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“Primavera” von Botticelli – Alles über den Renaissance-Klassiker

La Primavera BotticelliSandro Botticelli, La Primavera, um 1482/1487

La Primavera ist ein Meisterwerk der florentinischen Renaissance, das von der Familie Medici auf Botticellis künstlerischem Höhepunkt (1445-1510) in Auftrag gegeben wurde.

Geschichtlicher Kontext von Botticellis Primavera

Dieses komplexe, allegorische und mythologische Gemälde vereint die Eleganz der gotischen Kunst, die dekorative Schönheit der internationalen Gotik und die humanistische Erzählung der italienischen Renaissance. Es enthält zahlreiche Verweise auf klassische und zeitgenössische Literatur und sorgt für schier endlose Interpretationen von Wissenschaftlern und Kunsthistorikern.

Nach Angaben der Uffizien wurde es wahrscheinlich gemalt, um die Hochzeit von Lorenzo Medici und Semiramide Appiani zu feiern, die im Mai 1482 stattfand. Wie sein anderes Meisterwerk Die Geburt der Venus (1484-86) ist Primavera ein bedeutendes Gemälde der florentinischen Renaissance und zählt zu den beliebtesten Renaissance-Gemälden überhaupt.

Botticelli studierte bei Fra Filippo Lippi, dessen Stil der expressiven Interaktion zwischen den Figuren, kombiniert mit dekorativen Techniken aus der Spätgotik, in beiden Gemälden deutlich zu erkennen ist.

Ein weiterer Einfluss war Antonio Pollaiuolo, dessen neuer Stil der Modellierung der menschlichen Muskulatur empfindlicher auf die Anatomie und Proportion achtete.

Speziell für seinen Auftraggeber entwickelt

Als Botticelli mit La Primavera begann, war er gerade erst aus Rom zurückgekehrt, wo er für Papst Sixtus IV. eine Reihe von Fresken an den Wänden der Sixtinischen Kapelle vollendet hatte.

Der erfolgreiche Abschluss eines solch angesehenen Auftrags festigte seinen ohnehin schon hervorragenden Ruf und führte zu noch mehr Aufträgen aus der italienischen Oberschicht.

In dieser Zeit zwischen 1482-90 entstanden die meisten seiner allegorischen und mythologischen Werke (Pallas und der Zentaur, Venus und Mars, Die Geburt der Venus, La Primavera), die nicht für ein großes Publikum bestimmt waren, sondern in privaten Räumen installiert und speziell auf die Interessen ihrer Auftraggeber abgestimmt waren.

Botticellis Kunden gehörten zum Kreis der überaus wohlhabenden Medici-Familie und den nahestehenden florentinischen Humanisten, die für eine umfangreiche Bildungsreform eintraten und sich besonders für klassische Mythologie und das Studium der Antike interessierten.

Im Jahr 1919 wurde das Gemälde von der Uffizien-Galerie in Florenz erworben. Obwohl es im Jahr 1982 gründlich gereinigt und restauriert wurde, hat sich das Bild im Laufe der Jahrhunderte stark verdunkelt.

La Primavera: Elemente und Beschreibung

In La Primavera schuf Botticelli eine lebendige, dynamische Szene, die auf verschiedenen Quellen basiert, darunter Ovids Fasti, ein poetischer Kalender mit römischen Festspielen, und “De Rerum Natura”, ein philosophisches Gedicht des Dichters und Philosophen Titus Lucretius Carus (1. Jahrhundert v. Chr.).

Primavera ist eines der ersten bekannten Gemälde der Renaissance, das Götter und Göttinnen lebensgroß und nahezu nackt darstellt. Einige der Posen und Figuren stammen von griechischen Skulpturen, obwohl sie die zeitgenössische florentinische Ästhetik widerspiegeln, wie die leicht verlängerten Torsi und verbreiterten Bäuche zeigen.

Venus

Venus Primavera

Die Szene spielt im göttlichen Garten der Venus, der Göttin der Liebe, die in der Mitte des Bildes steht. In der Nähe tragen ihre Gefährtinnen – die drei Grazien – durchscheinend weiße Kleidung und Schmuck in den Farben der Medici-Familie.

Sie tanzen, während neben ihnen ganz links Merkur – der geflügelte Götterbote – einen Helm und ein Schwert trägt. Er ist außerdem durch seine geflügelten Schuhe und seinen charakteristischen Stab gekennzeichnet, mit dem er die drohenden Wolken verjagt.

Über dem Kopf der Venus lässt sich der Sohn der Venus, Amor, ausmachen. Seine Augen sind verbunden, während er seinen Pfeil auf die drei Grazien richtet.

