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Raffaels verschollenes Meisterwerk: Das Porträt eines jungen Mannes

Portrait-eines-jungen-Mannes-Raffael-VerschollenHinweis: Bild mit KI erstellt

Raffaello Sanzio, genannt Raffael, ist der Maler eines der wertvollsten als verschollen geltenden Gemälde.

Das Porträt eines jungen Mannes gilt seit dem Zweiten Weltkrieg als verschollen. Das Gemälde wurde während der deutschen Besatzung Polens von den Nationalsozialisten beschlagnahmt. Häufig wird dabei die Gestapo genannt, wenngleich die genauen Umstände seines Verschwindens nicht eindeutig geklärt sind.

Im Folgenden findest du alle Informationen über das Gemälde und seinen vermuteten Verbleib. 

Entstehung des Gemäldes & Motiv

Raffael, Porträt eines jungen Mannes, 1514

Raffael, Porträt eines jungen Mannes, 1514

Das Porträt entstand vermutlich zwischen 1513 und 1514 und misst etwa 75 x 59 Zentimeter. Es wurde in Öl auf Holz gemalt, wobei Raffael sich seiner einzigartigen Unione-Maltechnik für sanfte Farbübergänge ohne harte Konturen bediente.

Das Bild zeigt einen jungen Mann aus der Oberschicht, der einen prächtigen Pelzmantel trägt. Durch ein Fenster auf der rechten Seite sieht der Betrachter eine Landschaft mit Bäumen, Stadtsilhouette und Kirchturm unter einem dunstigen Himmel.

  • Eine wichtige Anmerkung: Es existieren keine Farbfotografien des Gemäldes. Alle heute bekannten Farbversionen wurden nachträglich digital koloriert. Die tatsächlichen Farbtöne sind daher Gegenstand von Spekulationen.
Raffael, Portrait eines jungen Mannes, 1514, Schwarz:Weiß

Raffael, Portrait eines jungen Mannes, 1514, Schwarz/Weiß

Einige Vergleiche und Untersuchungen der Gesichtsstruktur des Dargestellten im Bildnis eines jungen Mannes wurden mit dem einzigen gesicherten Selbstbildnis Raffaels in seinem Fresko Die Schule von Athen angestellt.

Auch die Vermutung, dass Raffael die Wechselhaftigkeit zwischen den Geschlechtern bewusst durch das Ärmelbändchen und die Handauflage des Porträtierten ins Bild integriert hat, lässt sich anstellen. Insbesondere zur Entstehungszeit des Gemäldes galten solche Attribute als feminine Bildmotive, wie sie uns etwa auch im Porträt der Mona Lisa begegnen.

