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Die Geburt der Venus – Botticellis Meisterwerk im Detail

Infos zu einem der einflussreichsten Gemälde der Kunstgeschichte

Die Geburt der Venus (Sandro Botticelli)
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Sandro Botticelli ist ein früher Meister der italienischen Renaissance, der auch heute noch für seine malerischen Leistungen gefeiert wird. Während das Gesamtwerk des Künstlers auch weltliche Porträts und biblische Darstellungen enthält, ist er vor allem für seine überlebensgroßen, mythologischen Szenen wie “Die Geburt der Venus” bekannt.

Das monumentale Gemälde wurde im späten 15. Jahrhundert erschaffen und wird seit Anfang der 1900er Jahre in den berühmten Uffizien in Florenz ausgestellt. Seit Jahrhunderten wird das Werk bewundert und analysiert. Heute gilt die Venus zusammen mit berühmten Werken wie der Mona Lisa und der Sixtinischen Kapelle als eines der Hauptwerke der Renaissance.

Aber warum ist dieses Bild so berühmt? Neben stilistischen Qualitäten wie Farbe und Pinselführung ist es Botticellis Annäherung an die Materie, die “Die Geburt der Venus” von anderen Renaissance-Darstellungen unterscheidet. Bevor man diese Charakteristika genauer untersucht, ist es aber notwendig, den Kontext des markanten Bildes zu verstehen.

Kontext

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Sandro Botticelli: Primavera, um 1482/1487

Obwohl der genaue Schöpfungszeitraum nicht bekannt ist, glauben Kunsthistoriker, dass “Die Geburt der Venus” wahrscheinlich zwischen 1482 und 1485 entstanden ist. Zu der Zeit arbeitete Botticelli in seiner Geburtsstadt Florenz nach einem Aufenthalt in Rom, wo er mit der Freskenmalerei in der Sixtinischen Kapelle beauftragt war. Nach seiner Rückkehr nach Florenz widmete er sich regelmäßig der Malerei römisch-katholischer Darstellungen. Aber er begann auch, sich mit neuen Themen wie der griechischen und römischen Mythologie zu beschäftigen.

Als Ergebnis seines neu geweckten Interesses an der antiken Ikonographie entstanden zwei großformatige Gemälde: Primavera und Die Geburt der Venus. Obwohl die beiden Werke nicht zusammengehören, werden diese Stücke aufgrund ihrer ähnlichen Themen, ihres Stils und ihrer Größe oft gleichzeitig betrachtet. Zusätzlich sind beide Arbeiten in Temperafarbe gemalt worden, einem traditionellen Medium aus Pigment und Eigelb. Im Gegensatz zu Primavera, das auf einer Tafel gemalt wurde, ist Die Geburt der Venus ein Werk auf Leinwand.

Gegenstand der Untersuchung

Capitoline Venus (I)

Die Geburt der Venus zeichnet sich nicht nur durch ihren Gesamtkontext aus, sondern auch durch ihren thematischen Inhalt, der sich von anderen Renaissance-Szenen abhebt.

Die Geburt der Venus zeigt die neugeborene Venus, die römische Göttin der Liebe und Schönheit. Sie steht entkleidet in einer vergrößerten Jakobsmuschel und wird von drei Figuren aus der klassischen Mythologie umgeben. Während die Identitäten dieser Wesen nicht eindeutig identifiziert sind, wird allgemein angenommen, dass sie Zephyr, Gott des Windes, und Chloris, eine Nymphe, die sich nach der Umarmung urch Zephyr in die Göttin Flora verwandelt, darstellen sollen. Gemeinsam treiben Zephyr und Chloris die Venus mit ihrem Atem ans Ufer, während eine der Horen darauf wartet, die Venus mit einem Umhang zu bedecken.

Gemäß der Uffizien zeigt diese Szene mehrere Einflüsse, darunter Ovids Metamorphosen und das Gedicht “Stanze per la giostra” des Agnolo Polizianos, Hofpoet der Medici-Familie, das auf den Homerischen Hymnen der Antike basiert.

Ähnlich wie der Kontrapost (S-förmige Haltung) von Michelangelos David ist die kapitolinische Venus eine Skulptur , die durch eine Asymmetrie gekennzeichnet ist. Die Venus Medici, die in den Besitz der Medici-Familie gelangte, ist der kapitolinischen Venus nachempfunden und stellt die Venus in der schamvollen Pose dar. Die Venus Medici gilt als direkte Vorlage für die gemalte Venus in dem Gemälde von Botticelli.

Bedeutung des Werks

The Birth of Venus Heutzutage erscheint das Sujet der Venusgeburt typisch für die italienische Renaissance, da ein klassischer Einfluss den Erfolg der Periode ausmachte. Damals gehörte sie jedoch zu den ersten Werken, die diesen Ansatz verdeutlichten. Im Falle von “Die Geburt der Venus” zeigt sich diese klassische Prägung in dem mythologischen Thema und der beispiellosen Hervorhebung des weiblichen Aktes.

Mythologische Ikonographie

Wie Botticelli haben auch andere Größen wie Michelangelo, Leonardo da Vinci und Raffael die antike Einflüsse in ihre Kunstwerke miteinbezogen. Ihre Werke blieben jedoch meist auf die christliche Ikonographie beschränkt. Mit Die Geburt der Venus belebte Botticelli die mythologischen Interessen der Antike. Konkret übernahm er die Venus als Bildmotiv, da sie eine besonders beliebte Figur in der antiken Kunst war. Die Venus war schon damals Thema bedeutender Statuen wie der Venus von Milo, der kapitolinischen Venus und der Venus Medici.

Während entkleidete Frauen in der altgriechischen Malerei und Bildhauerei regelmäßig zu sehen waren, wurden sie bis zu Botticellis Werk nicht mehr in die westliche Kunst aufgenommen. Nach dieser Wiedereinführung tauchten unbekleidete Frauenfiguren in den meisten bedeutenden Kunstrichtungen wieder auf.

Heute gilt Die Geburt der Venus von Botticelli als eines der berühmtesten Kunstwerke der Welt. Mit einem Einfluss, der sich von der kunstorientierten Modefotografie bis hin zum meisterhaften Friseurhandwerk erstreckt, ist ihre anhaltende Rolle in der zeitgenössischen Kunst und Kultur ebenso präsent wie ihr Platz in der Kunstgeschichte.