Malerei

Parmigianino – Biografie, bedeutende Werke und künstlerischer Einfluss

Parmigianino, Selbstporträt im konvexen Spiegel, 1523/1524Parmigianino, Selbstporträt im konvexen Spiegel, 1523/1524

Parmigianino, eigentlich Girolamo Francesco Maria Mazzola, (geboren am 11. Januar 1503, Parma - gestorben am 24. August 1540, Casalmaggiore), war einer der ersten italienischen Maler, die die eleganten Darstellungen des Manierismus entwickelten. In diesem Sinne nahm Parmigianino eine wegweisende Rolle im Verlauf der Renaissance ein.

Steckbrief zu Parmigianino

  • Name: Girolamo Francesco Maria Mazzola
  • Spitzname: ​Francesco Mazzola, Parmigiano
  • Geboren: 11. Januar 1503, Parma
  • Gestorben: 24. August 1540. Casalmaggiore
  • Schwerpunkte: Ölmalerei
  • Themen: Figurendarstellungen, Landschaften
  • Kunstepoche: Manierismus

Kernideen zu Parmigianino

Girolamo Francesco Maria Mazzola, der während seiner gesamten künstlerischen Existenz als Parmigianino bekannt war, war eines der herausragenden Genies der italienischen Renaissance

Er war einer der ersten Künstler, der die raffinierten Formen des manieristischen Stils entwickelte. Als Künstler scheute er sich nicht davor, Grenzen zu überschreiten und mit Konventionen zu brechen. Es war diese gewagte Herangehensweise, die anderen mutigen Künstlern den Weg ebnete, in der gleichen Richtung weiterzumachen. Kunstkritiker nannten Parmigianino daher auch den "Prinz des Manierismus".

Während seiner kurzen Schaffensphase schuf Parmigianino ein umfangreiches Werk, das von kleinen Tafeln bis hin zu großformatigen Fresken reicht. Ihm wird auch die Verbreitung der Radierung zugeschrieben, und er war einer der ersten Künstler, der seine eigenen Werke gravierte und sie in ganz Italien und Nordeuropa vervielfältigte.

Parmigianino erweiterte seinen Einfluss durch seine Beteiligung an der Druckgrafik dramatisch. Mithilfe dieses Medium wurde sein Werk kopiert und in vielen Kunstschulen und weit entfernten Ländern verbreitet, wo es studiert und bewundert werden konnte. Als einer der ersten italienischen Radierer hatte er einen dramatischen Einfluss auf die Kunst der Druckgrafik.

Darüber hinaus ebnete er als experimenteller, nonkonformistischer Maler den Weg für andere wagemutige Maler. Viele venezianische Künstler wie Paolo Veronese tendierten dazu, Parmigianinos aufbrausende Emotionen und seinen Sinn für Bewegung und Dramatik zu übernehmen.


Biografie

Kindheit und Frühwerk

Girolamo Francesco Maria Mazzola, auch als Francesco Mazzola oder häufiger als Parmigianino bekannt, wurde im Januar 1503 in Parma in Italien geboren.

Parmigianino wurde in eine Künstlerfamilie geboren, die sein Talent für die Malerei schon früh förderte. Sein Vater Filippo Mazzuola war selbst Maler, starb jedoch an der Pest, als Parmigianino gerade drei Jahre alt war.

Parmigianino und seine Geschwister wurden anschließend von ihren Onkeln Michele und Pier Ilario großgezogen. Auch sie waren Maler und kümmerten sich um Parmigianinos künstlerische Frühausbildung und sorgten dafür, dass er in den notwendigen Techniken geschult wurde.

Der junge Parmigianino zeigte ein frühes Talent, weshalb er seine Onkel oft bei ihren Aufträgen unterstützte. Er übernahm und beendete sogar einen ihrer späteren Aufträge von Nicolo Zangrandi, um eine Kapelle in San Giovanni Evangelista zu schmücken.

 

Wissenswert: Der bekannte Künstlerbiograph Giorgio Vasari schrieb später über den jungen Künstler, dass Parmigianino ein Wunderkind gewesen zu sein scheint, das mit Pinseln in den Fingern geboren wurde.

Nach dem Ausbruch des Krieges in Norditalien zwischen König Franz I. von Frankreich und den Armeen von Karl V. im Jahr 1521 überredeten Parmigianinos Onkel ihn, nach Viadana zu fliehen. Krieg und Unruhen sollten eine ständige Kulisse für das Leben des Künstlers sein.

