Fotografie

Der ultimative Ratgeber zur Videografie

Videografie HeroFoto: kamonrat / Adobe Stock

Dieser Ratgeber zur Videografie soll sowohl Profis als auch Hobbyfotografen dabei unterstützen, ihre bereits vorhandene Ausrüstung zu nutzen und mit der Produktion hochwertiger Videos zu beginnen. 

Zunächst beginnen wir mit einigen Begriffen, die du so aus der Fotografie vielleicht nicht kennst, die aber in der Videografie eine große Rolle spielen. Darauf sehen wir 7 Dinge an, die ins Equipment eines jeden Videographers gehören. Abschließend klären wir, welche Fehler Fotografen und Nicht-Fotografen beim Einstieg in die Videografie häufig machen und wie du sie vermeidest.

Bedeutung der Videografie im neuen Zeitalter

Im Instagram-Zeitalter gibt es immer mehr Leute, die sich selbst "Fotograf" taufen, auch wenn sie noch nie eine richtige Kamera in der Hand gehalten haben. Aus diesem Grund wächst der Bedarf nach Diversifizierung und neuen Möglichkeiten, dem Kunden einen größeren Mehrwert zu liefern. 

Da der Werbemarkt immer umkämpfter wird, ist die Bedeutung des Bewegtbild auf einem Allzeithoch. Nicht nur Werbetreibende im Fernsehen, sondern beinahe jedes Unternehmen kann das Videoformat einsetzen, um ihre Markenbotschaft visuell ansprechend zu übermitteln.

Diese neue Berufssparte wird im Englischen auch "Videographer" bezeichnet. Im Deutschen wurde der Begriff beinahe wörtlich übersetzt - hierzulande spricht man von der Videografie.

Besonderheiten der Videografie

Drei Dinge, die du in der Videografie verstehen musst, werden in den folgenden Abschnitten erklärt:

  • Framerate
  • Belichtung
  • Farbe und Sättigung

Framerate

Wenn du die Spezifikationen einer Kamera liest, dass du auf Werte wie "24p, 30p, 60p, 60i" stoßen wirst. Aber was verbirgt sich eigentlich hinter diesen kryptischen Bezeichnungen?

Die Framerate bezeichnet die Frequenz, aus wie vielen Stillbildern pro Sekunde sich das Filmmaterial zusammensetzt. Eine Filmaufnahme mit 24p wird beispielsweise mit 24 einzelnen Bildern pro Sekunde wiedergegeben. Die Framerate hat großen Einfluss auf die Wirkung und Wahrnehmung beim Betrachter.

  • 24p: 24 Progressive Frames pro Sekunde. 24p eignet sich am besten für Kinofilme und ist seit vielen Jahren perfekt mit Webformaten kompatibel.
  • 30p: 30 Progressive Frames pro Sekunde. 30p wurde einige Jahre als beste Qualität in Internet-Videos eingestuft.
  • 60p: 60 Progressive Frames pro Sekunde. Dies imitiert die Sichtweise des menschlichen Auges und ist aufgrund der höheren Bildrate in gewisser Weise zum Standard geworden. Viele Filmemacher filmen ihre Werke in dieser Bildrate und passen die Rate n der Nachbearbeitung an.
  • 60i: 60 Interlaced Frames pro Sekunde. Beim Interlacing werden mehrere Datenzeilen miteinander vernetzt, was sich am besten für das Fernsehen eignet.

In den meisten Fällen empfiehlt es sich, den ganzen Tag über mit 24 oder 25p zu filmen. 24p wird vor allem bei amerikanischen Produktionen bevorzugt, 25p meist bei europäischen Filmen. Der Unterscheid ist allerdings kaum ersichtlich.

Die Belichtung ist wesentlich schwieriger zu meistern

Wenn du ein Video aufnimmst, musst du deine Belichtungen größtenteils konstant halten, sonst wird das Ergebnis nicht schön aussehen. Aus diesem Grund empfehlen wir, niemals im P- oder Automatikmodus zu filmen.

Du solltest dich auch mit der manuellen Blendeneinstellung auseinandersetzen, damit du alle Einstellungen manuell vornehmen kannst. Die Automatik-Einstellungen deiner Kamera werden in der Videografie gnadenlos scheitern, also mach dich darauf gefasst, dich mit den Einstellungsmöglichkeiten zu beschäftigen.

