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Malerei

Yves Klein – Biografie, bekannte Werke und künstlerischer Einfluss

Foto: Thomas Hawk / Flickr / CC-BY-NC 2.0, cropped

Yves Klein war der einflussreichste, bekannteste und umstrittenste französische Künstler, der in der Kunstszene der 1950er und 60er Jahre Bekanntheit erlangte. Er wird vor allem wegen seiner Verwendung einer einzigen Farbe in Erinnerung bleiben, einer Variation des blauen Ultramarin, die er selbst geschaffen hat: International Klein Blue (kurz: IKB).

Aber der Erfolg seiner kurzlebigen Karriere lag darin, viele der Konzepte zu attackieren, die der abstrakten Malerei zugrunde lagen, die seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs die französische Kunst dominiert hatten.

Einige Kunsthistoriker verstehen Klein in gewisser Weise als Nachfolger von Marcel Duchamp - jemand, der das gängige Verständnis der Malerei verhöhnte und die Kunst für neue Medien zugänglich machte (siehe auch: Die Geschichte des Readymades). Andere betrachten ihn als Nachfolger früherer avantgardistischer Künstler wie Kasimir Malewitsch, der sich ebenfalls vom Einfarbigen angezogen fühlte.

Klein könnte auch mit seinem Zeitgenossen Joseph Beuys verglichen werden, denn wie Beuys beschäftigte er sich mit Aspekten der Romantik und der Mystik - Klein war fasziniert von der östlichen Religion und dem Rosenkreuzertum.

Die Kürze, der Witz und die Schönheit eines Großteils seines Werkes inspirieren auch heute noch. Hier erfährst du mehr über die spannende Biografie von Yves Klein und seine bekanntesten Werke und Konzepte,

Kernideen von und über Yves Klein

  • Die abstrakte Malerei, die in den 1950er Jahren die französische Kunst beherrschte, ging immer von der Vorstellung aus, dass ein Künstler mit dem Betrachter durch die abstrakte Form kommunizieren könnte. Aber Skeptiker der abstrakten Kunst sind davon überzeugt, dass die Betrachter einen größeren Anteil der Arbeit erledigen als der Künstler, indem sie ihre eigenen Gefühle in die Formen projizieren, anstatt die des Künstlers zu entdecken. So gesehen könnten Kleins einfarbig blaue Gemälde als Satire auf die abstrakte Kunst interpretiert werden - sie haben nicht nur kein Motiv, sondern gar nur die "Leere" seiner blauen Farbe.
  • Auch Kleins Bilder können widersprüchlich betrachtet werden. Er war wirklich fasziniert von mystischen Ideen, von Vorstellungen des Unendlichen, des Undefinierbaren und seine Verwendung eines einzigen satten Blautons könnte als Versuch angesehen werden, den Betrachter von allen aufgezwungenen Ideen zu befreien und seinen Geist in die Höhe schnellen zu lassen. Denn, wie Klein glaubte, waren Linien in Bildern wie ein Gefängnis, das nur durch die Farbe einen Weg in die Freiheit findet.
  • In Kleins Werk liegt ein Schwerpunkt auf der unmittelbaren Erfahrung - von seinen blauen Leinwänden bis hin zu der Performancekunst seines Spätwerks. Obwohl er nie ausdrücklich gegen die Schaffung von Kunstobjekten war, scheinen viele von Kleins späteren Arbeiten das Objekt als Vehikel für die Kunst verlassen zu wollen und stattdessen Wege zu finden, Ideen und Erfahrungen noch direkter zu vermitteln.

Biografie

Kindheit

Yves Klein wurde am 28. April 1928 in Nizza, Frankreich, in eine Künstlerfamilie geboren; seine Mutter Marie Raymond war eine der führenden Vertreterinnen der art informel, während sein Vater Figuren und Landschaften malte, die für den Post-Impressionismus typisch waren. Obwohl Klein in einem kreativen Haushalt aufwuchs, erhielt er keine formale künstlerische Ausbildung.

Die Familie lebte zwischen 1930 und 1939 in Paris und verbrachte die Sommermonate bei befreundeten Künstlern in Cagnes-sur-Mer, wo Klein in der Obhut seiner Tante Rose Raymond blieb. Sie gab ihm Stabilität und eine pragmatische Einstellung, die in krassem Gegensatz zur freigeistigen Haltung seiner Eltern stand.

Diese unterschiedlichen Standpunkte, kombiniert mit den künstlerischen Konflikten seiner Eltern zwischen figurativem und abstraktem Schaffen, waren sicherlich auch ausschlaggebend dafür, dass Yves Klein die Linie als künstlerisches Element ablehnte und die Farbe in seinem Frühwerk stark einschränkte.

