Petersdom nach Michelangelo Titelbild
ArchitekturSkulptur

Der Petersdom nach Michelangelo und welche Spuren er in und an der Basilika hinterlassen hat

Die Basilika Sankt Peter im Vatikan, im Deutschen häufig Petersdom genannt, ist eine italienische Kirche, die in der Renaissance im Vatikan gebaut wurde.

Der Bau der Basilika dauerte mehr als ein Jahrhundert und wurde von Donato Bramante, Giuliano da Sangallo, Fra Giocondo, Raffaello Sanzio da Urbino, Baldassare Peruzzi, Antonio da Sangallo und Michelangelo als Bauleiter und Architekt begleitet.

Michelangelos Beitrag zum Petersdom war am maßgeblichsten. Er war der einzige Architekt unter ihnen, dessen Pläne nach seinem Tod ohne wesentliche Änderungen fortgesetzt wurden.

In der katholischen Tradition wird angenommen, dass die Basilika auf der Grabstätte des Apostels Petrus erbaut wurde. Seit der frühchristlichen Zeit wurden Päpste in den Vatikanischen Grotten unter dem Petersdom begrab. Seit dem 4. Jahrhundert existiert auf dem Gelände eine Kirche. Es ist eine der vier großen Basiliken der Kirche, die sich alle in Rom befinden.

Die zwischen 1506 und 1626 erbaute Basilika Sankt Peter gilt als eine der bedeutendsten Kirchen der Welt und als eine der heiligsten Orte des Christentums.

Alt-St. Peter und der Petersdom

In der Antike wurde der heilige Petrus 64 n. Chr. auf Befehl von Kaiser Nero in Rom gekreuzigt. Einige Jahre nach seinem Tod wurde auf seiner vermuteten Grabstätte, die sich auf dem heutigen Vatikanhügel befindet, ein Schrein errichtet.

Jahrhunderte später (um 325 n. Chr.) ordnete Kaiser Konstantin I. den Bau einer Kirche auf dem dortigen Grab an. Die heute als Alt-St. Peter bekannte Kirche stand vom 4. bis 16. Jahrhundert, bevor an ihrer Stelle die Basilika gebaut wurde, heute im Deutschen meist bekannt als Petersdom.

Die alte Peterskirche stand viele Jahrhunderte lang und war ein wichtiges christliches Heiligtum. Im 15. Jahrhundert befand sich die alte Basilika in einem verwahrlosten Zustand.

Während der Herrschaft von Papst Nikolaus V. wurden Pläne für Sanierungen und Anpassungen an der alten Basilika vorgestellt. Zu diesem Zweck wurden umfangreiche Materialien in die Nähe der Kirche transportiert, darunter Steine aus dem alten römischen Kolosseum. Nicholas V. starb jedoch, als erst wenig am Altbau bearbeitet worden war und der Wiederaufbau nicht wie geplant verlief.

Etwa 50 Jahre später (im Jahr 1505) beschloss Papst Julius II., die alte Basilika niederzureißen und ein völlig neues Bauwerk an gleicher Stelle zu errichten. Einschließlich Papst Julius II. wurde der Bau der neuen Basilika im Laufe von 21 unterschiedlichen päpstlichen Amtszeiten fertiggestellt.

Michelangelo und der Petersdom

Für ein so prestigeträchtiges Projekt haben viele Architekten ihre Pläne für die neue Basilika vorgelegt. Einige dieser Entwürfe befinden sich noch heute in den Uffizien in Florenz. Das ausgewählte Design stammte von Donato Bramante. Sein Entwurf, der für die Renaissance-Architektur in Mailand und Rom bekannt war, sollte die Grundlage für die Entwürfe des Petersdoms von Michelangelo bilden.

Die Kuppel wurde zu einem der wichtigsten Aspekte der Gestaltung der Basilika. Jeder Architekt, der an der neuen Basilika arbeitete, forderte eine Kuppel, die mit der des alten römischen Pantheons und der Kathedrale von Florenz konkurrieren konnte.

Michelangelo Kuppel Petersdom

Die Gestaltung der Kuppel, die die Basilika überragen sollte, erforderte, dass sie von vier großen Säulen getragen wird, während die des Pantheons von einer durchgehenden Wand getragen wird.

