung 1888 nicht gut angenommen.

Als Reaktion dessen schrieb Gauguin in einem Brief an Vincent van Gogh:

Ich habe gerade ein religiöses Bild gemalt, sehr schlecht ausgeführt, aber es war interessant zu malen und das gefällt mir. Ich wollte es der Kirche in Pont-Aven übergeben. Natürlich wollten sie es nicht.

Gauguins Beziehung zu Van Gogh

Paul Gauguin, Porträt des Vincent van Gogh, Sonnenblumen malend, 1888

Paul Gauguin, Porträt des Vincent van Gogh, Sonnenblumen malend, 1888

Später in diesem Jahr lud Van Gogh Gauguin ein, sich ihm in Arles in Südfrankreich anzuschließen, in der Hoffnung, irgendwann eine eigene Künstlergemeinschaft zu gründen. Obwohl Van Gogh an psychischen Erkrankungen litt, stimmte Gauguin der Zusammenarbeit zunächst zu. Sie erkannten jedoch bald, dass sie nicht gut miteinander arbeiteten, und so beschloss Gauguin auszuziehen. Dies erschütterte Van Gogh zutiefst und führte dazu, dass sich der Niederländer einen Teil seines eigenen Ohres abschnitt.

Obwohl ihre Zusammenarbeit nicht wieder aufnahmen und sich auch nicht mehr sahen, blieben die beiden Künstler bis zu Van Goghs Tod zwei Jahre später in Kontakt.

Auswanderung nach Tahiti

Nach seiner Rückkehr aus Arles setzte Gauguin die Segel nach Tahiti, in der Hoffnung, den dramatischen und finanziellen Schwierigkeiten in Frankreich zu entkommen und versprach seiner Frau einen Neuanfang nach seiner Rückkehr.

Er kam 1891 in Französisch-Polynesien an. Während seines zweijährigen Aufenthalts lebte er in einer Hütte und malte mehrere farbenfrohe Landschaften und Porträts polynesischer Frauen. Diese Darstellungen gehören zwar zu seinen bekanntesten Werken, galten aber häufig als Beispiele für Exotismus und werden wegen ihres kolonialen Charakters oft kritisiert.

Nafea faa ipoipo

Paul Gauguin, Nafea faa ipoipo, 1892

In Noa Noa, einem Reisebericht von Gauguin aus dem Jahr 1901, enthüllte der Künstler außerdem, dass er während seiner Reise ein 13-jähriges polynesisches Mädchen namens Tehura geheiratet und geschwängert hat. In vielen seiner Porträts ist sie zu sehen, was die Wertschätzung der Arbeiten und die Wertschätzung des Künstlers selbst noch problematischer macht.

Gauguins letzte Jahre

Als Gauguin 1893 nach Paris zurückkehrte, war klar, dass seine Beziehung zu seiner Frau unwiderruflich gestört war. Sie trennten sich in diesem Jahr, und Gauguin siedelte 1895 endgültig nach Tahiti über.

Er blieb sechs Jahre lang in Französisch-Polynesien und zog schließlich von Tahiti nach Marquesas. In dieser Zeit heiratete er zweimal (beide Ehefrauen waren 14 Jahre alt) und vollendete sein berühmtestes Gemälde: "Wo kommen wir her? Wer sind wir? Wo gehen wir hin?"

Woher kommen wir? Wer sind wir? Wohin gehen wir?

Paul Gauguin, Woher kommen wir? Wer sind wir? Wohin gehen wir?, 1897

Im Jahr 1903 starb er unerwartet an einer Krankheit, von der Fachleute von Syphilis ausgehen.

Paul Gauguins künstlerisches Vermächtnis

Während Gauguin seit über einem Jahrhundert gefeiert wird, verurteilen immer mehr zeitgenössische Kunsthistoriker seine Sicht auf Französisch-Polynesien. Ebenso kritisieren viele die Unangemessenheit seiner Beziehungen. Doch auch heute noch zeigen große Museen auf der ganzen Welt seine Werke, sodass sein Platz als bedeutender Pionier des Post-Impressionismus gefestigt wird.


