Malerei

Jean-François Millet – Biografie, Kunstwerke und künstlerischer Einfluss

Jean-François Millet, Selbstbildnis, um 1850Jean-François Millet, Selbstbildnis, um 1850

Der französische Maler Jean-François Millet, dessen bescheidene Lebensweise in einem Gegensatz zu der Wirkung steht, die sein Werk auf viele andere Künstler hatte, sah in der körperlichen Arbeit Gottesfurcht und Tugendhaftigkeit.

Am bekanntesten für seine Gemälde von Bauern, die in ländlichen Landschaften schuften, kehrte er dem akademischen Stil seiner frühen künstlerischen Ausbildung den Rücken und gründete zusammen mit seinem Künstlerkollegen Théodore Rousseau die Schule von Barbizon in Frankreich.

Seine persönlichen Überzeugungen, sein Naturalismus und seine unromantische Bildsprache trugen dazu bei, eine Grundlage für spätere moderne Kunstbewegungen zu schaffen.

In dieser Jean-François Millet Biografie sehen wir uns seinen vielseitigen künstlerischen Werdegang an. Anschließend erhältst du eine Einschätzung seines Einflusses auf Künstler, die nach ihm kamen.


Biografie von Jean-François Millet

Jean-François Millet, Selbstporträt, 1845/46

Jean-François Millet, Selbstporträt, 1845/46

Kindheit

Millet war das zweite Kind von Jean-Louis-Nicolas und Aimee-Henriette-Adelaide Henry Millet, die Teil einer Großfamilie in der ländlichen Gemeinde Gruchy waren.

Jean-François besuchte die Schule, wo er Latein studierte und neben  französischen Autoren auch Denker der Antike wie Augustinus und Vergil las. Er lernte auch Aspekte des Landlebens kennen, da er lang auf dem Bauernhof seiner Familie arbeitete.

Frühe Erziehung und Ausbildung

Seine Familie erkannte sein zeichnerisches Talent und schickte ihn 1833 nach Cherbourg, um dort die Porträtmalerei zu lernen. Millets Studien bei dem Künstler Paul Dumouchel wurden durch den Tod seines Vaters 1835 unterbrochen.

Er musste nach Hause zurückkehren, um den Hof der Familie zu bewirtschaften, wie es der Brauch vom ältesten Sohn verlangte. Seine Grossmutter ermutigte ihn jedoch, an Zeichen Gottes zu glauben, und drängte ihn, zu seinem Kunststudium zurückzukehren.

Millet studierte weiter bei dem Künstler Lucien-Théophile Langlois, durch dessen Unterstützung er ein Stipendium an der École des Beaux-Arts erhielt. 1837, oft mittellos in Paris, war Millet auf der Suche nach Inspiration für seine eigenen künstlerischen Werke. Er besuchte den Louvre und fühlte sich besonders zu den Werken von Nicolas Poussin und Michelangelo Buonarroti hingezogen.

Millet begann sein Studium bei dem bekannten Historienmaler Paul Delarouche, wobei die Zusammenarbeit nicht lange glückte. Als Delarouche sich weigerte, seine Kandidatur für den Prix de Rome zu unterstützen, verließ Millet das Atelier des Künstlers.

Jean Francois Millet, Le perroquet de la religieuse, 1839-1840

Jean Francois Millet, Le perroquet de la religieuse, 1839-1840

Die frühen 1840er Jahre im Leben Millets waren von gelegentlichen künstlerischen Erfolgen, persönlichen Unruhen und dem Hin und Her zwischen dem ländlichen Leben in Cherbourg und der künstlerischen Welt in Paris geprägt.

Nachdem seine erste Einreichung 1839 abgelehnt worden war, nahm der Pariser Salon im folgenden Jahr eines seiner Porträts an.

Er heiratete 1841 Pauline-Virginie Ono, und das junge Paar zog nach Paris, wo er hoffte, ein erfolgreicher Porträtmaler zu werden. Als Ono 1844 an Tuberkulose starb und sein Werk vom Salon abgelehnt wurde, kehrte Millet wieder an den Hof der Familie zurück. 

Jean-François Millet, Bildnis der Pauline Ono, 1844

Jean-François Millet, Bildnis der Pauline Ono, 1844

Im Jahr 1845 begann Millet eine Beziehung mit Catherine Lemaire, einer jungen Frau, die als Hausangestellte arbeitete, und im folgenden Jahr wurde ihr erstes Kind geboren.

Beeinflusst durch das wiedererwachte Interesse an der Kunst des Rokoko und in der Hoffnung auf künstlerischen Erfolg begann er, Kompositionen im romantischen Stil zu malen. Das erotische Thema seines neuen Werkes und seine Verbindung zu Lemaire belastete seine Beziehung zu seiner religiösen Familie, und er zog mit Lemaire nach Le Havre und 1849 schließlich nach Paris.