Frühwerk

Zwischen 1942 und 1946 studierte Klein an der Ecole Nationale de la Marine Marchand und der Ecole Nationale des Langues. Während dieser Zeit freundete er sich mit einem jungen Dichter namens Claude Pascal und einem Bildhauer namens Arman Fernandez an. Gemeinsam teilten sie das Interesse an Judo, Jazz-Musik und fernöstlichen Religionen.

Kleins großer künstlerischer Durchbruch gelang ihm 1947, als er mit den beiden an einem Strand lag. In der Situation teilten die drei Freunde das Universum unter sich auf: Arman beanspruchte die Materialität der Erde, Pascal vereinnahmte Sprache und Worte, und Klein besaß "die Leere" oder die Natur ohne jegliche Materie. Klein begab sich auf einen Tagtraum in die Tiefen des Universums, und behauptete, seinen Namen in den Himmel geschrieben zu haben.

Die symbolische Geste war ein Ausgangspunkt in Kleins künstlerischem Streben, sich mit dem auseinanderzusetzen, was er als das Unendliche definierte.

Mittleres Werk

Die aufschlussreiche Erkenntnis der Leere des Himmels führte Klein zu Experimenten in Malerei, Performance und Musik. 1949 schuf er die Monotone-Silence Symphony, ein Stück mit einem einzigen Akkord, der zwanzig Minuten lang gehalten wurde, gefolgt von zwanzig Minuten meditativer Stille. Die Komposition symbolisierte die Tonhöhe, die vom blauen Himmel ausgeht, und betonte die universelle Harmonie.

Von 1948 bis 1952 lebte er mit Pascal in London, wo er anfing, in der Londoner Werkstatt von Robert Savage mitzuwirken. Dort lernte er grundlegende Maltechniken mit rohem Pigment.

1953 reiste Klein nach Japan, wo er am Kodokan Institute in Tokio einen schwarzen Gürtel im Judo erhielt. Dort veranstaltete er eine zweite private Ausstellung einfarbiger Gemälde und proklamierte das Manifesto of the Monochrome in dem er die Einfarbigkeit zu einem "offenen Fenster zur Freiheit, als Möglichkeit, in die unermessliche Existenz der Farbe einzutauchen" erklärte. Klein war entschlossen, Emotionen und Empfindungen unabhängig von Linien, dargestellten Objekten oder abstrahierten Symbolen hervorzurufen, weil er glaubte, dass die einfarbige Oberfläche das Bild von der Form durch die Gesamtheit des reinen Pigments befreit.

1956 etablierte sich Klein in der Pariser Kunstszene mit einer umstrittenen Ausstellung in der Galerie Colette Allendy mit dem Titel Yves Klein: Propositions Monochromes. Zwanzig monochrome Gemälde wurden ausgestellt, die in den Farbtönen Blau, Rot, Gelb und Orange wiedergegeben wurden.

Klein erlebte eine unzufriedenstellende Resonanz in der Pariser Öffentlichkeit, die die Ausstellung als eine neuartige Form der Abstraktion und nicht als eine unendliche Reise in die Immaterialität der Oberfläche betrachtete.

Pierre Restany, ein aufstrebender französischer Kunstkritiker, verstand sofort die erhabene Kraft von Kleins Einfarbigkeit und unterstützte ihn dabei, seinen Standpunkt darzulegen. Nachdem Klein die Fehlinterpretation des Publikums in der Galerie Colette Allendy berücksichtigt hatte, entschied er sich, die Einfarbigkeit einen Schritt voranzutreiben und sich auf seine bevorzugte Farbe - Blau - zu konzentrieren.

Spätwerk

1956 gelang es Klein mit Hilfe eines Chemikers, sein Lieblingspigment Ultramarin in Erdölextrakten zu suspendieren, wodurch das Pigment seine Brillanz und etwas von seiner pulverförmigen Textur behalten konnte, ohne zu mattieren. Er nannte den Stoff International Klein Blue (IKB). Dies war der Beginn von Kleins Blauer Periode, in der er mehrere einfarbige Bilder in der charakteristischen Farbe schuf. Klein glaubte, dass das IKB das perfekte Instrument sei, um seinen Glauben an spirituelle Kräfte und das Immaterielle auszuarbeiten. Ultramarin ist die traditionelle symbolische Farbe des Heiligen Geistes in der christlichen Religion und ruft auch die Weite des unendlichen Himmels und die Tiefe der Ozeane hervor.

1957 stellte Klein in der Mailänder Galerie Apollinaire 11 gleichmäßig angeordnete IKB-Bilder aus. Die Gemälde wurden auf Masten ausgestellt, die in Größe und Struktur identisch waren, aber jeweils einen anderen Preis hatten, was für Klein die Irrelevanz der materiellen Objekte selbst und die Bedeutung anstelle der Reaktion des Betrachters nahe legte.

