Malerei

Pieter Bruegel der Ältere – Biografie, bedeutende Werke und künstlerischer Einfluss

Edme de Boulonois, Posthumes Porträt von Pieter Bruegel dem Älteren, 1582Edme de Boulonois, Posthumes Porträt von Pieter Bruegel dem Älteren, 1582

Pieter Bruegel der Ältere (geboren um 1525, gestorben am 5./9. September 1569) war der wohl bedeutendste flämische Maler des 16. Jahrhunderts, dessen Landschaften und energische, oft witzige Szenen aus dem bäuerlichen Leben besonders bekannt sind.

Da Bruegel viele seiner Werke signiert und datiert hat, lässt sich seine künstlerische Entwicklung für einen Künstler seiner Zeit außerordentlich gut nachverfolgen. Er übte einen starken Einfluss auf die Malerei der Niederlanden aus.

Sein künstlerischer Einfluss wurde auch durch seine Söhne Jan und Pieter in die nächsten Generationen fortgetragen.

Errungenschaften und Kernideen

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    Bruegels markantester stilistischer Beitrag zur Kunstgeschichte war eine Form der erzählerischen Komposition, in der eine weitläufige Landschaft mit Figuren gefüllt wird, die sich über die Leinwand gruppieren und verschiedene Schwerpunkte bilden. Diese Herangehensweise, die an die surrealen Landschaften seines Landsmannes Hieronymus Bosch erinnert, unterschied Bruegel von vielen Künstlern der Renaissance, die visuell harmonischere Kompositionen bevorzugten.
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    Entsprechend seiner Vorliebe für große Gruppenkompositionen schuf Bruegel eine Reihe von Historienbildern, in denen die Aufmerksamkeit auf das alltägliche Leben gelenkt wird. In seiner Landschaft mit dem Sturz des Ikarus weisen nur die im Wasser versinkenden Beine auf den tragischen Untergang des Helden hin. Dies stellt eine Abkehr von der in der Kunst der Renaissance üblichen Konzentration auf Heldendarstellungen dar und deutet auf eine Sympathie für das Schicksal der gesamten Bevölkerung.
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    Bruegel war ein Pionier dessen, was später als "Genremalerei" bekannt wurde. Szenen aus dem Arbeitsalltag, die mit Ehrlichkeit, Einfühlungsvermögen und teilweise mit Humor eingefangen wurden. In den kommenden Jahrhunderten, vor allem durch das Werk niederländischer Künstler des folgenden Jahrhunderts, wird diese Konzentration auf das Alltagsleben zur Grundlage des künstlerischen Ethos, der als Realismus bekannt ist.

Bücher über Pieter Bruegel dem Älteren


Biografie von Pieter Bruegel dem Älteren

Kindheit

Obwohl er als einer der größten Künstler der nördlichen Renaissance gilt, gibt es nur wenige Informationen über die Kindheit von Pieter Bruegel.

Sicher ist nur, dass er zwischen 1525 und 1530 als Pieter Brueghel in einer bäuerlichen Familie in oder in der Nähe von Breda in den Niederlanden geboren wurde.

Künstlerische Ausbildung

Bruegels frühe künstlerische Ausbildung bestand aus einer Lehrzeit bei dem flämischen Künstler Pieter Coecke van Aelst. Nach dem Tod van Aelsts 1550 zog Bruegel nach Antwerpen, wo er seinen ersten Auftrag erhielt.

Bruegels künstlerische Laufbahn allerdings erst so richtig im folgenden Jahr 1551, als er Mitglied der Lukasgilde in Antwerpen wurde.

Frühwerk

1552 verließ Bruegel Antwerpen für eine Mal- und Studienreise durch Italien. Obwohl er nicht stark vom Stil der italienischen Renaissance beeinflusst war, sollte die Landschaft, die er besuchte, einen großen Einfluss auf den jungen Künstler haben, der durch seine Landschaftsbilder bekannt werden sollte. Von besonderer Bedeutung waren die Schweizer Alpen, die Bruegel auf seiner Heimreise überquerte.

Nach seiner Rückkehr nach Antwerpen 1555 begann Bruegel als Graveur für den niederländischen Künstler und Verleger Hieronymus Cock zu arbeiten. Die Stiche, die Bruegel anfertigte, beinhalteten oft humorvolle Themen und Motive, was ihm den Namen "Pieterde Drol" (der Drollige) einbrachte. 