Bekannte Paul Gauguin Werke

Stillleben mit Obstschale, um 1880

Paul Gauguin, Stillleben mit Obstschale, 1880

Paul Gauguin, Stillleben mit Obstschale, 1880

Beschreibung des Kunstwerks: Das Stillleben mit Obstschale entstand, als Gauguin noch Vollzeit als Börsenmakler arbeitete und die Malerei für ihn kaum mehr als ein Hobby war, und zeigt die natürliche technische Fähigkeit des Künstlers mit Pinsel und Leinwand. Das Motiv ist in typisch impressionistischer Manier gemalt wurden und zeigt Gauguins frühe Einflüsse, darunter Monet, Pissarro und Renoir.

Vor allem Gauguins Darstellung der Tischdecke zeigt einen signifikanten Einfluss von Cézanne, dessen Stilleben ähnliche Effekte von Kontur und Schattierung nutzten.

Selbstbildnis 'Les Miserables', 1888

Paul Gauguin, Selbstbildnis Les Misérables, 1888Paul Gauguin, Selbstbildnis Les Misérables, 1888

Paul Gauguin, Selbstbildnis Les Misérables, 1888

Beschreibung des Kunstwerks: Kurz vor Gauguins Abreise nach Arles Ende 1888 schickten sich Gauguin und Vincent van Gogh gegenseitig Exemplare ihrer Kunstwerke, darunter eine Reihe von Selbstporträts. Dieses Werk von Gauguin war ebenfalls Teil des künstlerischen Austauschs. In diesem Werk zeigt Gauguin ein Porträt der fiktiven Figur Jean Valjean, des moralisch rechtschaffenen, aber immer wieder verfolgten Helden aus Victor Hugos Les Miserables. Mit einem feierlichen Blick, zerzauster Frisur und müden Augen will Gauguin eindeutig eine Parallele zwischen sich und Valjean ziehen, dessen Kleinkriminalität der Vergangenheit (er hat einmal einen Laib Brot gestohlen) ihn für immer zu einem Kriminellen macht, unabhängig von seinen späteren Tugenden. Van Gogh erinnerte sich später daran, dass er von Gauguins ungewöhnlich mutigen Farbaufträgen tief beeindruckt war.

Vision nach der Predigt, 1888

Paul Gauguin, Vision nach der Predigt Gauguin, 1888

Paul Gauguin, Vision nach der Predigt Gauguin, 1888

Beschreibung des Kunstwerks: Die Vision nach der Predigt stellt eine wesentliche Abkehr vom Thema des Impressionismus dar. Anstatt sich dafür zu entscheiden, pastorale Landschaften oder städtische Unterhaltungen zu malen, stellte Gauguin eine ländliche biblische Szene dar, in der Frauen beteten, die das Ringen zwischen Jakob und einem Engel beobachten. Die Entscheidung, ein religiöses Sujet zu malen, erinnerte an die Renaissancetradition, doch Gauguin übertrug sein Sujet in einem ausgesprochen modernen Stil, der sich zum Teil aus japanischen Drucken, eigenen Experimenten und anderen Traditionen ableitet.

Mehr: Alle Infos zu Vision nach der Predigt

Woher kommen wir? Was sind wir? Wohin gehen wir?, 1897

Woher kommen wir? Wer sind wir? Wohin gehen wir?

Paul Gauguin, Woher kommen wir? Wer sind wir? Wohin gehen wir?, 1897

Beschreibung des Kunstwerks: Gauguins auf Tahiti gemaltes Meisterwerk aus dem späten 19. Jahrhundert vermittelt eine Geschichte in drei Akten. Jede Stufe entspricht einer der Fragestellung des Titels des Gemäldes, die Gauguin in der linken oberen Ecke eingeschrieben hat.

Mehr: Analyse zu "Woher kommen wir? Was sind wir? Wohin gehen wir?"