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Malen mit Pastellkreide – Eine Einleitung

Foto: Oko Laa / Shutterstock

Hier erfährst du, wie du mit Pastellkreiden malen kannst, was du dafür benötigst und wie du Schritt-für-Schritt zu deinem ersten Werk gelangst.

Pastellkreiden-Basics

Was sind eigentlich Pastellkreiden? Pastellkreide ist eine Mischung aus Bindemittel und Pigment, die in Klötzchen- oder Stiftform gepresst werden. Gewöhnliche Pastellkreiden lassen sich unproblematisch verarbeiten, indem sie über einen rauen Maluntergrund gerieben werden.

Dieser agiert wie eine Feile - der Pigmentstaub lagert sich in den Fasern ab und bleibt darauf liegen. Deshalb liegt auf dem Bild immer eine Kreidefilm, der entweder mit den Fingern ins Bild eingearbeitet wird oder durch sanftes Pusten weggeweht werden kann.

Ölpastellkreiden verwenden Öl als Bindemittel, sodass sie tiefer ins Gewebe einziehen und keinen Staubfilm hinterlassen. Der Nachteil der Ölstifte liegt vor allem darin, dass sie sich nur mit einem Lösungsmittel verdünnen oder vom Maluntergrund entfernen lassen. Im Vergleich zu einfachen Pastellkreiden lassen sich Ölpastellkreiden auch schlechter mischen.

Benötigte Materialien für die Pastellmalerei

Pastellkreide

  • Gute Pastellkreiden werden von einer Reihe Hersteller angeboten. Am bekanntesten sind sicherlich die Pastellkreiden von Faber-Castell, die schon seit vielen Jahrzehnten für höchste Qualität stehen.
  • Auch die Kreiden von Schmincke genügen hohen Ansprüchen.
  • Im deutschsprachigen Raum ein wenig unbekannter sind die Kreiden von Jaxon bzw. Jaxell, die sowohl Soft- als auch Ölpastellkreiden in verschiedensten Farbausführungen und Set-Zusammenstellungen im Angebot haben.

Pastellpapier

Um ein möglichst ansehnliches Ergebnis zu erzielen, benötigst du spezielles Pastellpapier. Anstatt lediglich die Farbe aufzunehmen und zu tragen, wie es in vielen anderen Bereichen der Malerei üblich ist, übernimmt das Pastellpapier eine zusätzliche Funktion. Durch seine raue Struktur wir die Kreide regelrecht von ihrem Block geraspelt. Achte deshalb stets darauf, dass dein Papier für die Pastellmalerei grobkörnig ist, damit das Pigment auf ihm haften kann.

Es ist ratsam, sich gleich zu Beginn eine Auswahl verschiedenfarbiger Papiere zuzulegen, da die Farbe maßgeblich die Bildwirkung beeinflusst. Die Farbwahl richtet sich nach dem Motiv, das du abbilden und dem Stil, den du anwenden willst. Mit einem Sortiment aus erdfarbenen Papieren machst du zu Beginn sicherlich nichts falsch.

Pastellstifte

Pastellstifte sind eine gute Ergänzung zu den Kreideblöcken. Das Medium ist das Gleiche, allerdings ist es in Minen gepresst und demnach wesentlich punktueller anwendbar. Ein spitzer Pastellstift hinterlässt immer feinere Kreidespuren als die Kante eines Kreideblocks.

Malpappe und Abklebeband

Das Pastellpapier wird normalerweise in einzelnen Bögen versandt. Das bedeutet, du benötigst eine Malpappe als Untergrund, auf der du den Bogen deiner Wahl zu Bearbeitung aufkleben solltest. Erstens sorgt die Pappe dafür, dass das Malpapier an Ort und Stelle bleibt, zweitens erzeugt es eine angenehm zu bemalende Fläche - wesentlich nachgiebiger als ein harter Tisch.