Nachdem Papst Julius II. im Jahr 1513 starb, ersetzten Giuliano da Sangallo, Fra Giocondo und Raffaello Sanzio da Urbino (Raffael) Donato Bramante. 1515 waren Sangallo, Giocondo und Bramante gestorben, so dass Raffael die Arbeit fortsetzen konnte. Raffaels Entwurf sah eine große Erweiterung des Kirchenschiffes um fünf zusätzliche Buchten im Vergleich zu Bramantes ursprünglichem Plan vor. Die Basilika wäre bei dieser Ausführung wesentlich länger gewesen.

Nachdem auch Raffael 1520 starb, wurden seine Pläne von seinem Nachfolger Baldassare Peruzzi weitergeführt. Komplikationen wie die Sacco di Roma (Plünderung Roms) im Jahr 1527 führten dazu, dass auch dieser Plan bis zu Peruzzis Tod 1536 nicht umgesetzt worden war.

Antonio da Sangallo der Jüngere übernahm an dieser Stelle die Arbeit. Seine Hauptaufgabe war es, die Konstruktionen von Bramante zu stärken, da sie mit der Zeit schwächer geworden waren. Sangallo kombinierte Aspekte der bisherigen Pläne und gestaltete ein eigenes, eleganteres Design. Die Verkürzung des Kirchenschiffs und damit die Anpassung von Raffaels Plan war ein großer Bestandteil seines eigenen Entwurfs.

10 Jahre nach dem Tod Raffaels starb auch Sangallo der Jüngere. Seine Entwürfe für die Finalisierung des Petersdoms wurden nicht umgesetzt, doch hatte seine Arbeit eine wichtige Rolle bei der Instandhaltung der vorherigen Länge gespielt.

Der Petersdom nach Michelangelo

Nach dem Tod eines weiteren Architekten war Michelangelo nicht die erste Wahl des amtierenden Papstes Paul III., dessen bevorzugter Architekt Giulio Romano Ende 1546 gestorben war. Jacopo Sansovino wurde ebenfalls gefragt, aber er weigerte sich, Venedig zu verlassen, um in Rom zu arbeiten.

Nach diesen Komplikationen wurde Michelangelo unter Druck gesetzt, den Job zu übernehmen. In seinen Schriften fand man später eine Aufzeichnung, die sagte:

Ich tue dies nur aus Liebe zu Gott und zu Ehren des Apostels.

Michelangelo übernahm die architektonische Leitung des Petersdoms nur unter dem Vorbehalt, das Projekt nach eigenem Ermessen durchführen zu können. Mit dieser künstlerischen Freiheit machten ihn seine Entwürfe und deren Umsetzung zum wichtigsten Architekten der Basilika, wie sie bis heute existiert.

Als er die Rolle des Bauleiters (Capomaestro) übernahm, hatte Michelangelo Zugang zu allen früheren Entwürfen für die neue Basilika. Alle bisherigen Architekten hatten sich für eine große Kuppel über einem griechischen oder lateinischen Kreuz ausgesprochen.

Petersdom nach Michelangelo - Grundriss

Grundriss: Petersdom nach Michelangelo

Der Wunsch nach einer großen Kuppel war sowohl vom alten Rom als auch vom Italien der Renaissance inspiriert. Wesentlich aktueller als das Pantheon der Antike, hatte Filippo Brunelleschi 1436 die mächtige Kuppel des Doms von Florenz erbaut. Brunelleschi war einer der Wegbereiter der Renaissance. Die Pracht der Kuppel von Brunelleschi galt als das Maß aller Dinge und wurde von vielen Architekten ihrer Zeit bewundert.

Die Vorstellungen der früheren Architekten und seine eigenen verschmolzen zu einem visionären Entwurf, der die Unverwechselbarkeit des ursprünglichen Entwurfs von Bramante und aller späteren Pläne zusammenführte. Der Petersdom nach Michelangelo sollte an der Ostseite mit einer monumentalen Kuppel realisiert werden.

Sie gilt als Mittelpunkt des Werkes von Michelangelo und ist sein bedeutendster Beitrag zur einzigartigen Architektur der Basilika. Noch heute ist die Kuppel weltweit die höchste ihrer Art. Zu Lebzeiten konnte Michelangelo allerdings nur noch den Bau der Basis der Kuppel aufsehen.

