Gemälde

Beschreibung und Analyse: Mann mit rotem Turban von Jan van Eyck

Mann mit rotem TurbanJan van Eyck, Mann mit rotem Turban, 1433

Dieses Gemälde, auch bekannt als Mann mit rotem Turban, ist eines von mehreren weltbekannten Tafelbildern des flämischen Malers Jan Van Eyck, einem der bedeutendsten Wegbereiter der frühniederländischen Renaissance. 

Angeblich handelt es sich um ein Selbstbildnis, das vermutlich von Thomas Howard, Earl von Arundel, während seiner Exilzeit in Antwerpen um 1644 erworben wurde. Im Jahr 1851 wurde es von der National Gallery in London übernommen, wo es sich noch heute befindet.

Neben Van Eycks anderen Meisterwerken wie dem Altarbild von Gent und dem Arnolfini-Porträt ist das Gemälde Mann mit rotem Turban eines der berühmtesten Beispiele für die Kunst der nordischen Renaissance aus dem 15. Jahrhundert.

Mann mit rotem Turban - beschreibung


  • Titel: Mann mit rotem Turban (auch: Porträt eines Mannes), 1433
  • Künstler: Jan Van Eyck, 1390 - 1441
  • Medium: Öl auf Leinwand
  • Größe: 25,5  × 19 cm
  • Gattung: Porträt
  • Epoche: Niederländische Renaissance
  • Standort: ​National Gallery, London

War der abgebildete Mann ein Selbstporträt van Eycks?

Jan Van Eycks Mann mit rotem Turban wurde 1655 erstmals als Selbstporträt beschrieben, obwohl diese Ansicht von Kunsthistorikern nicht einheitlich vertreten wird und die Identifizierung zurückhaltend bleibt. 

Die Inschrift oben am Rahmen wurde als wesentlicher Beweis dafür angeführt. Dort steht "ALC IXH XAN" (als ich kann).

Van Eyck stellte sich offenbar auch in zwei weiteren Werken selbst dar; er scheint sich im Spiegel der Arnolfini-Hochzeit und im Schild des Heiligen Georg in der Madonna des Kanonikus Georg van der Paele wiederzufinden. In beiden Gemälden scheint es so, als habe sich der Künstler ein rotes Kopfgewand tragend in die Szene aufgenommen. 

Selbstportraits van Eyck

Links: Ausschnitt Arnolfini-Hochzeit, Rechts: Ausschnitt Madonna des Kanonikus Georg van der Paele

Ob Selbstporträt oder nicht, der Mann trägt in Wirklichkeit gar keinen Turban, sondern einen Chaperon.

Technikanalyse von Mann mit rotem Turban

Van Eycks technischer Fortschritt in der Ölmalerei - insbesondere seine sorgfältige Verwendung dünner Schichten transparenter Farbpigmente für maximale Leuchtkraft - ermöglichte die präzisen optischen Effekte und spiegelgleichen Oberflächen, die dieses Portrait so lebensecht machen.

Man beachte z.B. die Lichtreflexionen oder die Kapillare, die im linken Auge gemalt wurden. Van Eycks Verwendung und Anwendung von Farbe wurde von zahlreichen Künstlern und Kritikern bemerkt: Hier wird zum Beispiel die weiße Farbe des Auges mit winzigen Mengen von Rot und Blau vermischt. Eine sehr dünne rote Schicht wird über diese Unterschicht gestreift, jedoch so, dass die Unterschicht an mehreren Stellen freigelegt bleibt. Die Iris des Auges ist ultramarin - mit Zusätzen von Weiß und Schwarz an der Pupille, das in Blau über die Iris gemalt ist.

Auge Detail

Die Variation des Fokus zwischen den beiden Augen deutet darauf hin, dass Van Eyck vielleicht einen Spiegel benutzt hat, um dieses Bild zu malen: Sein rechtes Auge ist um die Ränder herum leicht verschwommen und scheint nur passiv im Blickfeld zu sein, während die Kontur des linken Auges klar abgegrenzt und auf ein bestimmtes Objekt fokussiert ist.

Dieser Effekt ist wahrscheinlich darauf zurückzuführen, dass sich der Künstler im Spiegel beobachtete. Wenn man sich selbst aus einem Winkel betrachtet, kann man nicht beide Augen gleichzeitig beobachten.

Fokus Augen Mann mit rotem Turban

Durch seine Kontrolle über das Medium wird Van Eyck in der Darstellung unbeschreiblich präsent, wenn nicht durch sein körperliches Abbild, dann durch die Art und Weise, wie er das Abbild jedes Pinselstrichs unkenntlich machen konnte.

Mann mit rotem Turban: Komposition

Wie in allen seinen Gemälden gestaltet Van Eyck seine Komposition mit großer Sorgfalt. Hier setzt er beispielsweise stark auf Farbe und Schattierung als Kompositionsmittel. Die satten roten Falten des Chaperon kontrastieren das erhellte Gesicht, das aus der Dunkelheit hervortritt. Der feste Blick des Sitzenden zieht den Betrachter unwiderstehlich in das Bild, wovon nichts anderes abzulenken imstande ist.

Sein Einsatz von Chiaroscuro ist meisterhaft, ebenso wie sein dramatischer Tenebrismus, ähnlich der Malerei von Caravaggio. Van Eycks Kombination aus tonaler Kontrolle und Schattierung greift die Technik des Sfumato aus der Hochrenaissance auf, wie sie in den Porträts von Leonardo da Vinci veranschaulicht wird.

Die Inschrift "Jan Van Eyck machte mich am 21. Oktober 1433" (original: JOHES DE EYCK ME FECIT ANO MCCCC 33. 21. OCTOBRIS) am unteren Rand des Rahmens in abgekürztem Latein betont die Entstehung des Werkes und verweist auf das Bildfeld als nicht nur ein Porträt eines Menschen, sondern auch ein von Menschen geschaffenes Porträt.

Außerdem ist die Inschrift nicht tatsächlich auf den Rahmen graviert, sondern in Trompe l'oeil gemalt, so dass die Worte aussehen, als wären sie eingeritzt worden.

Trompe l'oeil Rahmen

Jan Van Eyck

Der Realismus von Van Eycks Porträtkunst verleiht dem Künstler im Vergleich zu anderen Renaissance-Gemälden einen ausgesprochen zeitgenössischen Look. Sein wählerischer Naturalismus verdrängte die stilisierten Formen der gotischen Kunst und ließ sich am besten mit der Renaissancekunst in Italien vergleichen.

Mit der Ölfarbe war er - zusammen mit seinem Zeitgenossen Roger van der Weyden - eindeutig allen anderen Malern seiner Zeit voraus, und seine Farben schienen wie die von niemand anderem zu leuchten.

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