Gewöhnliches Abklebeband wird entweder über die Ecken zur Fixierung geklebt, oder entlang der vier Pastellpapierseiten aufgeklebt, um einen Rahmen für dein Motiv zu erschaffen.

Malen mit Pastellkreide: Erste Schritte

Wenn du mit Pastelkreiden malen willst, musst du drei essenzielle Dinge beherrschen:

Du musst:

  • Farbige Linien auftragen und mit deinem Finger verreiben können
  • Farbwirkungen und -mischungen mehrerer Farben verstehen und erzeugen können
  • Die Farben in mehreren Lagen auftragen können

Sehen wir uns die einzelnen Schritte einmal genauer an, bevor du dich einem vollständigen Motiv widmest.

Linien auftragen und verwischen

Ein Bild besteht aus vielen einzelnen Linien, die miteinander verschmolzen werden, indem du die Farben mit deinem Finger oder einer Estompe verreibst. Experimentiere deshalb zunächst mit mehreren Linien aus Pastellkreide: Wie präzise kannst du sie auftragen, wie verändert sich die Farbintensität, wenn du sie mit dem Finger verreibst und welche Effekte kannst du erzeugen? Mache dich bereits in diesem Schritt mit dem Pastellpapier vertraut, indem du die ersten Gehversuche auf ihm wagst.

Auch das Zusammenspiel aus Kreide und Papier ist in dieser Phase des Lernens äußerst wichtig. Versuche nicht, Material zu sparen und auf gewöhnlichem Druckerpapier oder anderem Malpapier mit der Pastellkreide zu malen. Du wirst dich schnell an falsche Eigenschaften bezüglich Haftung, Abrieb und Farbintensität gewöhnen.

Farben miteinander mischen

Wenn du die Grundlagen des Farbauftrags mit einer Farbe gelernt hast, solltest du dich dem Zusammenspiel mehrerer Farben widmen. Pastellkreide ist in dieser Hinsicht sehr interessant. Du kannst zwei Farben übereinanderlegen und anschließend verreiben, um weiche Übergänge zu erschaffen.

Du kannst aber auch die rauen Farben übereinander stehen lassen, sodass sie sich nicht vermischen und der untere Farbton noch durchschimmert. Ein richtig oder ein falsch gibt es hier nicht.

Pastellkreiden in mehreren Lagen auftragen

Malen mit Pastellkreide

Zu guter Letzt solltest du dich damit auseinandersetzen, was passiert, wenn du mehrere Lagen Pastellkreide übereinander schichten willst. Abgesehen vom Mischverhalten spielt hier die Sättigung und die Reinheit der Farbe eine wichtige Rolle. Auch Prinzipien der Optik und der Komposition  spielen eine wichtige Rolle hinsichtlich der Unterteilung eines Bildes in Hinter-, Mittel- und Vordergrund.

Im Hintergrund einer Landschaftsmalerei sind die Farben beispielsweise dumpfer und weniger kontrastreich, im Vordergrund hingegen sehr intensiv und markant.

Sind Pastelle Malerei oder Zeichnung?

Man spricht von der Pastellmalerei, aber die Kreide ist doch trocken? Müsste es dann nicht eher eine Zeichnung sein? Die Pastellkreide ist ein Farbmedium, bei dem die Grenze zwischen Malerei und Zeichnung verschwimmt. Aus diesem Grund kann die Pastellmalerei sowohl der Malerei als auch der Zeichnung zugeordnet werden.

9 Tipps für die Handhabung der Pastellkreide

1 - Berücksichtige die Oberfläche

Die Oberfläche, für die du dich entscheidest, ist die Grundlage des Stückes. Obwohl oft übersehen, beeinflusst die Oberfläche oder das Papier, an dem du arbeitest, stark den Erfolg der Arbeit.

Wie andere Zeichenpapiere sind auch Pastellpapiere in einer Vielzahl von Farben und Oberflächenstrukturen erhältlich. Die Arbeit auf einer getönten Oberfläche ermöglicht es dem Künstler, näher an der Mitte der Werteskala zu beginnen und die Farben dunkler oder heller zu verschieben. Dies gibt dem Künstler ein sofortiges und präziseres Feedback über den Kontrast der aufgetragenen Farbe.

