Zeichnung

Portrait zeichnen lernen – In 6 Schritten zu besseren Portraitzeichnungen

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Du hast dich schon öfters gefragt, wie du ein Portrait zeichnen kannst, das tatsächlich den Charakter deiner Vorlage wiedergibt?

Das Warten hat endlich ein Ende. In dieser Anleitung zeigt dir Sabrina Hassler Schritt-für-Schritt, wie du mit wenigen Materialien zu wunderschönen Ergebnissen gelangst.

Darf ich mich kurz vorstellen?

Mein Name ist Sabrina Hassler (Website / Instagram) und ich bin Illustratorin und Künstlerin aus Salzburg. Seit langem beschäftige ich mich schon mit dem Portraitzeichnen und habe für mich eine Technik entwickelt, mit der ich besonders tolle Resultate erzielen kann.

Es freut mich sehr, dass ich in diesem Artikel als Gastautorin eine Anleitung für ein Portrait mit Pastellkreide, Kohle und Bleistift zeigen darf.

Materialien zum Portrait zeichnen

Bild 1 Materialien

Im Bild siehst du alle Stifte und Utensilien, die ich verwendet habe. Es ist jedoch keinesfalls notwendig, alle Materialien zu verwenden.

Wenn du nicht viele Stifte kaufen willst, reichen auch:

  • Getöntes Papier (z.B. Canson Mi-Teintes)
  • Weiße Pastellkreide
  • Bleistifte (HB-6B)
  • Kohle (als Stift oder Mine)
  • Schwarzer Buntstift
  • Radiergummi
  • Spitzer

Schritt 1: Die Skizze

Porträt malen Schritt 1

Dieser Schritt ist sehr wichtig und du solltest dir genügend Zeit dafür nehmen, um später weniger Arbeit zu haben.

Beim Skizzieren des Gesichts orientiere ich mich gerne an Grundformen (beispielsweise die ovale Form des Gesichts) und Achsen (senkrecht-Nase und waagrecht-Augen/Mund). Hier heißt es probieren UND studieren. In welchem Abstand stehen die Augen zu einander? Wie lange ist die Nase im Vergleich zum gesamten Gesicht? Ich überarbeite die Gesichtspartien oft mehrmals, bis ich das Gefühl habe, die Proportionen stimmen.

Zuerst konzentriere ich mich nur auf das Gesicht (wie hier im Bild) und danach skizziere ich auch grob Haare, Hals und Schultern. 

Schritt 2: Licht

Portrait malen

Nachdem ich mit der Skizze zufrieden bin, nehme ich meine weiße Kreide und trage sie auf alle Stellen auf, die hell erleuchtet sind. Hierbei ist es gut, wenn du schrittweise vorgehst und zuerst nur wenig Pastellkreide aufträgst. 

Danach verwischst du die Striche mit einem Papierwischer (auch Estompe) oder den Fingern. Dadurch werden die Flächen ebenmäßiger und auch weniger deckend. Nun kannst du ein zweites Mal Kreide auftragen, aber nur auf den Stellen, die noch mehr hervortreten müssen (beispielsweise Glanz auf der Nasenspitze etc.).

Schritt 3: Schatten

Schatten Porträt

Im dritten Schritt kommen auch die Schatten dazu. Hier gehe ich ähnlich vor, wie beim Licht. Ich beginne mit einem härteren Bleistift (z.B. H oder HB) und gebe nur sehr wenig Druck. Es ist sehr wichtig, mit einem harten Bleistift zart umzugehen, da du sonst das Papier verletzen kannst.

Wenn ich die erste Schicht aufgetragen habe, nehme ich einen weicheren Bleistift (2B-4B) und betone damit die dunkleren Stellen. Die sehr dunklen oder fast schwarzen Stellen lasse ich an dieser Stelle noch aus, denn dunkler kann man später immer noch werden.

Merke: Beim Portrait zeichnen ist es wichtig, strukturiert vorzugehen und die hellen und dunklen Highlights erst zum Schluss zu setzen.

Schritt 4: Ausarbeitung der Gesichtszüge

Bild 5

Nun geht es an die Gesichtszüge – das ist mein Lieblingsteil! Ich arbeite mich von einem Feature zum nächsten. Dabei ist es vollkommen egal, wo du beginnen willst, ob Nase, Augen oder Mund. 

Ich suche mir zum Beispiel den Mund aus und fange damit an, nochmals die Form, Position und das Verhältnis zu anderen Teilen des Gesichts zu prüfen. Danach arbeite ich wieder mit Kreide für die Highlights und Bleistift und schwarzem Buntstift für die dunklen Stellen. Ich fange schrittweise an und werde dann immer feiner und dunkler bzw. heller, damit sich der Kontrast langsam erhöht. 

Entscheidend sind die Details, die ich zeichne. Dafür nehme ich mir am meisten Zeit, denn sie machen den großen Unterschied. Kleine Risse in den Lippen, einzelne Härchen in den Augenbrauen, feine Wimpern, kleine Augenfältchen und Lichtpunkte auf den Pupillen und am Augeninnenwinkel lassen das Portrait zum Leben erwachen.

Schritt 5: Haare

Bild 6

Im nächsten Schritt zeichne ich die Haare ein. Dafür fülle ich zuerst den gesamten Haarbereich mit der Grundfarbe der Haare (in diesem Fall Schwarz- ich habe den Kohlestift verwendet). Dann nehme ich mir meinen Radierstift (er macht es möglich feine Linien auszuradieren) und radiere an den Glanzstellen einzelne Striche aus. Anschließend gehe ich mit einem Kohlestift oder einem schwarzen Buntstift nochmals über die dunklen Stellen und schon bekommt der Kopf mehr Form.

An dieser Stelle ist es auch gut die dunklen Bereiche im Gesicht noch mehr herauszuholen. Durch die dunklen Haare weißt du jetzt, welcher der dunkelste Ton in der Zeichnung ist und kannst so den Kontrast im Gesicht anpassen.

Auch bei den Haaren zählen die Details: Selten sind Haare ganz glatt anliegend. Es wirkt viel realistischer, wenn du einzelne Haare einzeichnest, die vom Kopf abstehen.

Schritt 6: Sommersprossen und Kleidung

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Zum Schluss kümmere ich mich um Hals und Schultern, die in diesem Fall mit Kleidung bedeckt sind (was die Sache unheimlich erleichtert).

Als letzten Schritt habe ich Sommersprossen hinzugefügt. Hierbei solltest du keinesfalls ein regelmäßiges Muster erzeugen, sondern die Sommersprossen so willkürlich wie möglich verstreuen. Außerdem solltest du darauf achten, nicht zu dunkel zu werden und die Größe der Punkte zu variieren. Sommersprossen sind meistens weich begrenzt, also darfst du auf keinen Fall harte Konturen einzeichnen.

Bleib mit mir in Kontakt

Ich hoffe, dir hat die Anleitung zum Portrait zeichnen gefallen und du hast viel Spaß beim selbst Ausprobieren. Übung macht den Meister ☺

Wenn du dir gerne meine Arbeiten ansehen möchtest oder mir eine Nachricht schreiben willst, besuche mich doch auf meiner Website www.sabrillu.com oder auf meinem Instagram-Profil.

Ich würde mich freuen, von deinen ersten Versuchen beim Portrait zeichnen zu erfahren! 

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