Klein ging mit dem Konzept des Immateriellen noch einen Schritt weiter, als er 1958 alles bis auf einen überdimensionalen Kasten aus der Iris Clert Gallery entfernte. Er glaubte, dass bei der Enteerung der Galerie das Unsichtbare durch das Wahrnehmbare wirksam wird. Er betitelte das Stück Le Vide und kreierte ein kompliziertes Eingangsritual für die Vernissage.

Im Jahr 1960 verzichtete Klein auf die persönliche Bindung an die Bildebene, indem er seine Farbe mit Farbrollen und weiblichen Modellen in seiner Serie Anthropométries einsetzte, von denen die erste als Performance in der Galerie Internationale d'Art Contemporain in Paris aufgeführt wurde. Nackte weibliche Modelle beschmierten sich mit der Farbeund drückten ihre Körper gegen die Galeriewände, um Abdrücke zu erzeugen.

Während dieser Zeit wurde Klein zunehmend von natürlichen Elementen fasziniert und integrierte Feuer, Wasser und Schwämme in seine Leinwände und Skulpturen. Daraus entstand eine Reihe von Feuergemälden, Reliefgemälden und IKB-Skulpturen, die Vorstellungen von der Unendlichkeit zum Ausdruck bringen sollten.

Klein verzeichnete allerdings eine geringe Resonanz, nachdem er 1961 in der Leo Castelli Gallery in New York ausgestellt hatte, wo sich seine Bilder nicht verkauften, und antwortete mit dem The Chelsea Hotel Manifesto, in dem er seine Ideen erläuterte. 

1962 heiratete er die Künstlerin Rotraut Uecker, bevor er kurz darauf noch sehr jung im Alter von 34 Jahren an einem Herzinfarkt starb.

Künstlerischer Einfluss von Yves Klein

In Frankreich war Yves Kleins Wahrnehmung der Realität ein bedeutender Vorläufer des Nouveau Réalisme, einer französischen Ausprägung der Pop-Art, die vom Kritiker Pierre Restany angetrieben wurde. Seine Gemälde stellten eine der wichtigsten Reaktionen auf die Einfarbigkeit der Malerei des 20. Jahrhundert dar und ordnet sich den Beiträgen anderer Künstler wie Kasimir Malewitsch und Aleksander Rodtschenko an.

Obwohl er, wie ähnliche Wegbereiter der Konzeptkunst (z.B. Marcel Duchamp), nur wenige direkte Vorläufer hatte, hat seine exzentrische Mischung aus mystischen und materialistischen Haltungen viele zu der Annahme inspiriert, dass ein Leben als Künstler aus vielen Arten von Aktivitäten bestehen kann, von Literatur über die Malerei bis hin zur Performancekunst.


Bekannte Werke von Yves Klein

IKB 1 bis IKB 194

The Metropolitan Museum of Art, Yves Klein

Yves Klein begann 1947 mit der Herstellung von einfarbigen Gemälden. Für ihn waren sie eine Ablehnung der Idee der Repräsentation in der Malerei und damit der Weg zur ultimativen kreativen Freiheit.

Klein selbst gab diesen Werken keine Titel, aber nach seinem Tod 1962 nummerierte seine Witwe alle bekannten blauen Gemälde von IKB 1 bis IKB 194 in einer Reihenfolge, die nicht ihrer chronologischen Reihenfolge entsprach.

Anthropométrie

Für seine Anthropométrie-Serie verwendete Klein weibliche Aktmodelle, die ihre mit Farbe bestrichenen Körper gegen die Leinwände pressten.

Er inszenierte die Entstehung von Anthropometrien als aufwendige Aufführungen für ein Publikum. Dazu gehörten blaue Cocktails und eine Aufführung seiner Monotonen Symphonie - eine einzelne Note, die zwanzig Minuten lang gespielt wurde, gefolgt von zwanzig Minuten Stille.

Yves Klein SE (Schwammskulpturen)

Yves Klein

In den 1960er Jahren war Klein fasziniert von natürlichen Elementen und integrierte Feuer, Wasser und Schwämme in seine Leinwände und Skulpturen. Daraus entstand eine Reihe von einfarbigen Reliefgemälden und IKB-Skulpturen, die kosmologische Vorstellungen vom unendlichen Raum zum Ausdruck brachten.

Reliefskulpturen

Portrait relief de Claude Pascal, Arman et Martial Raysse, Yves Klein, 1962

Diese Werke zeigen eine Reihe von Kleins Freunden und sich selbst. Er formte die Körper aus Gips und ließ sie in Bronze gießen. Die Bronze wurde dann mit "Yves Klein Blue" bemalt, und die lebensgroße Skulptur wurde an einer vergoldete Holzplatte befestigt.


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