In Viadana malte er zwei Tafeln, die den Heiligen Franziskus für die Kirche der Frati de' Zoccoli und die mystische Hochzeit der Heiligen Katharina für San Pietro darstellen.

Parma fiel nicht in französische Hände, sodass Parmigianino Ende 1521 nach San Giovanni zurückkehren konnte, wo er sich mit Correggio traf und mit ihm an Freskenverzierungen arbeitete.

Im Alter von 20 Jahren hatte Parmigianino bereits eine erstaunliche Menge an Arbeiten abgeschlossen, darunter mehrere Fresken in der Kirche San Giovanni Evangelista in Parma. Er war ein äußerst couragierter Künstler und sehnte sich danach, die Meisterwerke von Raffael und Michelangelo zu studieren. Im Jahr 1524 machte er sich auf den Weg nach Rom, um dort von seinen Vorbildern zu lernen.

Parmigianinos Umzug nach Rom war vielleicht auch durch monetäre Ambitionen motiviert. Clemens VII. war gerade zum Papst gewählt worden, und so war es die perfekte Zeit für aufstrebende Künstler in Rom Fuß zu fassen, um dort die Gunst und wichtige Aufträge zu erhalten. Parmigianino präsentierte dem Papst ein Selbstporträt, woraufhin er am Hof sofort als der neue Raffael gefeiert wurde.

Mittleres Werk

Leider endete dieser glänzende Start für den jungen Künstler in Rom abrupt, als die Stadt 1527 geplündert wurde (Sacco di Roma). Es heißt, dass Parmigianino selbst nach der Flucht seiner Mitarbeiter hartnäckig weiter arbeitete. Überlieferungen nach brachen die Soldaten in sein Atelier ein und waren so von seinen Werken, dass sie weiterzogen, ohne den Ort zu zerstören.

Schlussendlich sah sich Parmigianino gezwungen, aus Rom zu fliehen, weshalb er nach Bologna zog. Hier war er am produktivsten und vollendete eine große Anzahl von Werken, darunter einige seiner Meisterwerke.

Spätwerk

Nach drei Jahren kehrte Parmigianino 1530 in seine Heimat nach Parma zurück, wo er außerordentlich geschätzt wurde. Er erhielt schnell Aufträge von lokalen Aristokraten, wie zum Beispiel von der Familie Baiardi, für die er seine berühmte Madonna mit dem langen Hals und mehrere Porträts malte. Er erhielt auch einen wichtigen Auftrag für die Fresken in der Basilica di Santa Maria della Steccata.

Parmigianino, Madonna mit dem langen Hals, 1534-1540

Parmigianino, Madonna mit dem langen Hals, 1534-1540

Nach dem Höhenflug an kreativer Energie während seiner Jahre in Bologna schien es, dass Parmigianino nach seiner Rückkehr nach Parma weniger produktiv war. Er stellte nur einige der Fresken in der Basilica di Santa Maria della Steccata fertig und schloss nicht alle vorgesehenen Arbeiten ab. Nach einem Jahrzehnt des Wartens auf die Fresken beschloss die verantwortliche Bruderschaft, ihn zu verklagen, da sie ihn im Voraus für die Vollendung der Werke gezahlt hatten.

Parmigianino, Fresko im Rundbogen über dem Hauptaltar, 1531 - 1539

Parmigianino, Fresko im Rundbogen über dem Hauptaltar, 1531 - 1539

Parmigianino wurde gerichtlich verfolgt und schließlich 1537 wegen Vertragsbruchs ins Gefängnis gebracht. Er wurde gegen eine Kaution freigelassen, nachdem er versprochen hatte, das Werk zu beenden.

Stattdessen verließ Parmigianino die Stadt und floh nach Casalmaggiore. Dort starb der Maler ein Jahr später im August 1540 im Alter von 37 Jahren an einem Fieber.


Künstlerisches Vermächtnis von Parmigianino

Einige sagen, dass der in Ungnade gefallene Parmigianino in seinen letzten Lebensjahren in Melancholie verfiel und eine Art geistigen Zusammenbruch erlitt. Doch selbst bis zu seinem Tod behielt Parmigianino das regelmäßige Zeichnen bei und hinterließ 1000 seiner Skizzen. 

Auch seine späteren Gemälde zeigen keine Anzeichen dafür, dass sein Talent in irgendeiner Weise nachgelassen hat.