Einflüsse auf die Belichtung

Verschlusszeiten

Verschlusszeiten sind in erster Linie verantwortlich für die Belichtung. Nehmen wir an, du drehst mit einer Verschlusszeit von 1/15 während deine Framerate auf 24p eingestellt ist. In diesem Szenario würde die Kamera in einem Zeitraum von einer Sekunde 24 Bilder aufnehmen, die mit jeweils 1/15 Sekunde belichtet werden. Das Resultat wäre eine schlechte Belichtung deiner Szene. In der Videografie gilt die Faustregel, dass sie Verschlusszeit doppelt so lang sein sollte, wie die Framerate, um Bewegungen oder Rolling-Shutter-Probleme zu vermeiden. Eine bessere Einstellung wäre beispielsweise eine Verschlusszeit von 1/50 Sekunde bei einer Framerate von 24p.

Wie du weißt, bestätigen Ausnahmen die Regel. Mehr zu diesen Ausnahmen erfährst du später. Merke dir zusätzlich, dass du die Verschlusszeit während einer Szene nicht verändern solltest, da sich der Unterschied in der Belichtung stark auf die Szene auswirken wird.

Blendeneinstellung

In der Videografie werden die Blendeneinstellungen in erster Linie genutzt, um die Schärfentiefe zu regulieren. Zwar hat die Blende auch Einfluss auf die Belichtung, allerdings ist dieser im Bewegtbild zu vernachlässigen.

ISO-Wert

Der ISO-Wert bestimmt die Empfindlichkeit deiner Szene. Auch diese solltest Du nicht während deiner Aufnahme ändern. Je höher du mit der ISO gehst, desto stärker ist die Körnung deiner Aufnahme. Diese Körnung kann als Stilmittel eingesetzt werden, ist aber nur extrem mühsam in der Nachbearbeitung zu bereinigen, sofern es nicht von dir beabsichtigt war.

ND-Filter

Haida ND Filter

Ein sogenannter ND-Filter wird seit vielen Jahren in der Fotografie wie der Videografie gleichermaßen eingesetzt. Die Funktion des Filters besteht darin, die Belichtung auszubalancieren und noch mehr Licht herauszufiltern. Mit einem ND-Filter kannst du eine ausgewogenere Komposition erzeugen. Die Filter werden für jede moderne DSLR angeboten und können binnen Sekunden vor das Objektiv geklemmt werden. Mehr zu Filtern später in diesem Ratgeber.

Farbprofile

Die meisten digitalen Kameras besitzen eine Reihe von eingebauten Farbprofilen, die du auswählen kannst, um eine bestimmte Stimmung zu erzeugen. Standard, Porträt, Schwarz-Weiß sind nur drei der meist wesentlich umfangreicheren Profile.

Es empfiehlt sich grundsätzlich, in einem neutralen Farbprofil zu filmen, um in der Post Production die Filter deiner Wahl auf die Aufnahmen anwenden zu können. Die meisten Bearbeitungsprogramme bieten dir wesentlich feinere Farbeinstellungen, sodass du dich nicht mit den beschränkten und fixierten Einstellungen deiner Kamera zufriedengeben musst.

Falls deine Kamera ein Farbprofil im Repertoire hat, das exakt deinem Stil entspricht, kannst du es selbstverständlich direkt auswählen, um deinen Workflow um einen Schritt in der Nachbearbeitung zu verschlanken.


Das wichtigste Zubehör für die Videografie

Wenn du bereits als Fotograf arbeitest, wirst du schon den Löwenanteil an Ausrüstung besitzen, um den Übergang ins Bewegtbild zu schaffen.

1. Videokamera

Eine Videokamera ist das Herzstück deiner Ausrüstung. Welche Kamera du wählst, hängt von deinem Budget, der Art der Aufnahme und dem Medium ab, in dem du deine Aufnahmen zeigen willst (z.B. Web vs. TV).