Die komplexen und phantastischen Szenen, die Brueghel in seinen Stichen und Gemälden seines mittleren Werks darstellte, führten zu Vergleichen mit dem berühmten niederländischen Maler Hieronymus Bosch. Hieronymus Cock machte sich diesen Ruf zunutze und verkaufte einen relativ unbekannten Bruegel-Stich als ein Original von Hieronymus Bosch, um einen besseren Preis zu erzielen.

Mittleres Werk und künstlerische Reife

Obwohl er vor allem für seine Gemälde bekannt ist, machte sich Bruegel erst relativ spät in seiner Karriere, ab etwa 1557, dieses Medium zu eigen. Zu diesem Zeitpunkt entwickelte er eine unverkennbare künstlerische Komposition, die es ihm erlaubte, Vergleiche mit früheren Alten Meister wie Bosch zu vermeiden und seinen Status als bedeutender und gefragter Künstler zu sichern.

Es folgten zahlreiche Aufträge, vor allem von wohlhabenden Händlern und Kirchenmitgliedern, die ihn zu einem bedeutenden und gefragten Künstler machten.

Im Jahr 1563 heiratet Bruegel Mayken Coecke, die Tochter seines früheren Lehrmeisters Pieter Coecke van Aelst. Zwischen den beiden, dem Künstler in seinen Dreißigern und seiner Braut - die er seit ihrer Kindheit kannte - nur achtzehn Jahre alt, bestand ein erheblicher Altersunterschied.

Trotz ihrer steinigen Anfänge markierte Bruegels Heirat den Beginn einer Künstlerdynastie, die die beiden Künstlersöhne des Paares, Pieter, später bekannt als Pieter Brueghel der Jüngere, geboren 1564, und Jan Brueghel der Ältere, geboren 1568, hervorbrachte.

Der junge Pieter schuf in der Folge viele Kopien der Gemälde seines Vaters, was dazu beitrug, ihren internationalen Ruf lange nach dem Tod des älteren Bruegel zu sichern, aber auch Zweifel daran aufkommen ließ, ob bestimmte Kompositionen das Werk von Vater oder Sohn waren.

Spätwerk

In seinem Spätwerk schuf Bruegel neben seinen vielen Landschaftsgemälden auch verschiedene Werke, die religiöse Geschichten und Szenen aus dem täglichen Leben darstellten. Letztere erwiesen sich als bedeutender und einflussreicher und lösten eine jahrhundertelange kunsthistorische Debatte über die beabsichtigte Botschaft bestimmter Werke aus. 

Die Tatsache, dass Bruegel in politisch unruhigen Zeiten lebte, hat auch die Spekulationen über die Interpretation seines Werkes verstärkt. Mitte des 15. Jahrhunderts bestanden die heutigen Niederlande zusammen mit Belgien und Luxemburg aus einer Reihe von Provinzen unter der Herrschaft der habsburgischen Dynastie.

Im Jahr 1556 ging der Besitz der Gebiete an König Phillip II. von Spanien über, der versuchte, eine strengere Form der katholischen Herrschaft durchzusetzen, indem er den Herzog von Alba entsandte, um in Brüssel einen Militärfeldzug zur Niederschlagung der protestantischen Rebellion zu führen. Manche Kunsthistoriker nehmen an, dass Bruegels konsequente Meidung der Ikonographie katholischer Heiliger trotz des schwerpunktmäßigen religiösen Schwerpunkts seines Werks als heimliche Ablehnung der blutrünstigen Aktionen der Gegenreformation angesehen werden. 

Über die Umstände von Bruegels Tod ist wenig bekannt, obwohl der Stadtrat von Brüssel ihn 1569, in seinem letzten Lebensjahr, von der Verpflichtung entband, mit einer Wache der in seinem Haus stationierten spanischen Soldaten zusammenzuarbeiten, was darauf hindeutet, dass der politisch subversive Inhalt seines Werkes verstanden wurde.

Aus diesem Jahr gibt es keine Gemälde, die darauf hinweisen, dass Bruegel an einer Krankheit gestorben ist, aber es ist nicht auszuschließen, dass es eine düsterere Erklärung gibt.

Auf jeden Fall muss Bruegels relativ frühes Ableben, selbst für die Zeit, in der er lebte, als eine der Tragödien der Kunstgeschichte der Renaissance bezeichnet werden.


Künstlerisches Vermächtnis von Pieter Bruegel dem Älteren

Pieter Bruegel hat zu Lebzeiten einen bedeutenden Bruch mit dem italienischen Renaissancestil vollzogen, indem er Werke schuf, die sich auf die Landschaft und das zeitgenössische Leben konzentrierten und nicht auf die antiken mythologischen Erzählungen, die von den italienischen Meistern des vergangenen Jahrhunderts bevorzugt wurden.