In Paris freundete er sich mit den Künstlern Théodore Rousseau, Constant Troyon und Charles Jacque an, mit denen er später die Schule von Barbizon gründete. Millet bemühte sich weiterhin, seinen eigenen künstlerischen Stil zu entwickeln, während er immer noch in etablierten Stilen arbeitete.

Reifezeit

Angesichts des Ausbruchs der Cholera in Paris und der Unruhen der Februarrevolution von 1848 zog Millet mit seinen drei Kindern nach Barbizon, wo er zusammen mit seinen Künstlerfreunden die Schule von Barbizon etablierte. Seine Familie ließ sich in einem Bauernhaus nieder, das zu ihrem festen Wohnsitz wurde.

In seinen Briefen schrieb Millet oft über seine Krankheitsschübe und seine Geldsorgen. Freunde unterstützten ihn so gut sie konnten. Alfred Sensier, ein französischer Regierungsbeamter und späterer Biograph von Millet, erklärte sich 1850 bereit, Millets gesamtes Kunstmaterial zu übernehmen, die Millet gelegentlich mit Kunstwerken beglich.

Millets Vermieter errichtete auf dem Grundstück ein kleines scheunenartiges Gebäude, das als Atelier diente. In der Umgebung bewahrte Millet eine Sammlung von Lumpen und Kleidung auf, die er "sein Museum" nannte. Er behielt ihre einzigartigen Farben als Anregungen für seine Gemälde bei und mochte vor allem das Blau, das mit der Zeit fast zu einem Weiß verblasste.

1853 heiratete Millet Catherine Lemaire in einer standesamtlichen Trauung und sie bekamen neun Kinder. Millet lebte für den Rest seines Lebens in Barbizon. Seine Freundschaften bestanden vordergründig zu den Künstler, mit denen er dort lebte.

Millet war voller Widersprüche. Während er eine Reihe landwirtschaftlicher Geräte behielt und Künstlern demonstrierte, wie sie damit umzugehen hatten, beeindruckte er sie auch mit seiner Belesenheit, indem er Passagen von Shakespeare und anderen klassischen Autoren aus dem Gedächtnis rezitierte.

Er fuhr fort, Szenen ländlicher Arbeit zu malen. Auch in Amerika erregte sein Werk zunehmend mehr Aufmerksamkeit, da Hunt, der begonnen hatte, Millets Werk zu sammeln, es der Öffentlichkeit vorstellte und Millet begann, gelegentlich Aufträge zu erhalten.

Jean-Francois Millet, Las Glaneuses, 1857

Jean-Francois Millet, Las Glaneuses, 1857

Spätere Periode

Im Jahr 1867 stellte er neun Gemälde auf der Pariser Weltausstellung aus, und 1868 wurde Millet mit der französischen Ehrenlegion ausgezeichnet.

Doch erneut drohte der Ausbruch des französisch-preußischen Krieges, und er und seine Familie suchten Zuflucht in Cherbourg, wo er bis 1871 blieb und wo sich sein Werk auch auf die Landschaft zu konzentrieren begann.

Jean-François Millet, Die junge Hirtin, 1870-1873

Jean-François Millet, Die junge Hirtin, 1870-1873

Nach einer Zeit schwindender Gesundheit veranlasste Millet, dass der Pfarrer Katharina Lemaire und ihn auch kirchlich verheiratete, um ihr Erbrecht zu sichern und seiner Familie ein religiöses Begräbnis zu ermöglichen.

Er verstarb am 20. Januar 1875 in Barbizon.


Das Vermächtnis von Jean-François Millet

Der Einfluss von Millets Kunst ist sowohl in der Kunst- als auch in der Literaturwelt weitreichend. Impressionisten wie Georges Seurat bewunderten sein zeichnerisches Können und seine Darstellungen des Lichts.

Postimpressionistische Künstler wie Vincent van Gogh wurden von seinem Sujet und seiner expressionistischen Pinselführung beeinflusst. Van Gogh schuf sogar einige exakte Replikate von Millets Motiven in seinem eigenen Stil.

Millets Werk hat auch Fotografie und Film stark beeinflusst. Henri Cartier-Bresson, der sich intensiv mit seinen Gemälden und Zeichnungen beschäftigte, ließ sich nicht nur von ihm inspirieren, sondern gab diese Inspiration auch an andere Fotografen weiter.

Der bekannte amerikanische Schriftsteller Mark Twain schrieb das Stück Is He Dead?, in dem der Protagonist - der verarmte Millet - seinen eigenen Tod vortäuscht, um Ruhm zu erlangen und so den Wert seiner Gemälde zu erhöhen und ihn aus einem Leben der Armut zu befreien.