Malerei

Die Eigenschaften der Farbfeldmalerei und ihre bekanntesten Künstler

FarbfeldmalereiFoto: Naotake Murayama / CC BY 2.0 / Flickr

Die Farbfeldmalerei entstand aus den Versuchen mehrerer Künstler der späten 1940er Jahren, eine moderne, mystische Kunst zu entwickeln. Auf der Suche nach einer Verbindung zu den ursprünglichen Emotionen, die in alten Mythen verankert sind, suchten sie nach einem neuen Stil, der jeden Aspekt einer Gegenständlichkeit aufheben würde.

Die Farbfeldmalerei markiert eine bedeutende Entwicklung in der abstrakten Malerei, da die Künstler in ihren Werken eine sich vom Hintergrund abhebende Form konsequent vermieden haben. Stattdessen sind Gestalt und Untergrund eins, und der als Farbfeld konzipierte Bildraum scheint sich über die Ränder der Leinwand hinaus zu erstrecken. Wenn du in der Nähe der Leinwand stehst, scheinen die Farben über dein Sichtfeld hinauszugehen, wie ein See oder ein Meer am Horizont.

Die Farbfeldmalerei verdankt Wassily Kandinsky in philosophischer Hinsicht viel, drückt aber nicht unbedingt die gleichen Farbassoziationen aus.

Die bekanntesten Farbfeldmaler sind Mark Rothko, Clyfford Still, Jules Olitski, Sam Gilliam, Helen Frankenthaler und Norman Lewis. 


Gemeinsamkeiten und Unterschiede von Farbfeldmalerei und Action Painting

Clyfford Still, Clyfford Still and Mark Rothko
  • Sie behandeln die Malfläche als "Sichtfeld" ohne einen zentralen Fokus. 
  • Sie betonen die Ebenheit des Malgrundes.
  • Sie beziehen sich nicht auf Objekte in der Natur.
  • Sie sind Ausdruck des emotionalen Geisteszustands des Künstlers.

Bei der Farbfeldmalerei geht es jedoch weniger um den Schaffensprozess, der das Herzstück der Action Painting ist. Bei ersterer steht die Spannung, die durch überlappende und interagierende Bereiche flacher Farbe entsteht, im Mittelpunkt des Bildkonzepts.

Diese Farbflächen können amorph oder eindeutig geometrisch sein. Die Spannungen zwischen ihnen sind der Inhalt. Es ist subtiler als das Action Painting.


Geschichte der Farbfeldmalerei

Rothko, Newman und Still bewegten sich in den späten 1940er Jahren alle unabhängig voneinander in Richtung einer Abstraktion des Farbfeldes. Still wird allgemein zugeschrieben, dass er es der erste war, der dies mit einer Reihe von Gemälden erreicht hat, die er 1947 ausstellte.

Im selben Jahr organisierte Newman für die Betty Parsons Gallery eine Ausstellung mit dem Titel The Ideographic Picture, in der Künstler wie Mark Rothko, Clyfford Still und Hans Hofmann zusammenkamen und auf die Entwicklung der jüngeren amerikanischen Kunst zu einem "modernen Gegenstück des primitiven Kunstimpulses" hinwiesen.

Newman war auf der Suche nach einer abstrakten Kunst, die alle figurativen oder quasi-gegenständlichen Motive beseitigen könnte. Eine abstrakte Form könnte ein "Vehikel für einen abstrakten Gedankenkomplex" sein, schrieb er in dem einflussreichen Katalogessay der Ausstellung. Dies wäre realer und präsenter als eine Form, die lediglich von der Natur oder einem Objekt abstrahiert wurde.

Die Wege, die Newman, Rothko und Still einschlugen, führten dazu, dass sich der Abstrakte Expressionismus Ende der 1940er Jahre in zwei unterschiedliche Tendenzen aufspaltete - Farbfeldmalerei und gestische Malerei. Erst in den 1950er Jahren wurde diese formale Spaltung von der Kunstwelt weitgehend anerkannt.


Konzepte und Stile der Farbfeldmalerei 

Farbfeldmalerei

Foto: Regan Vercruysse / CC BY 2.0 / Flickr

Obwohl Still, Rothko und Newman alle unterschiedliche Auffassungen über den Inhalt ihrer Arbeit entwickelten, brachte Newman in seinem Essay The Sublime is Now (1948) die bekannteste Interpretation hervor. Sie stützte sich auf die Ästhetik des 18. Jahrhunderts von Edmund Burke, dass nur das Erhabene einer Moderne angemessen sei, die von dem Terror des Krieges und der Bedrohung durch die Atombombe bestimmt sei.