Selbstporträt Raffaels, aus: Die Schule von Athen

Selbstporträt Raffaels, aus: Die Schule von Athen

Die bewegte Historie des Porträt eines jungen Mannes

  • Zwischen 1798 und 1801 kaufte Fürst Adam Jerzy Czartoryski, Sohn der Fürstin Isabella Czartoyska, das Porträt eines jungen Mannes. Er brachte das Gemälde zusammen mit Leonardo da Vincis Dame mit Hermelin und verschiedenen Antiquitäten nach Polen. Das Porträt wurde im Privatmuseum der Prinzessin ausgestellt, das sich der Bewahrung von Kunstwerken widmet, die wichtige Ereignisse in der Geschichte Polens darstellen.
  • Während des Novemberaufstands 1830/31 musste das Gemälde mehrfach vor zaristischen Truppen versteckt werden. Nach einem Haftbefehl des Zaren floh der Fürst ins Pariser Exil und nahm das Gemälde mit ins Hôtel Lambert. Dort versuchte er erfolglos, das Raffael-Porträt zu verkaufen, um finanzielle Schwierigkeiten zu überwinden.
  • Nach seinem Tod 1861 erbte Władysław Czartoryski die Sammlung und überführte sie in das neu gegründete Czartoryski-Museum in Krakau.
  • Bei Ausbruch des Ersten Weltkriegs wurden die wertvollsten Stücke der Czartoryski-Sammlung zur sicheren Aufbewahrung an die Dresdner Gemäldegalerie ausgeliehen. Nach Kriegsende versuchte der Direktor der Galerie, Prof. Dr. Hans Posse, die Sammlung in Deutschland zu behalten, scheiterte jedoch. Die Gemälde kehrten in den frühen 1920er Jahren nach Krakau zurück.
  • Als Augustyn Jozef Czartoryski 1939 vom bevorstehenden Einmarsch der Nationalsozialisten erfuhr, rettete er verschiedene Kunstwerke aus dem Museum und versteckte sie in einer Privatresidenz in Sieniawa.
  • Leider waren seine Bemühungen vergeblich, denn die Kunstwerke wurden von der Gestapo entdeckt und beschlagnahmt. Drei gestohlene Kunstwerke, darunter Werke von Raffael, da Vinci und Rembrandt, schmückten das Haus von Hans Frank in Krakau, den Hitler zum Generalgouverneur des nicht annektierten Restes des ehemaligen polnischen Staates ernannt hatte.
  • Von dort gelangten die Kunstwerke nach Berlin und Dresden und schließlich nach Linz, wo sie in Hitlers Privatsammlung aufgenommen werden sollten. Frank brachte die Werke jedoch 1943 in die Residenz nach Krakau zurück, wo sie für seinen persönlichen Gebrauch im Wawel-Schloss verwendet wurden.
  • Im März 1944 rückte die Rote Armee vor. Hans Frank evakuierte die Sammlungen aus Krakau zum Schloss von Manfred von Richthofen in Sichów, dann weiter zum Schloss der Familie Wietersheim-Kramsta in Morawa. Die Sammlung traf dort am 20. Januar 1945 ein. Als der Evakuierungsbefehl für Niederschlesien kam, nahm Frank zwanzig Gemälde mit nach Bayern, darunter Leonardos und Rembrandts Werke.
  • Das Raffael-Porträt wurde vermutlich wegen seiner Größe nicht mitgenommen. Frank überließ die verbliebenen Werke den lokalen Besatzungsbehörden. Vier Tage später kamen Lastwagen, um die restlichen Kunstwerke nach Deutschland zu transportieren. Doch laut späteren Zeugenaussagen befand sich das Gemälde des jungen Mannes nicht auf diesem Transport. Was in diesen wichtigen Tagen mit dem Porträt geschah, bleibt ein Rätsel.

Theorien zum Verbleib des Gemäldes 

Verschiedene Theorien kursieren über das Schicksal des Gemäldes.

Einige Experten glauben, es befinde sich in einer unbekannten Privatsammlung in Deutschland, den USA, der Schweiz oder Russland. Gelegentlich tauchen Gerüchte über Sichtungen oder Verkäufe auf, doch keine wurde verifiziert.

Eine besonders bizarre Theorie stammt von Hans Franks eigenem Sohn, der behauptete, seine Mutter könnte das Gemälde gegen Butter bei einem Bauern eingetauscht haben.

Die naheliegendste Vermutung ist, dass das Werk in den letzten Kriegstagen zerstört wurde.

Wert des verschollenen Kunstwerks

Einige Kunsthistoriker gehen davon aus, dass der Wert des Gemäldes deutlich über 100 Millionen US-Dollar liegen, wenn es heute wiedergefunden und versteigert würde.

Neben den Werken, die im Kunstraub von Boston gestohlen wurden, zählt das Porträt von Raffael deshalb zu den wichtigsten und wertvollsten verschollenen Gemälden nach dem 2. Weltkrieg.

Lennart Balg
Der AutorLennart Balg
Als Gründer von Daskreativeuniversum teile ich mein Fachwissen im Bereich der Kunstgeschichte und meine Erfahrungen in der zeitgenössischen Kunst mit dir.

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