GrafikMalerei

Max Liebermann – Biografe, Werke und künstlerischer Einfluss

Max Liebermann in seinem AtelierMax Liebermann in seinem Atelier

Der Maler und Grafiker Max Liebermann (20. Juli 1847 - 8. Februar 1935) war für seinen entschlossenen Realismus bekannt, der die Darstellung der unteren Gesellschaftsschichten bei der Arbeit und in ihrer Freizeit beinhaltete. Noch wichtiger war Liebermann allerdings für die Entwicklung des deutschen Impressionismus. 

Sein Frühwerk wurde vor allem von dem französischen Maler Jean-François Millet und dem deutschen Realisten Adolph Menzel beeinflusst und war nicht ganz frei von Kontroversen. 

Sobald er sich jedoch in Berlin niedergelassen hatte, wo er im Jahr 1884 Dozent an der Akademie der bildenden Künste wurde, war er und sein Werk als Vertreter der Berliner Secession mit der Ästhetik des Fin de Siècle verbunden.

Zugleich verlor er jedoch nie den Kontakt zum traditionellen künstlerischen Mainstream in Deutschland. So wurde er auch Mitglied der Berliner Akademie, zu deren Präsident er 1920 gewählt wurde. 1933 zwang ihn der politische Druck der Nationalsozialisten zum Rücktritt von seinem Amt.

Sehen wir uns in dieser Max Liebermann Biografie seinen künstlerischen Werdegang einmal genauer an und erfahren, wieso Liebermann für die Moderne so wichtig war.


Biografie von Max Liebermann

Max Liebermann wurde 1847 als zweites von vier Kindern in Berlin als Sohn von Louis Liebermann, einem wohlhabenden jüdischen Unternehmer und Bankier, und Philippine Liebermann (geb. Haller) geboren.

Beide Eltern waren namhafte Persönlichkeiten der deutschen Geschäftswelt, weshalb ihr Sohn eine herausragende Erziehung in einem bürgerlichen Zuhause am Pariser Platz in der Nähe des Brandenburger Tors genoss. 

Durch seine schulische Ausbildung entwickelte Liebermann Selbstbeherrschung, Disziplin und eine unerbittliche Arbeitsmoral, die er in seine künstlerische Praxis übertragen wollte.

Ab dem Alter von neun Jahren begann Liebermann, sich für die Künste zu interessieren. Obwohl seine Eltern anfänglich versuchten, ihm diese Torheit auszutreiben, nahm der Maler Carl Steffeck seine künstlerischen Fähigkeiten zur Kenntnis und ermutigte ihn, bis ins Teenageralter weiter zu malen.

Ausbildung und Frühwerk

Auf Anregung seiner Eltern immatrikulierte sich Liebermann an der Universität Berlin zum Studium der Rechtswissenschaften und der Philosophie.

Seine Leidenschaft für die Kunst blieb jedoch unverändert, sodass er zwischen 1866 und 1868 seine Ausbildung im Stillen bei Steffeck wieder aufnahm. Während Steffeck mit den Fortschritten seines Schülers zufrieden war, empfand Liebermann, dass er keine umfassende künstlerische Ausbildung erhielt.

Max Liebermann im Alter von 25 Jahren an der Weimarer Kunstschule

Max Liebermann im Alter von 25 Jahren an der Weimarer Kunstschule

So schrieb er sich zwischen 1868 und 1872 an der Weimarer Kunstschule ein, wo er die Kunst des Zeichnen und der Malerei studierte.

In seinem Streben nach einer künstlerischen Laufbahn hatte er letztendlich die zurückhaltende Zustimmung seines Vaters gewonnen.

Im Jahr 1871 reiste Liebermann nach Holland, wo er seine Berufung als Maler fand. 

Während seiner Ausbildung sehnte er sich auch danach, mit dem belgischen Maler Gustaf Wappers zusammenzuarbeiten, der als erfahrener Farbkünstler bekannt war.

Sein erstes Gemälde mit dem Titel Gänserupferinnen, das 1873 fertiggestellt wurde, brachte ihm erheblichen Hohn in der Kunstwelt ein. Ein Käufer erwarb dennoch das Gemälde, und Liebermann verwendete den Erlös zur Finanzierung einer Reise nach Paris im selben Jahr.

Max Liebermann, Gänserupferinnen, 1871 bis 1872

Max Liebermann, Gänserupferinnen, 1871 bis 1872

In Paris angekommen, interessierte sich Liebermann für das Werk des französischen Maler des Realismus Gustave Courbet und machte die Bekanntschaft des Ungarn Mihály Munkácsy, dem er für kurze Zeit folgte. Liebermann erhielt auch die Nachricht, dass der renommierte deutsche Künstler Adolph Menzel um ein Treffen mit ihm bat. Er bewunderte Menzel sehr und traf sich nach seiner Rückkehr aus Paris mit ihm.

