Maler

Female Artistry #4: Hanna Pauli, geb. Hirsch

Hanna Pauli HeroGeorg Pauli, Hanna i blå klänning, 1896

Der vierte Beitrag unserer Reihe Female Artistry thematisiert das Leben und Werk von Hanna Pauli, einer talentierten schwedischen Malerin, die um die 19. Jahrhundertwende ihre größten Leistungen vollbrachte.

Hanna Pauli: Leben und Einfluss

Hanna Pauli (13. Januar 1864 -  29. Dezember 1940), geborene Hanna Hirsch, kam als eines von acht Kindern von Pauline Meyerson und dem Musikverleger Abraham Hirsch in Stockholm zur Welt, wo sie einen Großteil ihres Lebens wohnte. Hirschs Großvater war Deutscher und wanderte im frühen 19. Jahrhundert nach Schweden aus. Im Jahr 1821 erhielt er die schwedische Staatsbürgerschaft, weshalb auch Hannah Pauli trotz des deutschen Namens schwedischer Herkunft ist.

Hirsch studierte an der Royal Swedish Academy of Fine Arts unter August Malmström. An der Akademie lernte sie die Porträtmalerin Eva Bonnier kennen, die sieben Jahre älter als sie war. Die beiden trafen sich wieder in Paris, in der Académie Colarossi, und wurden in der französischen Hauptstadt Mitbewohner. Dort lebte sie von 1885 bis 1887 und in dieser Zeit wurde eins ihrer Gemälde erstmals im Pariser Salon ausgestellt.

Die meisten der jungen Künstler, die zu dieser Zeit an der Académie Colarossi oder der Académie Julian eingeschrieben waren, steuerten einen neuen Weg zwischen Avantgarde und akademischer Malerei an.

Die Mehrheit der Malerinnen und Maler, darunter auch Hirsch, war eher der naturalistischen Malweise zugewandt und bewunderte Maler wie Jules Breton.

1887 heiratete Hirsch Georg Pauli, der eine ähnliche malerische Laufbahn durchlebte. Zusammen mit anderen schwedischen Malern und Bildhauern gehörte Georg Pauli zur Gruppierung der Opponenterna, die 1885 gegründet wurde. Sowohl Georg Pauli als auch Hanna Pauli waren fest in der schwedischen Oberschicht etabliert. Die Stockholmer High Society traf sich regelmäßig, um über gesellschaftliche Fragen zu diskutieren und sich zu kulturellen Themen auszutauschen. In diesem Umfeld ist auch Paulis bekanntestes Werk Vänner entstanden.

Ihr bekanntestes Werk "Vänner" im Detail

Hanna Pauli Friends

Hanna Pauli, Vänner (dt. Freunde), 1900 - 1907

Dargestellte Persönlichkeiten

Von links: Die Schwester der Künstlerin Betty Hirsch, die Schauspielerin Olga Björkegren, Lisen Bonnier, die Künstlerin Nanna Sohlman Bendixson, Ellen Key, Hanna Hirsch-Pauli, Gerda Berg und der Künstler Richard Berg, der Verleger Karl Otto Bonnier, der Künstler Georg Pauli, der Pädagoge und Schriftsteller Artur Bendixson und Kunstsammler Klas Fåhreus.

Gegenstand der Darstellung

Schauplatz ist die Wohnung des Ehepaares Pauli in Stockholm. In der Gruppe befinden sich bedeutende Persönlichkeiten der damaligen Kunstszene, wie die Autorin Ellen Key, der Künstler Richard Bergh und der Kunstsammler Klas Fåhreus. Die Gruppe hat sich um Ellen Key versammelt, die im Lampenlicht laut vorliest. Key war eine aktive Autorin und Debattierfrau, die sich intensiv mit sozialen Fragen auseinandersetzte.

Ihre Erscheinung hebt sie von den anderen Charakteren in diesem Bild ab. Sie wird von der Lampe direkt angestrahlt und dadurch erhellt, was sie fast wie einen heiligen Charakter erscheinen lässt.

Hanna Pauli sitzt als Zuhörerin in ihrem eigenen Wohnzimmer, Stift und Block in der Hand, während sie ihre Freunde beobachtet. 

Interpretation von Vänner von Hanna Pauli

Die Auswahl der Freunde veranschaulicht, wie eng die neue kulturelle Elite jener Zeit mit der Finanzelite verbunden war.

Ende der 1870er Jahre hatte Ellen Key Privatunterricht für eine Gruppe von Mädchen der oberen Mittelklasse aus Stockholms jüdischer Gemeinde gegeben. Drei von ihnen sind in Vänner, am Tisch von Ellen Key, dargestellt, die sie als Mentorin sahen, wenn es um ihre intellektuelle, soziale und emotionale Entwicklung ging.

Ellen Key war Philosophin und eine der umstrittensten, aber auch bekanntesten Persönlichkeiten der Kunstszene in Schweden. Ihre Gedanken über Liebe, Erziehung, Ehe und Sexualität beeinflussten ganze Generationen um die Wende des 20. Jahrhunderts. Ellen Key versuchte, die Kluft zwischen privatem und öffentlichem Leben zu überwinden. Sie war der Meinung, dass sich die Idee des Zuhauses auf die gesamte Gesellschaft übertragen ließ.

Unabhängig der malerischen Betonung von Key kann das Werk Vänner als Symbol für die Bedeutung der Freundschaft und gleichzeitig Zeichen des Beginns einer neuen kulturellen Elite angesehen werden. 

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