Auf diese Weise trug er dazu bei, dass sich die Kunst der Renaissance in Nordeuropa in ihrer eigenen, einzigartigen Richtung entfalten konnte.

Bruegels Gemälde haben eine Reihe von Entwicklungen in der modernen Kunst beeinflusst.

Bruegels Entscheidung, gewöhnliche Menschen darzustellen, die sich mit Alltagsszenen des häuslichen Lebens beschäftigen, ebnete den Weg für die niederländischen Maler des Goldenen Zeitalters des folgenden Jahrhunderts und nahm auch den sozial orientierten Realismus und Naturalismus des 19. Jhdts. vorweg. 

Künstler, die als von Bruegel dem Älteren beeinflusst bezeichnet werden können, sind Gustave Courbet und Jean-François Millet.


Bedeutende Werke von Pieter Bruegel d. Ä.

Landschaft mit dem Sturz des Ikarus, 1558

Pieter Bruegel der Ältere, Landschaft mit dem Sturz des Ikarus, 1558

Pieter Bruegel der Ältere, Landschaft mit dem Sturz des Ikarus, 1558

Wie die mythologische Sage berichtet, planten Ikarus und sein Vater Dädalus die Flucht aus Kreta, woraufhin sie einen Plan ausarbeiteten, der den Bau selbstgemachter Flügel aus Federn und Wachs vorsah. Doch Dädalus warnt Ikarus, dass die von ihm geschaffenen Flügel nicht robust genug sind, wenn er zu nah an der Sonne fliegt. Ikarus, der die Worte seines Vaters ignoriert, stürzt ins Wasser, woraufhin nur noch seine Beine in dem Kunswerk zu sehen sind.

Doch während die Sage dies als tragisches Ereignis bezeichnet, scheinen die Personen in Bruegels Gemälde den Sturz eher passiv hinzunehmen, während sie mit ihrem Alltag fortfahren.

Im Laufe der Jahre wurde die Zuschreibung des Gemäldes zu Pieter Bruegel dem Älteren mehrfach angezweifelt. Einige Untersuchungen kamen zu konträren Ergebnissen, sodass nicht gesichert ist, ob Bruegels Hand das Werk vollendet hat.

Es steht fest, dass das heutige erhaltene Gemälde von einer Tafelarbeit Bruegels kopiert wurde. Ob der Künstler diesen Transfer selbst vorgenommen hat, bleibt fraglich.

Der Turmbau zu Babel, 1563

Pieter Bruegel der Ältere, Der Turmbau zu Babel, 1563

Pieter Bruegel der Ältere, Der Turmbau zu Babel, 1563

Bruegel malte drei verschiedene Versionen des Turms zu Babel - ein ätiologischer Mythos im Alten Testament. Während eines der drei Gemälde verloren gegangen ist, stellen die verbleibenden zwei einige von Bruegels herausragendsten Werken dar.

Das Motiv zeigt einen großen Turm, der das römische Kolosseum widerspiegeln soll und dazu dient, den biblischen Turm zu Babel darzustellen - ein Meisterwerk der Architektur, das als Symbol für die Vereinigung der Menschheit und ihr Engagement für die Kirche und ihre religiöse Glaubenslehre beschrieben wird.

Doch wie auf Bruegels Gemälde zu sehen ist, lässt sich bei näherem Hinsehen erkennen, dass diese ideale biblische Darstellung leicht in Schieflage geraten kann, wie Bruegel durch seinen schrägen Turm zu vermitteln hofft. Natürlich war dies kein Fehler, denn während der Entstehungszeit dieses Gemäldes hatte es die Kirche tatsächlich mit einer Spaltung zwischen der katholischen und der protestantischen Ausrichtung zu tun.

Das Gemälde, das derzeit im Kunsthistorischen Museum in Wien ausgestellt ist, ist einen Besuch wert, um nicht nur einen Blick auf Bruegels künstlerische Meisterschaft zu erhaschen, sondern auch eine Gelegenheit, die vielfältigen Bedeutungen hinter diesem besonderen Werk im Detail zu betrachten.

Die Kornernte, 1565

Pieter Bruegel der Ältere, Die Kornernte, 1565

Pieter Bruegel der Ältere, Die Kornernte, 1565

Die Landschaft in diesem Meisterwerk ist - wie auch in anderen Werken von Bruegel - absolut atemberaubend.

Als Teil einer sechsteiligen Jahreszeitenzyklus wurde Die Kornernte von Niclaes Jongelinck in Auftrag gegeben und ist ein Paradebeispiel der frühen niederländischen Malerei. Heute wird es im Metropolitan Museum of Art in New York City ausgestellt.