Du kannst eine Doku mit verschiedensten Kameras drehen, die allesamt ihren Reiz haben. Teilweise sorgen sogar Smartphone-Aufnahmen für eine besondere Wirkung. Besser ist natürlich, wenn du die Kontrolle über die Einstellungen der Videokamera selbst in die Hand nehmen kannst, um stets die gewünschten Effekte zu erzielen.

2. Stabilisator

Bei der Aufnahme eines Videos oder eines Einzelbildes ist die Stabilisierung ein wesentlicher Aspekt, um eine klare und scharfe Aufnahme zu ermöglichen. Du brauchst ein hochwertiges Dreibeinstativ und idealerweise ein Schwebestativ, je nachdem, ob du dich während der Aufnahm bewegst.

3. Audio

Die meisten Online-Videos sind deshalb so unangenehm zu sehen, da sie eine schlechte Tonqualität haben. Das Mikrofon in deiner Kamera wird wohl für einen satten Sound nicht ausreichen. Besser ist ein Aufsteckmikrofon, dessen Richtcharakteristik sich gemäß der Umgebung einstellen lässt, um ausschließlich die gewünschten Tonergebnisse zu erzielen.

4. Beleuchtung

Neben den oben genannten Kameraeinstellungen, um die Belichtung wie gewünscht wiederzugeben, solltest du dir weitere Aufsätze zulegen, die an der Kamera montiert werden können.

Ein Kameralicht sollte dann eingesetzt werden, wenn die Szene es erfordert. Wären die Kontraste zu hoch, solltest du dein Licht aktivieren, um die Schatten zu verringern.

5. Zusatzakkus

Gerade in der Videografie entleeren sich die Kamerabatterien ziemlich schnell. 2 bis 3 Zusatzakkus werden dir dabei helfen, einen ganzen Drehtag zu überbrücken, ohne die Akkus laden zu müssen.

6. Speicherkarten

Mit zunehmender Auflösung steigt auch die Dateigröße der Aufnahme. Lege dir mehrere Speicherkarten zu, um durchgehend arbeiten zu können. Auf diese Weise kannst du auch die Aufnahmen auf der einen Speicherkarte auf die externe Festplatte oder Direkt auf deinen Laptop aufspielen, während du die Kamera im Einsatz hast.

7. Bearbeitungssoftware

Editing Software ist einen ganzen Artikel für sich wert und würde den Rahmen dieses Ratgebers sprengen. Um deine Aufnahmen nach deinen Vorstellungen bearbeiten zu können, brauchst du eine Software, die dir genau die Tools zur Hand gibt, die du dafür brauchst.


Die häufigsten Fehler beim Filmen

Wenn du dich nun mit deiner Kamera wohl genug fühlst, um die ersten Szenen technisch einwandfrei hinzubekommen, offenbaren sich ganz neue Schwierigkeiten, die du vielleicht in ähnlicher Form aus der Fotografie kennst.

1. Brennweiten und Objektive

Geringe Schärfentiefe

  Visualisierung einer geringen Schärfentiefe - Foto: Ligar / Wikipedia / CC BY-SA 3.0

Falls du direkt mit der Videografie starten willst, ohne vorher Erfahrungen in der Fotografie gesammelt zu haben, wirst du dich ein wenig mit verschiedenen Objektiven und deren Brennweiten auseinandersetzen müssen. 

Kürzere Brennweiten liefern dir eine größere Schärfentiefe und lassen weit entfernte Objektive näher erscheinen. Kurze Brennweiten sind dann gut geeignet, wenn du alle Objekte in deiner Aufnahme fokussieren willst. Auch bei Aufnahmen, in denen du die Kamera still halten musst, bist du mit einer Kurzbrennweite besser bedient, da die Verwackelung geringer ist als bei einer größeren Brennweite.

Längere Brennweiten, sogenannte Teleobjektive, sind dann die richtige Wahl, wenn du ein bestimmtes Objekt hervorheben willst. Das zentrale Motiv bleibt fokussiert, während der Hintergrund verschwommen wirkt.

2. Die berühmt berüchtigte Shaky-Cam

Shaky Cam ist der englische Begriff für eins der häufigsten Phänomene, mit denen neue Videografen zu kämpfen haben - mit der Verwicklung ihrer Aufnahmen. Einerseits musst du dich erst daran gewöhnen, die Kameraführung über ganze Szenen möglichst ruhig zu halten. Andererseits solltest du ein wenig Geld in en gutes Stativ investieren. Ein Schwebestativ wird deine Aufnahmen schon wesentlich wackelfreier hinbekommen. 