Liebermann reiste auch nach Barbizon, einem kleinen französischen Dorf, wo er mit den Anhängern der Schule von Barbizon zusammenkam, darunter auch der deren Initiator Millet.

Obwohl er selbst aus gutem bürgerlichen Hause stammte, nahm Liebermann die sozialistisch geprägten Prinzipien Millets auf. Doch während Millet die ländlichen Arbeiterklassen eher als heroische Figuren darstellte, näherte sich Liebermann denselben Themen ohne deren Verschönerung. 

Max Liebermann, Kartoffelernte in Barbizon, 1874

Max Liebermann, Kartoffelernte in Barbizon, 1874

Nach seiner Rückkehr nach Deutschland setzte Liebermann seine Reisen fort und verbrachte die Sommer in Holland, wo er von der langsamen Lebensweise und der stimmungsvollen Landschaft fasziniert war.

Liebermann reiste auch nach Italien, wo er zwei Monate lang in Venedig blieb und den Münchner Maler Franz von Lenbach traf. 1878 übersiedelte er nach München und festigte damit seinen Status als ernsthafter progressiver Künstler.

In den frühen 1880er Jahren genoss er die Kultur und setzte seine Förderung der Kunst in München fort, besuchte Museen und Galerien und schloss Freundschaften, die den Rest seines Lebens andauern sollten. 1884 siedelte er nach Berlin über und blieb dort bis zu seinem Tod. Im selben Jahr heiratete er Martha Marckwald.

Max Liebermann, Martha Liebermann, 1898

Max Liebermann, Martha Liebermann, 1898

Mittleres Werk und künstlerische Reife

Während der 1890er Jahre lebte und malte Liebermann weiterhin in Berlin. Nach dem Tod seiner Mutter 1892 und bald darauf seines Vaters 1894 war Liebermann finanziell und emotional von den anhaltenden Ängsten seines Vaters über seinen Status als Künstler befreit. Er zog in das Haus seiner Familie am Pariser Platz.

1898 wurde Liebermann Präsident der Berliner Secession, eines Kunstvereins, der als Alternative zum konservativen Preußischen Kunstverein gegründet wurde. Er setzte sich aus 65 Berliner Künstlern zusammen, die von der traditionellen und akademischen Kunst abzuschweifen suchten.

Auf diese Weise war Liebermann maßgeblich am Wandel Berlins von der Reichsmetropole zu einem künstlerischen Zentrum zum Ende des 19. Jahrhunderts beteiligt.

Er folgte Sezessionsgruppen in Frankreich, München und Wien. Die einflussreichste von ihnen war die 1897 gegründete Wiener Sezession, die von Gustav Klimt geleitet wurde. Die Gruppe legte großen Wert auf Architektur und Design und spielte eine wichtige Rolle in der aufkeimenden Jugendstilbewegung und dem Aufblühen des Designs der Moderne.

Später zog die Wiener Sezession Künstler wie Egon Schiele und Oskar Kokoschka an, zwei der größten Vertreter des Expressionismus.

Die Kunst Deutschlands wurde stark von der Sezession beeinflusst und bewegte sich hin zu moderneren und progressiveren Kunststilen wie Jugendstil und Impressionismus. ​

Wegen des aufkommenden Antisemitismus in Deutschland wurde den Impressionisten wie Liebermann, Max Slevogt und August von Brandis vorgeworfen, internationale Ideen in die deutsche Kunst zu übertragen. Liebermanns Kunst und Leben in der Zeit der Sezession war daher von einem inneren Konflikt zwischen seiner konservativ-preußischen Erziehung, seiner jüdischen Abstammung und seiner Bewunderung für internationale Kunststile geprägt.

Dies wurde am deutlichsten, nachdem Liebermann eine politisch Schau neuer deutscher Kunst organisiert hatte, für die er mit der französischen Ehrenlegion ausgezeichnet wurde, obwohl die repressive deutsche Regierung ihn in diesem Fall nicht nach Frankreich reisen ließ, um den Preis entgegenzunehmen.

Trotz der Einmischung des Staates blieb Liebermann beharrlich und brachte Berlin als Gründer und Leiter des Vereins der Elf an die Spitze der Kunstwelt und förderte die Reichweite der Berliner Sezession.