Die Farbtönung des Papiers wird oft durch die finale Zeichnung durchscheinen gelassen, um die Gesamttemperatur des Bildes und den Kontrast der Farben zu beeinflussen.

Die Textur des Papiers spielt ebenfalls eine wichtige Rolle für das fertige Erscheinungsbild der Arbeit. Glatte Oberflächen mit einer besseren Kontrolle der Wert- und Farbabstufungen sind jedoch begrenzt, da nur wenige Schichten in dieser Form auf die Oberfläche gebracht werden können.

Mittelgrobe Texturen ermöglichen eine höhere Anzahl von Lagen, aber einige Künstler finden es schwierig, Details bereits in der frühen Phase des Malprozesses zu entwickeln. Aber sobald einige wenige Schichten der Pastellkreide vorhanden sind, können Details leicht ausgearbeitet werden.

Oftmals beeinflussen das Motiv und die Farben innerhalb der Szene das gewählte Papier. Es gibt keine Regeln, welche Farben oder Texturen "am besten" sind. Wenn du jedoch Kontrast bevorzugst, wähle eine Papierfarbe, die sich in der Farbtemperatur von deinem Motiv unterscheidet. Wenn du auf Harmonie aus bist, dann wähle eine Papierfarbe, die der Farbtemperatur deines Motivs entspricht.

2 - Farben übereinanderlegen

Da Pastelle so eng mit den Medien fürs Malen verwandt sind, können die Kreiden mit der gleichen Denkweise angegangen werden. Wie bei opaken Malmedien können Farben über frühere Aufträge geschichtet werden, entweder indem sie vollständig abgedeckt werden oder indem Farbflecken durchscheinen.

Schichtung führt oft zu Komplexität in der Farbe, was die Farben natürlicher und überzeugender erscheinen lässt. Natürlich vermischen sich die Farben durch die Überlagerung miteinander - entweder optisch oder durch Vermischung. Wenn Farben gemischt werden, bringen sie Abwechslung und Interesse in die Arbeit.

Erwarte aber nicht, dass eine einzige Farbe schon ausreicht, um die Komplexität der Realität abzubilden. Du wirst dich darin üben müssen, mehrere Schichten übereinanderzulegen, um einen vollendeten und natürlichen Look zu erhalten.

3 - Lerne die Farbmischung

Wie wir gerade erwähnt haben, führt die Überlagerung von Farben auf natürliche Weise zum Vermischen und Verblenden von Farben, was wiederum essenziell für ein kräftig wirkendes Bild ist. Bei Pastellfarben erfolgt das Mischen auf der Oberfläche statt auf einer Palette. Farben können gemischt werden, indem man Farben übereinander schichtet, sie mit dem Finger mischt oder mit einer sogenannten Estompe verschmiert. Das Mischen tritt auch dann auf, wenn unvermischte Striche über frühere Schichten gelegt werden, was zu einer optischen Farbmischung führt.

Anstatt nach dem hergestellten "Grün" zu greifen, versuche es zuerst durch Mischen von Gelb und Blau selbst zu erzeugen. Du kannst die Farbe jederzeit mit dem hergestellten "Grün" intensivieren, wenn dein gemischtes "Grün" nicht ganz deinen Vorstellungen entspricht.

4 - Details Stück für Stück herausarbeiten

Bei vielen Farbmedien müssen die Details bereits frühzeitig ausgearbeitet werden, damit sie ihre farbliche Strahlkraft beibehalten, anstatt auszugrauen und stumpf zu wirken. Bei Pastellkreide ist das anders. Du kannst die Details zu einer späteren Zeit ausarbeiten, ohne dass die Kreidefarbe matt und kraftlos wirkt. Selbstverständlich lohnt es sich, mit ein paar Detailstudien anzufangen und eine Skizze auf dein Malpapier zu bringen, bevor es losgeht.