Zusammen mit ein wenig Übung in der Handhabung dener Kamera und du musst dich nicht mehr um die Shaky Cam sorgen.

3. Protagonisten mehr Platz in der Aufnahme gewähren

Je nachdem, auf welchem Medium du deine Aufnahmen abspielen wirst, kann deine Aufnahme beschnitten werden. Denke bei deinen Aufnahmen daher immer daran, das richtige Mittel zwischen zu viel und zu wenig Platz über den Köpfen der Akteure einzuhalten.

4. Behalte die Post Production im Hinterkopf

Je mehr Erfahrung du in der Videografie sammelst, desto intensiver wirst du schon während des Filmes an die Herausforderungen der Post Production denken. Fortgeschrittene Videographer machen sich im Vorhinein Gedanken, wie sie filmen müssen, um das meiste aus ihren Aufnahmen herauszuholen und nicht nur das herauszuholen, was die „Aufnahme hergibt“.

Auch das, was man in der Videografie „B-Roll“ nennt, rückt mit zunehmender Erfahrung stärker in den Vordergrund deiner Tätigkeit. Wie kannst du die Geschichte durch B-Roll-Aufnahmen, die zwar nicht notwendig wären, um die Geschichte zu erzählen, spannender machen? Je mehr zusätzliches Material du filmst, desto bessere Geschichten kannst du erfinden.

Dazu benötigst du einerseits ein technisches Verständnis, wie du die einzelnen Szenen in unterschiedlicher Wirkung filmen kannst, andererseits auch ein Verständnis für die Geschichte, um die richtigen Effekte und Aufnahmen passend zur Stimmung realisieren zu können. Auch eine Ahnung kultureller Normen und zwischenmenschlicher Interaktion sind Faktoren, die auf die Resultate in der B-Roll wirken.

5. Für szenische Vielfalt sorgen

Wahrscheinlich der häufigste Fehler überhaupt - sowohl in der Fotografie als auch in der Videografie - ist die fehlende Vielfalt deiner Aufnahmen. Während du in der Fotografie mit ähnlichen Bildern davonkommen kannst, solange sie in sich gut sind, ist Monotonie in der Vidografie ein massiver Minuspunkt.

Filmst du immer mit der gleichen Brennweite, hebst keine Objekte hervor, nutzt stets dieselbe Geschwindigkeit in den Aufnahmen, können die einzelnen Szenen noch so gut sein - das Ergebnis wird stinklangweilig. Das wäre so als würde jemand Hunderte gleiche Bilder nebeneinander kleben und sich dann wundern, wieso die Betrachter nicht vom Hocker gehauen werden.

Wenn du immer mit ähnlichen Einstellungen arbeiten willst, solltest du lieber Fotograf werden, dir eine Fixbrennweite kaufen und dir Lightroom anschaffen, um stets die gleichen Settings anzuwenden. Kann gut aussehen - ist auf Dauer aber die falsche Herangehensweise.

Du bist der Kommunikator, der mit seinen Aufnahmen etwas beim Betrachter auslösen will. Verschwende die kostbare Zeit der Betrachter nicht, indem du Szenen zeigst, die nicht mit deinem Ziel übereinstimmen. Die richtige Balance zwischen A-Roll und B-Roll ist entscheidend.

6. Hintergründe durchplanen

Ein weiterer Aspekt, mit dem Anfänger in der Videografie Schwierigkeiten haben, ist die Wahl der Hintergründe und der Kompositionen. Sieh dir für ein grundlegendes Kompositionsverständnis am besten diesen Ratgeber an, der dir die wichtigsten Regeln für künstlerische Kompositionen erklärt. Dieses Verständnis kannst du anschließend auch in das Videoformat übertragen.

Nicht alles kann so gut kalkuliert werden wie bei einem Foto oder einem Gemälde, in dem du die völlige gestalterische Freiheit hast, aber sobald du dafür sensibilisiert bist, kannst du hinsichtlich deiner Aufnahmen bessere Entscheidungen treffen.

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