Innenseite der Kuppel des Petersdoms

Innenseite der Kuppel des Petersdoms

Im Alter von 88 Jahren starb Michelangelo im Jahr 1564. Im Gegensatz zu den früheren Architekten, die an der neuen Basilika arbeiteten, sollte der Petersdom nach Michelangelo unverändert fortgesetzt werden. Sein Assistent Jacopo Barozzi da Vignola wurde beauftragt, die Arbeit an seiner statt fortzusetzen. Der amtierende Papst Pius V. beauftragte Giorgio Vasari mit der Einhaltung der Vorgaben von Michelangelo.

Die Arbeiten verliefen jedoch nur schleppend, woraufhin Papst Sixtus beschloss, Giacomo Della Porta mit der Beaufsichtigung des Fertigstellungsprozesses im Jahr 1585 zu betrauen. Die Geschwindigkeit des Baus nahm stark zu, obwohl Sixtus nur für kurze Zeit Papst war.

Michelangelo hatte eine Reihe von Skizzen sowohl von grundsätzlichen als auch von kleinsten Details hinterlassen. Porta hielt sich weitgehend an das, wie der Petersdom nach Michelangelo vorgegeben wurde, wobei die meisten Änderungen eher kosmetischer Natur waren. Die einzige wesentliche Änderung, die Porta zu bewältigen hatte, war das Aufrichten der äußeren Kuppel über der inneren.

Es ist nicht bekannt, ob die Halbkugelform der Kuppel die ursprüngliche Absicht von Michelangelo war oder ob sie auf Veranlassung von Porta von einer ovalen Kuppel abgeändert wurde. Skizzen und Modelle aus der Zeit der Konstruktion zeigen gemischte Abbildungen der Kuppel. Die Kuppel wurde 1590 fertiggestellt, wobei es noch einige Jahre dauern würde, bis die komplette Basilika fertiggestellt wurde. Nach mehr als einem Jahrhundert endete der Bau im 16. Jahrhundert und die Neue Peterskirche wurde im Jahre 1626 eingeweiht.

Michelangelos Vermächtnis im Petersdom

Michelangelo ist vielleicht der berühmteste Künstler der späten Renaissance, der für viele Kunstwerke in der Sixtinischen Kapelle, der Laurentinischen Bibliothek und dem Petersdom verantwortlich ist. 

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    Vor seinen Arbeiten an der Neuen Peterskirche beauftragte ihn der Papst Julius II. mit der Bemalung der Decke der Sixtinischen Kapelle. Die Decke zeigt Szenen aus dem Buch Genesis im Alten Testament. Um die hohe Decke zu streichen, musste Michelangelo sein eigenes Gerüst entwerfen. Ein Fresko wird meist auf feuchten Gips gemalt, der das Gemälde verewigt, sobald er trocknet. Das bedeutet, dass eine zügige Bemalung der einzelnen Flächen notwendig ist.
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    In der Sixtinischen Kapelle befindet sich auch das Jüngste Gericht, das die Altarwand bedeckt. Michelangelo malte das Jüngste Gericht 25 Jahre nachdem er die Decke der Sixtinischen Kapelle vollendete. Gemeinsam mit dem Deckenfresko ist diese Arbeit wohl ausschlaggebend dafür, dass der gesamte Petersdom nach Michelangelo gestaltet werden konnte. Der Vatikan war von seiner Malerei so angetan, dass sie auch seinem architektonischen Geschick vertrauten.
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    Michelangelos berühmteste Skulpturen sind seine Pietà und sein David. Pietà stellt Jesus nach seiner Kreuzigung mit der Jungfrau Maria dar. Die Pietà von Michelangelo wurde im Petersdom aufgestellt und ist dort bis heute zu sehen. Es ist das einzige Kunstwerk, das Michelangelo persönlich signiert hat.
Der Petersdom nach Michelangelo und welche Spuren er in und an der Basilika hinterlassen hat

Foto: Sergey Podlesnov / Shutterstock

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    Die Kuppel des Petersdoms wurde nach Michelangelo gestaltet. Sie ist die höchste ihrer Art in der Welt. Er erlebte die Fertigstellung nicht mehr, die 1590 von Giacomo Della Porta und Domenico Fontana überwacht wurde. Aber während seines Lebens arbeitete er die Baupläne aus, nach dessen Vorstellungen sie umgesetzt wurden. Das Werk von Michelangelo prägte Kunst und Architektur über Jahrhunderte nach seinem Tod. Der Petersdom inspirierte die Kuppeln des Kapitolgebäudes in Washinton D.C. und der Saint Paul's Cathedral in London.