Die Zeit zu Beginn einer neuen Arbeit sollte am besten damit verbracht werden, die Töne und die Farben des Motivs herauszuarbeiten. Große Farbflächen werden aufgetragen, damit du sie später ausarbeiten kannst. Wenn die zugrundeliegende Farbe bereits aufgetragen wurde, kannst du die Details auf die Oberfläche auftragen und die grob gehaltenen Farbflächen genauer definieren.

Lass dich zu Beginn nicht von den Details eine Motivs überwältigen. Bei Pastellkreiden wird die Arbeit mit der Zeit immer besser - du brauchst beinahe keine Angst haben, dass ein tristes, dumpfes Bild malst.

5 - Bleibe locker und arbeite zügig

Pastellkreide können schnell aufgetragen werden, um in kurzer Zeit große Farbflächen zu entwickeln. So kann der Künstler in der Anfangsphase eines Werkes schnell und locker einzelne Farbfelder entwickeln. Details und Verfeinerungen können im Laufe der Entwicklung des Bildes ausgearbeitet werden, aber "locker und schnell" zu bleiben, kann dem Künstler helfen, Ergebnisse in den frühen Phasen zu sehen.

6 - Einfach mal locker lassen

Es ist üblich, dass eine lockere Malweise aus dem Handgelenk oder dem Ellenbogen geschieht. Versuche, eine schwungvolle Bewegung auszuüben, anstatt dich in deinem Handgelenk zu verkrampfen. Wenn du so schnell so viel Farbe wie möglich auf die Oberfläche bringst, dann trainierst du dich darin, dich nicht zu versteifen. Ein Element des Zufalls schadet nicht, solange es im angemessenen Maße angewendet wird.

7 - Bleibe geduldig

Dieser Tipp steht nicht im Widerspruch zu dem vorigen. Hier geht es darum, dass ein komplettes Werk Geduld benötigt, um es konzentriert zu Ende zu malen. Auch wenn du die ersten Schichten umkompliziert malen kannst, wirst du gerade bei den Feinheiten viel Konzentration benötigen.

Im übergeordneten Sinne ist es auch wichtig zu bedenken, dass deine künstlerische Reise ebenfalls sehr viel Zeit benötigen wird. Deine Talente arbeitest du nicht von heute auf morgen aus, sondern dafür bedarf es viel Zeit und noch mehr Geduld, auch wenn es einmal nicht so aussieht, als würdest du signifikante Fortschritte erzielen.

8 - Benutze Pastellstifte für Details

Pastellstifte
Foto: happy window / shutterstock.com

Pastellkreiden werden in der Regel als sperrige Blöcke hergestellt. Während Details mit Pastellstiften auf hohem Niveau ausgearbeitet werden können, ist es für einige Künstler schwierig, dies zu tun. Wenn dies auf dich zutrifft, dann wirst du feststellen, dass Pastellstifte eine geeignete Lösung sind.

Pastellstifte bestehen, wie der Name der schon verrät, aus demselben Pastellkreidestaub, der allerdings in einer Holzfassung eingeschlossen ist. Dadurch kannst du äußerst präzise Arbeiten und mit der Spitze selbst die feinsten Farbflächen ausmalen.

9 - Verzichte auf reines Schwarz weitestgehend

Schwarz ist die intensivste Farbe, die uns zur Verfügung steht. Wenn du zu viel Schwarz verwendest, verliert das Bild seine Wirkung - es scheint flach und unnatürlich. Da Pastellkreide ohnehin schwer zu bändigen ist, solltest du es nicht mit schwarzer Farbe auf die Spitze treiben.

In den meisten Fällen ist es besser, ein sehr dunkles grau anstatt schwarz zu verwenden. Lässt es sich nicht vermeiden, solltest du nur kleine Flächen mit Schwarz malen, um dort die Highlights zu setzen.