Skulptur

Der Raub der Sabinerinnen von Giambologna – Das Renaissance-Meisterwerk im Detail

Der Raub der Sabinerinnen von GiambolognaFoto: Thermos / Wikipedia / CC BY-SA 2.5

Der Raub der Sabinnerinenn von Giambologna wurde aus einem einzigen Felsblock gehauen und ist zweifellos eine der bedeutendsten Skulpturen in der Geschichte der Bildhauerei.

Die Statue, die gleichermaßen als technisches wie kreatives Meisterwerk gilt, verbindet die klassischen Akte der griechischen Skulptur mit der Lebendigkeit des Manierismus.

Obwohl sie als Werk der römischen Mythologie nicht Teil der religiösen Kunst der Gegenreformation war, drückt Der Raub der Sabinerinnen die tiefgreifenden Unsicherheiten des späten 16. Jahrhunderts perfekt aus. Damit steht sie ganz im Gegensatz zu dem ruhigen Bewusstsein, das die Hochrenaissance-Skulptur von Michelangelos David (1504) ausstrahlt. Auf unterschiedlichste Weise stellen diese beiden Werke das Beste der Renaissance-Bildhauerei des 16. Jahrhunderts dar.

Der Raub der Sabinerinnen befindet sich heute in der Loggia dei Lanzi auf der Piazza della Signoria in Florenz.

Loggia dei Lanzi

Loggia dei Lanzi in Florenz | Foto: Wknight94 / Wikipedia

Einordnung der Skulptur in den historischen Kontext

1563 wurde Giambologna zum Mitglied der renommierten Kunstakademie von Florenz gewählt, wo er unter dem Herzog Cosimo I. de' Medici und Francesco I. de' Medici zum wichtigsten Hofbildhauer der Medici-Familie wurde.

Sein erstes Meisterwerk schuf er jedoch für die Stadt Bologna, nachdem ihm Papst Pius IV. den Auftrag für die riesige Bronzeskulptur des Neptuns für den Brunnen des Neptuns erteilt hatte. 

Neptunbrunnen Bologna

Neptunbrunnen in Bologna | Foto: Biopresto / Wikipedia

Der Auftrag für den Raub der Sabinerinnen begann im Jahr 1579, als Giambologna einen riesigen Marmorblock angeboten bekam, aus dem eine komplexe Figurenkonstellation geformt werden sollte.

An den vorbereitenden Bronzen für das Werk erkennen wir, dass der Künstler ursprünglich beabsichtigt hatte, lediglich zwei Figuren aus dem Stein zu hauen. Die sich im Victoria and Albert Museum in London befindlichen Wachsmodelle lassen erahnen, dass er sich kurz darauf für ein Arrangement mit drei Figuren entschied. Das Gipsmodell für das finale Werk kann heute in der Galleria dell'Accademia in Florenz besichtigt werden.

Darin geht es in der Sage

Jacques-Louis David, Die Sabinerinnen, 1799

Jacques-Louis David, Die Sabinerinnen, 1799

Das eigentliche Thema der fertigen Statue wurde erst kurz vor ihrer Einweihung in der Loggia dei Lanzi im Zentrum von Florenz bestimmt. Damals entschied sich Giambologna schließlich, den Mythos des Raub der Sabinerinnen zu veranschaulichen.

In der Geschichte aus der frührömischen Mythologie, als Romulus und seine männlichen Anhänger ungeduldig nach Frauen suchten, mit denen sie Familien gründen konnten, um den römischen Stadtstaat zu festigen. Der dortige Stamm der Sabiner weigerte sich, ihren Frauen zu erlauben, jemanden aus Rom zu heiraten, weshalb die Römer ein Festival zu Ehren des Neptuns veranstalteten. Sie luden ihre Sabiner Nachbarn ein und rissen auf ein bestimmtes Signal hin zahlreiche Sabinerinnen an sich, während sie sich gegen ihre Männer wehrten.

Beschreibung von Der Raub der Sabinerinnen von Giambologna

Der Raub der Sabinerinnen von Giambologna in Florenz

Foto: Arnold Paul / Wikipedia

Die Skulptur von Giambologna ist 4,1 Meter hoch und besteht aus einem einzigen Marmorblock. Sie zeigt drei Figuren:

An der Basis kniet ein älterer bärtiger nackter Mann auf dem Boden, sein linker Arm hebt sich zur Verteidigung. Ein jüngerer nackter Mann, der auf dem knienden Mann steht, hält eine kämpfende nackte Frau in seinen Armen. 

Der kniende Mann repräsentiert den schwachen älteren Ehemann der jungen Sabinerin, die von dem jungen Römer entführt wird. Alle drei sind in ihrer Gesamtheit miteinander verflochten, durch Körperkontakt und durch Blickkontakt miteinander.

 Der Eindruck einer sich windenden Bewegung wird durch die ausgestreckten Arme der Frau erzeugt und setzt sich durch die muskulöse Gestalt des jungen Entführers fort. Die Verwendung von übertriebenen Gesten und die Fähigkeit, ein Gefühl von intensiver Energie zu vermitteln, prägen den bildhauerischen Stil des Manierismus.

Die dynamische Bildkomposition schlängelt sich in einer verdrehten Figura serpentinata nach oben, ohne dabei eine klare Frontalperspektive zu offenbaren. Dies ist eines der einzigartigen Attribute der Statue - sie bietet mehrere Ansichten, und ihre Wirkung ändert sich mit der Position des Betrachters.

Künstlerisches Vermächtnis von Giambologna

Giambologna, der heute als einer der wichtigsten und talentiertesten Bildhauer aller Zeiten gilt, erlangte zu seinen Lebzeiten durch seine dynamische Bronze- und Steinskulptur im manieristischen Stil einen großen Ruhm. 
Er beeinflusste sowohl Gianlorenzo Bernini und seinen Rivalen Alessandro Algardi als auch den florentinischen Bronzebildhauer Pietro Tacca, der Giambolognas Werkstatt fortsetzte.

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