Malerei

Alles über das “Verdaccio” in der Öl- und Temperamalerei

VerdaccioMichelangelo, Die Madonna Manchester, um 1487

Der Begriff „Verdaccio“ ist in der Kunst, vor allem in der Öl- und Temperamalerei, weit verbreitet. Dennoch gibt es einige Unklarheiten, was das Verdaccio genau ist und wie es sich beispielsweise von dem französischen Begriff des „Grisaille“ unterscheidet.

In diesem Artikel erfährst du alle Infos, die du zu der vorbereitenden Maltechnik wissen musst.

Was versteht man unter dem Begriff Verdaccio?

Verdaccio ist ein italienischer Begriff für die grünlichen Untermalungen der italienischen Kunst der Frührenaissance. Der Begriff verde bedeutet grün auf Deutsch.

Bereits im Mittelalter, als religiöse Fresken und Temperamalereien weit verbreitet waren, trugen die Künstler häufig eine Verdaccio-Schicht als Untermalung auf.

Nachdem sie die Imprimatura gemalt hatten, trugen viele Künstler einen grünlichen Ton in der Untermalung auf, damit die Hautfarbe in ihren Motiven in den letzten Schichten realistischer erscheint.

Mit zunehmender Beliebtheit der Ölmalerei setzten die Künstler diese Technik auch in diesem Medium fort.

Aufgrund der Transparenz von Ölfarben wandert das Licht durch die oberen Farbschichten und wird zumindest teilweise von den unteren Schichten reflektiert.

Der grünliche Farbton ist eine ergänzende Farbe zu den warmen, rötlichen, erdfarbigen Pigmenten, die häufig zum Bemalen der Haut verwendet werden. Dadurch entsteht eine ausgewogenere und komplettere Farbharmonie. Eine solche Schicht ist auch nützlich, wenn man dunkelhäutige Motive malt.

Die Grau/Grüntöne verstärken die Schattenpartien der Haut und lassen sie lichtdurchlässiger erscheinen. Zum Beispiel kannst du auf diese Weise die Schatten in den Augenhöhlen oder unter dem Kieferknochen, die dünne Haut über den Venen oder die Handknochen naturalistischer malen.

Tradition und Herkunft der Technik

Die Tradition der Malerei mit Verdaccio hat ihren Ursprung bei den griechischen und byzantinischen Künstlern, die in den 1200er Jahren mit der Bemalung der Kirchen von Florenz beauftragt wurden.

Dieses Wissen wurde an die Florentiner weitergegeben. Berühmte Künstler dieser Zeit waren Cimabue, Giotto und Cennino Cennini. Ihre Fresken waren stark von der byzantinischen Kunst beeinflusst.

Cennini schrieb ein wertvolles Handbuch für Künstler und Handwerker, das Il Libro dell'Arte. In diesem Buch, das mit vielen praktischen Ratschlägen für die jungen Renaissance-Künstler gefüttert ist, erklärt er das Anmischen des Verdaccio.

"Mische einen Teil Schwarz, zwei Teile Ocker.", heißt es mit den Worten Cenninis.

In einem anderen Bericht in dem Werk schreibt er: "Mische ein Verdaccio aus Marsschwarz, dunklem Ocker, Rot und Kalkweiß. Als nächstes werden die Schatten mit terra-verde gemalt."

Unterschiede zwischen Grisaille und Verdaccio

Das Verdaccio ähnelt der französischen Grisaille-Technik, und man kann die Begriffe oft synonym verstehen. Aber im Allgemeinen versteht man unter der Grisaille eher eine Untermalung in Schwarz-Weiß (manchmal Sepia). Daher das Stammwort gris, was auf Französisch grau bedeutet, während das Verdaccio grünlich ist.

Manchmal wird das Verdaccio auch als Die Tote Schicht bezeichnet, weil das Gesicht des Subjekts geisterhaft grünlich gefärbt ist.

Es geht jedoch darum, einen Effekt von hellem Licht mit fast opaken Akzenten und Schatten zu erzielen.

Bekannte Werke mit Verdaccio-Untermalung

Anbetung der Könige aus dem Morgenland

Anbetung der Könige

Ein besonders bekanntes Beispiel der Technik aus der Renaissance ist Leonardo da Vincis Anbetung der Könige aus dem Morgenland, da das Gemälde unvollendet ist und die Untermalung deutlich preisgibt.

Mona Lisa

Mona Lisa Leonardo da Vinci Werke

Wenn man sich die Mona Lisa genauer ansieht, fällt auch hier diese Untermalung auf. Besonders die Schattierungen der Haut, die durch das Verdaccio so naturalistisch und zart erscheint, stechen bei der Darstellung hervor. 

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