Clement Greenberg war vielleicht der erste, der die Entstehung der Farbfeldmalerei identifizierte und förderte. In seinem Essay "American-Type Painting" von 1955 argumentierte er, dass der Stil eine Tendenz in der modernen Malerei vorantreibt, Farbe in großen Bereichen oder Feldern anzuwenden. Er hielt dies für besonders wichtig, da es zu dem zurückkehrte, was er als eine der wichtigsten Innovationen der Impressionisten betrachtete: Die Unterdrückung von Wertkontrasten (Kontraste von hellen und dunklen Farbtönen), um Bildtiefe und Volumen zu beschreiben.


Spätere Entwicklungen und Einfluss

Ende der 1950er Jahre begann eine neue Ära der Farbfeldmalerei. Inspiriert zum Teil von den Abstraktionen von Helen Frankenthaler und der Kritik von Greenberg, umfasste die neue Gruppe Künstler wie Kenneth Noland, Morris Louis und Jules Olitski. Diese Künstler waren in ihren Belangen formalistischer als die Abstrakten Expressionisten, oft unverschämt dekorativ und sicherlich weniger tiefgründig.

Indem sie Öl- und Acrylfarben auf ungrundierte Leinwände gossen, ließen Künstler wie Frankenthaler ihre Pigmente in die Leinwand eindringen und nicht darauf ruhen. Diese Technik gab ihren Gemälden eine einheitliche Farbgebung und eine flüchtige Verträumtheit.

Zu Beginn der 1960er Jahre gehörten Künstler, die Clement Greenberg als Nachmalerische Abstraktionisten (post-painterly abstraction) bezeichnete, zu den bedeutendsten Farbfeldmalern. Morris Louis schuf Arbeiten, die eine gewisse Symmetrie enthielten, die durch das Gießen von Farbe in breiten Streifen erreicht wurden. Kenneth Noland malte seine geometrischen Formen und begann mit vorgeformten Leinwänden zu experimentieren. 


Bekannte Bilder der Farbfeldmalerei

1957-D-Nr. 1 (1957)

Künstler: Clyfford Still

Früher gab es Meinungsverschiedenheiten darüber, welcher Künstler zum ersten Mal die Farbfeldabstraktion entwickelt hatte. Die meisten gehen davon aus, dass es Clyfford Still war, dem dies zuerst gelang.

In dieser exemplarischen Arbeit hat Still mit einem Spachtel Farbflächen aufgetragen, um einen Effekt zu erzielen, der an ein gewaltsames Zerreißen in der Natur erinnert. Typischerweise waren die Leinwände von Still mit kräftigen Erdfarben bestrichen.

No. 2, Green, Red and Blue (1953)

Künstler: Mark Rothko

Obwohl sich Rothko nie als Farbfeldmaler betrachtete, entspricht sein unverwechselbarer Ansatz dem Verständnis des Stils. Rothko betrachtete Farbe als ein bloßes Instrument, das einem größeren Zweck diente. Er glaubte, dass die Farbfelder spirituelle Ebenen waren, die unsere grundlegendsten menschlichen Emotionen erschließen konnten. 

Für Rothko weckte die Farbe Emotionen. Daher sollte jedes von Rothkos Werken je nach Betrachter unterschiedliche Bedeutungen hervorrufen. In der Zeit um 1953 benutzte Rothko noch hellere Töne, aber mit der Zeit wählte er vorwiegend dunkle Farbfelder aus Schwarzen, Blauen und Grauen Tönen.

Mountains and Sea (1952)

Künstler: Helen Frankenthaler

Helen Frankenthaler spielte eine entscheidende Rolle in der Entwicklung der Farbfeldmalerei. Irgendwann 1952 oder etwa um 1952 lud Clement Greenberg Morris Louis und Kenneth Noland zu einem Besuch in Frankenthalers Atelier ein, um ihre Technik der Bemalung unbehandelter Leinwände zu erleben.

Dieser bahnbrechende Moment markierte einen Wendepunkt für den Abstrakten Expressionismus, und bald vereinfachte diese neue Künstlergruppe den Malprozess, indem sie große Bänder einheitlicher Farbe auf die Leinwand auftrug, woraufhin diese Form der Malere in eine neue Ära eintrat.