Er behielt aber auch durch sein ausgedehntes Netzwerk künstlerischer Kontakte die Relevanz des Mainstream bei, und 1897 würdigte die traditionsreiche Preußische Akademie der Künste seinen fünfzigsten Geburtstag mit einer großen Kunstausstellung gewürdigt. Seine Kunst repräsentierte damit sowohl die Vergangenheit als auch die Zukunft der Berliner Kunst.

Im ersten Jahrzehnt des zwanzigsten Jahrhunderts verengte sich Liebermanns künstlerisches Themenspektrum, da er sich mehr auf Porträt- und Stilllebendarstellungen konzentrierte. Er blieb ein prominenter Berliner Künstler, aber er war nicht mehr der gleiche Verfechter der Moderne und des künstlerischen Fortschritts wie zuvor.

Wegen der französischen Vereine Liebermanns hatte er noch zahlreiche Konfrontationen mit preußischen Konservativen und Regierungsbeamten. Trotz seines Engagements in der deutschen Politik blieb Liebermanns Schaffen konstant; zwischen 1900 und 1910 entstanden neben zahlreichen Skizzen, Drucken, Lithographien und Pastellen mehrere Dutzend Ölgemälde pro Jahr.

Max Liebermann, Terrasse des Restaurants Jacob in Nienstedten an der Elbe, 1902

Max Liebermann, Terrasse des Restaurants Jacob in Nienstedten an der Elbe, 1902

Spätwerk von Max Liebermann

Durch seinen beruflichen Erfolg um die Jahrhundertwende war Liebermann zu einem Teil der reichsten Schicht Deutschlands geworden. Im Jahr 1909 kaufte er mit eigenen Erträgen Land am Wannsee. Dort errichtete er ein herrschaftliches Anwesen und nutzte die Landschaft für deine künstlerische Inspiration.

Innerhalb Berlins geriet er jedoch weiterhin in die Kritik, weshalb er 1911 als Präsident der Berliner Sezession zurücktrat. Nach dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges beschloss Liebermann zusammen mit einigen anderen Malern zu versuchen, mit der Regierung zusammenzuarbeiten, um die kulturelle Einheit in Deutschland zu erhalten und den Sieg an der Kriegsfront zu fördern.

Liebermann tat dies durch einen Beitrag in einer Zeitschrift mit dem Titel Kriegszeit, die von seinem Freund Paul Cassirer herausgegeben wurde. Er trug mehrere Jahre lang zu dieser Zeitschrift bei, schuf Lithographien und förderte den deutschen Patriotismus und die deutsche Einheit.

Am Ende des Ersten Weltkriegs war Deutschland und seine Kunstszene ausgemergelt. Liebermann hatte gehofft, dass die deutsche Gesellschaft nach der militärischen Niederlage liberaler werden würde. In der Tat war er ein Verfechter des Liberalismus und löste Debatten aus, damit politische und ethische Meinungsverschiedenheiten in einen zivilisierten Dialog münden konnten.

Im Jahr 1933, als die NSDAP ihn intensiver unter die Lupe nahm, trat Liebermann von seinem Amt als Präsident der Akademie zurück. Bald darauf begann die Gestapo, seine Gemälde von den Museumswänden zu entfernen und aus privaten Sammlungen zu beschlagnahmen. Tief betroffen von der bedrohlichen Wende in der deutschen Politik zog er sich aus dem öffentlichen Leben zurück, malte aber bis zu seinem Tod 1935 in seinem Haus am Pariser Platz.

Obwohl er unter seinen Zeitgenossen hoch angesehen und in der deutschen Kunstszene insgesamt ein hohes Ansehen genoss, wurde sein Tod von der nationalsozialistisch geprägten Presse nicht gemeldet. Folglich verlief sein Begräbnis ohne Beteiligung der Preußischen Akademie der Künste.


Künstlerisches Vermächtnis von Max Liebermann

Liebermann wird von vielen als einer der instrumentalsten Verfechter der künstlerischen und politischen Moderne in Deutschland angesehen. Er wird neben Courbet, Monet, Manet und Degas als wichtiges Mitglied der frühen Moderne und des Impressionismus in Europa erwähnt. Seine Technik und sein handwerkliches Geschick wurden während des gesamten 20. Jahrhunderts bewundert.

Sein Wirken hatte Berlin um die Wende zum 20. Jahrhundert zu einem einflussreichen Kunstzentrum werden lassen. Tatsächlich erklärte Mason Klein, der Kurator des New Yorker Jüdischen Museums, im Jahr 2005, dass Liebermanns kulturelle Führung ein öffentliches Forum schuf, in dem traditionelle und neue Kunstinstitutionen interagieren konnten.