Porträt einer jungen Frau Botticelli
Vermutlich: Sandro Botticelli, Porträt einer jungen Frau, um 1480 – 1485

Die Figur der Venus könnte nach dem Vorbild von Simonetta Vespucci, Frau von Marco Vespucci, entstanden sein. Gerüchten zufolge war sie die Geliebte von Giuliano de’ Medici, der selbst das Modell für Merkur gewesen sein soll.

Zephyr

Zephyr Darstellung Primavera

Am rechten Bildrand hat Botticelli zwei verschiedene Geschichten aus der klassischen Mythologie dargestellt. Beide betreffen Zephyr, den Gott des Windes, der mit aufgeblasenen Wangen abgebildet ist und nach der Nymphe Chloris greift.

In der ersten Sage verliebt sich Zephyr in Chloris, die er zu seiner Frau macht. In der zweiten Geschichte verwandelt Zephyr als Zeichen seiner Reue über sein Verhalten Chloris schließlich in Flora – Göttin der Blumen und des Frühlings. Laut Ovid schenkt er ihr auch einen wunderschönen Garten, gefüllt mit Blumen und Pflanzen, in dem ewiger Frühling herrscht.

Landschaft

Der Garten, den wir sehen, gehört allerdings der Venus, die ihre Hand hebt, um die Zuschauer in ihrem Königreich willkommen zu heißen. Ihre Eigentümerschaft wird durch die Myrte hinter ihr bestätigt, die eines ihrer Symbole ist.

Pflanzen Primavera

Aus ungeklärten Gründen malte Botticelli auf dem Bild erstaunliche 500 verschiedene Pflanzenarten, darunter etwa 190 verschiedene Blumen. Allein dieses Gestaltungselement ist seit Jahrzehnten Gegenstand der fachlichen Katalogisierung und Recherche.

Neoplatonische Liebe

Laut eines Experten könnte Primavera von Botticelli ein Symbol für neoplatonische Liebe sein. So wird die physische Liebe, die durch Zephyr symbolisiert wird, durch das zentrale Mitglied der Grazien aufgegeben, die Zephyr und Amor den Rücken kehrt und Merkur ansieht.

Pallas und der Zentaur
Sandro Botticelli, Pallas und der Zentaur, 1482

Der geflügelte Bote blickt selbst über die Leinwand hinaus auf das Gemälde Pallas und der Zentaur, das angeblich neben Primavera hing und den Sieg der Tugend über die Lust darstellt.

Wenn dem tatsächlich so ist, muss es auf einer höheren Ebene als Primavera aufgehängt worden sein, da der Blick des Merkurs auf die obere Ecke des Gartens gerichtet ist.

Botticellis allegorische Gemälde

Diese Bilder – Pallas und der Zentaur, Venus und Mars, Geburt der Venus und La Primavera, die größtenteils in den 1480er Jahren entstanden sind, bilden eine ungewöhnlich homogene Gruppe, sowohl in ihrem Erzählinhalt als auch im stilistischen Ausdruck.

Trotz zahlreicher wissenschaftlicher Versuche von Kunsthistorikern den komplizierten Figurensatz und andere Symbole in diesen Werken zu entschlüsseln, bleiben sie ein Geheimnis.

Ein Grund dafür ist, dass die Symbole eine hochkomplexe Mischung aus klassischer Mythologie und zeitgenössischen Textquellen sind. Für viele Wissenschaftler bedeuten Botticellis Gemälde eine lebenslange Auseinandersetzung.

Wissenswertes über Botticellis Primavera

  1. Primaveras Blumenmuster sieht aus wie das Muster eines flämischen Wandteppichs. Alle Details, Symmetrie, Farben und Motive lassen Primavera ähnlich wirken wie die damals beliebten flämischen Wandteppiche. Es wäre nicht ungewöhnlich, dass Botticelli durch die floralen Darstellungen inspiriert wurde, denn die Medici hatten damals einige Handelsbeziehungen in die Niederlande.
  2. Das Bild hat keinen offiziellen Titel. “Primavera” wurde erstmals von dem Kunsthistoriker Giorgio Vasari so bezeichnet, der das Gemälde 1550 in der Villa Castello in der Nähe von Florenz sah.
  3. Es besitzt monumentale Größe. Mit Maßen von 2,03 x 3,14 m ist es noch einmal ein Stück größer als Die Geburt der Venus. Diese Größe machte es Botticelli möglich, die Blumen in Primavera in aller Genauigkeit abzubilden.