Fehler in der Malerei korrigieren
Malerei

Drei gravierende Fehler in der naturalistischen Malerei und wie du sie korrigierst

Du hast das Gemälde bereits vor deinem geistigen Auge gesehen, du hast die Komposition ausgearbeitet, deine Farben gemischt und den Pinsel auf die Leinwand gelegt, aber das Ergebnis bleibt enttäuschend, egal was du versuchst.

Damit du sofort bessere Malergebnisse erzielen kannst, findest du hier einige Tipps. Mit diesen Tipps wirst du Fehler in der Malerei ausbessern und umgehend realistischer aussehende Kunstwerke malen.

1. Fehler in der Malerei ausbessern: Die Perspektive einhalten

Die Schule von Athen Perspektive

Beispiel einer Zentralperspektive inkl. Fluchtlinien: Raffaels Schule von Athen

Wenn die Perspektive und die Proportionen in der Vorzeichnung auf der Leinwand nicht korrekt waren, werden sie sich beim Malen nicht auf magische Art und Weise korrigieren. In den meisten Fällen werden sich weitere Fehler beim Malen einschleichen, die dein Kunstwerk noch verzerrter aussehen lassen.

Es lohnt sich, den Pinsel hin und wieder niederzulegen und deine Schöpfung mit etwas Abstand zu betrachten. Auf diese Weise verändert sich dein Blickwinkel auf die Arbeit. Du wirst besser in der Lage sein, Fehler und Unstimmigkeiten zu erkennen.

Am besten ist es, den Blick komplett von der Leinwand zu nehmen und für eine Zeit etwas anderes zu betrachten. Entspanne deine Wahrnehmung und trete erst dann an die Leinwand, wenn du dich bereit fühlst. 

Mit frischem Blick kannst du alle Komponenten deiner Arbeit prüfen. Komposition und die damit verbundene Perspektive bilden in einem gegenständlichen, naturalistisch gemalten Werk den Rahmen, der über die Bildwirkung entscheidet.

Diese Aspekte solltest du als erstes unter die Lupe nehmen, bevor du dich feineren Details widmest.

Fluchtlinien Der Zinsgroschen

Fluchtlinien und Fluchtpunkt in Masaccios "Der Zinsgroschen"

Und so gehts: Vorausgesetzt deine Vorzeichnung weist eine korrekte Perspektive auf, kannst du Fluchtpunkte mit einer kleinen Markierung kennzeichnen. Mit dem Pinselstiel oder dem Malmesser lässt sich eine solche Markierung idealerweise unmittelbar nach dem Übermalen der Vorzeichnung vornehmen - wenn die Farbe noch nass ist.

Überprüfe, ob du die Perspektive eingehalten hast. Überarbeite die Farbe mit einem Messer, kratze sie ab oder fange erneut an wenn du eine grobe Fehleinschätzung feststellst.

Ein weiterer Ansatz ist die Überprüfung der Fluchtpunkte und Fluchtlinien des Gemäldes unmittelbar nachdem du diese Kernelemente gemalt hast. Dieser Ansatz erfordert mehr Selbstdisziplin, da man sich an den Vorgaben der Vorzeichnung stark orientiert und sich nicht von der Freude am Malen mitreißen lässt, da dabei die meisten Fehler entstehen.

Tipp: Für fotorealistische oder gar hyperrealistische Kunstwerke hat es sich bewährt, im Vorhinein mit der Rastermethode eine umfangreiche Vorzeichnung anzulegen.

Dabei wird die Vorlage in ein kleines Raster aufgeteilt, die dann in der selben Proportion auf ein größeres Raster übertragen wird. Am besten klappt das mit einem Projektor und viel, viel Geduld.

2. Berücksichtige den Lichteinfall und Schatten

Berufung des Hl. Matthäus (Michelangelo Merisi da Caravaggio)

Caravaggio, Berufung des Hl. Matthäus, 1599/1600

Bist du mit dem bildnerischen Rahmen - der Bildkomposition - zufrieden, kannst du nun den nächsten wichtigen Aspekt prüfen. Der Lichteinfall und der Schattenwurf sind für die Formgebung und die Lichtführung entscheidend.

Falls du es noch nicht gemacht hast, solltest du dir zunächst die Frage stellen, aus welcher Richtung in deiner Vorlage das Licht einfällt. Anschließend kannst du dir die einzelnen Akzente (sogenannte Highlights) in deinem Bild genauer ansehen.

Ergibt die Platzierung der hellen Stellen und der Schatten in deinem Motiv ein stimmiges Bild, das keine logischen Widersprüche aufweist? Nur wenn alle diese Stellen in deinem Gemälde mit der Richtung des Lichteinfalls konsistent sind, fängt ein Bild an, wirklich realistisch auszusehen. 

Hier machen die Details den entscheidenden Faktor aus. Auch wenn dem Betrachter deines Gemäldes ein solcher Fehler nicht direkt ins Auge springt, weil er so subtil ist, kann er über darüber entscheiden, ob deine Kunst wie die perfekte Illusion wirkt oder eben nicht.

3. Überprüfung und Ausarbeitung der Details

Hast du die Perspektive und die Belichtung im Griff, geht es darum, die Details zu überprüfen.

Hier solltest du auf die atmosphärische Perspektive und entscheidende Bildpunkte in ihrem Detaillierungsgrad achten, um die Fehler in der Malerei beheben zu können.

Kurz gesagt bewirkt die atmosphärische Perspektive eine Veränderung der Wahrnehmung in die Tiefe, um ein Raumgefühl zu kreieren. Der Vordergrund deines Motivs (oder der Fokusbereich) wird danach genauer ausgearbeitet. Im Mittel- und Hintergrund wir das Bild unschärfer, da die Bereiche weiter entfernt sind und die Luftpartikel in der Atmosphäre ihre Genauigkeit dimmt.

Fehler in der Malerei: Atmosphärische Perspektive

Ein Beispiel gelungener atmosphärischer Perspektive: Jacques-Louis David, Die Sabinerinnen, 1799

Und so gehts: Beim Ausarbeiten der Details brauchst du viel Geduld - keine Frage. Auch eine gute Beobachtungsfähigkeit und Einschätzung der Schärfentiefe ist wichtig. Um diese zu entwickeln, brauchst du Zeit und viel Übung.

Wenn sich viele Details in einem Bereich im Mittel- oder Hintergrund tummeln, kannst du den Bereich mit einer halbtransparenten oder sogar dünn aufgetragenen Deckfarbe abschwächen. So verdeckst du einige Details im Nachhinein und kannst gegebenenfalls notwendige Anpassungen vornehmen. 

Wichtig ist, dass du die Bereiche in einem naturalistischen Bild nur leicht verdeckst und nicht unter der Deckfarbe begräbst.

Du siehst: Fehler in der Malerei zu beheben muss nicht schwierig sein. Achte darauf, dass du einen frischen Blick bewahrst und bei einem anspruchsvollen Bild regelmäßig Auszeiten einlegst. 

Bedenke, dass du dein Bild nicht „überoptimierst“, da zu viele Farbschichten übereinander die Intensität abschwächen und das Bild matschig erscheinen lassen. Es ist wichtig zu wissen, wann genug ist und wann sich Anpassungen negativ auswirken.