Claude Monet: Impression, Sonnenaufgang, 1872
Gemälde

Wie ein einzelnes Gemälde den Impressionismus entscheidend geprägt hat

Die Geschichte von Claude Monets "Impression, Sonnenaufgang"

Der Impressionismus ist bis heute eine der bekanntesten und weitgreifendsten Kunstrichtungen. Als Katalysator der Modernen Kunst hat das impressionistische Kunstgenre eine zentrale Rolle in der Kunstgeschichte gespielt, deren Einfluss sich in einer Reihe von kreativen Schaffensformen zeigt.

Wenn du dich fragst, was eine so monumentale Bewegung in Gang gesetzt haben könnte, gibt es darauf eine präzise Antwort. Der Impressionismus begann in den 1870er Jahren und das Ölgemälde Impression, Sonnenaufgang von Claude Monet ist verantwortlich für die Namensgebung der Bewegung.

Monet, der oft als "Begründer des Impressionismus" bezeichnet wird, war auch eines der bekanntesten Mitglieder der Bewegung. Während der französische Maler bereits ein etablierter Künstler war, als er den Impressionismus abschloss, zeigte sein früheres Werk viele der Merkmale, die später den Impressionismus definieren sollten. In diesem Sinne ist es nicht verwunderlich, dass er derjenige ist, der die impressionistische Bewegung auch formell einleitete.

Monet vor dem Impressionismus

Claude Monet, Bauernhof in der Normandie, c. 1863

Claude Monet, Bauernhof in der Normandie, c. 1863

Claude Monet wurde 1840 in Paris, Frankreich, geboren. Als er fünf Jahre alt war, zog seine Familie nach Le Havre, einer Küstenstadt in der Normandie. Hier entwickelte Monet sein Interesse an der Kunst, das durch seine Aufnahme an einer Kunstschule im Jahr 1851 gefördert wurde. Schon als Jugendlicher war Monets Kunst populär; die Einheimischen kauften regelmäßig seine Kohleskizzen.

1856 begann Monet unter der Betreuung des späteren Impressionisten Eugène Boudin, sich mit Ölfarben und der Malerei in der freien Natur zu beschäftigen - zwei Gewohnheiten, die er für den Rest seines Lebens beibehalten würde. "Ich habe noch nie ein Atelier gehabt", gestand Monet, und erklärte, dass er andere Künstler nicht verstehen würde, die sich freiwillig einsperren würden.

1861 wurde Monet zum Militärdienst nach Algerien eingezogen. Während seiner sieben Jahre in Nordafrika entwickelte er einen ausgeprägten Sinn für Farbe und Licht. Nach seiner Rückkehr nach Frankreich baute er in seine Bilder immer wieder eine lichtdurchflutete Farbskala ein, die er mit schnellen, ausdrucksstarken Pinselstrichen wiedergab, um flüchtige "Impressionen" von seiner Umgebung festzuhalten.

Mit einer völligen Ablehnung des traditionellen Geschmacks von Paris' renommierter Académie des Beaux-Arts verwandelte Monets Ansatz die Annäherung an die Kunst des 19. Jahrhunderts, wobei Impression, Sonnenaufgang den Wendepunkt markierte.

Hafen von Le Havre und Impression, Sonnenaufgang

Der Hafen von Le Havre bei Nacht,1873

Claude Monet, Der Hafen von Le Havre bei Nacht, 1873

872 besuchte Monet Le Havre. Während dieses Ferienaufenthaltes fertigte er eine Serie von sechs Gemälden, die den Hafen von Le Havre zu verschiedenen Zeiten zeigen: tagsüber, bei Sonnenuntergang, nachts und selbstverständlich bei Dämmerung.

Impressionen, Sonnenaufgang führt Monets Interesse an Licht, Farbe und Spontaneität zu neuen Dimensionen. Wie bei seinen anderen Arbeiten in der Serie entschied sich der Künstler dafür, sich auf die flüchtigen Wirkungen des Sonnenlichts auf das Wasser zu konzentrieren. Während die verschwommenen Silhouetten von Ruderbooten, Schiffen und Schornsteinen in der Komposition zu erkennen sind, liegt der Schwerpunkt vor allem auf dem brechenden Sonnenlicht und seinen wellenförmigen Spiegelungen.

Impressionismus Hero Monet

Claude Monet, Impression, Sonnenaufgang, 1872

Doch warum hallte Impression, Sonnenaufgang stärker nach als andere Werke dieser sechsteiligen Serie? Ironischerweise ist der heutige Bekanntheitsgrad des Gemäldes vor allem auf seine anfängliche Unbeliebtheit zurückzuführen.

Die erste Ausstellung der Impressionisten

Zwei Jahre nach Fertigstellung des Gemäldes stellte Monet die Kunstwerk in der ersten Ausstellung der Impressionisten aus, einer unabhängigen Ausstellung, die von Pariser Künstlern der Avantgarde veranstaltet wurde.

Société Anonyme Coopérative des Artistes Peintres, Sculpteurs, Graveurs

(Die Ausstellung, die im Atelier des französischen Fotografen Nadar stattfindet, zeigte über 200 Werke der Société Anonyme Coopérative des Artistes Peintres, Sculpteurs, Graveurs, einer Gruppe um Künstler wie Pierre-Auguste Renoir, Edgar Degas und Camille Pissarro. Obwohl diese Maler ebenso umstrittene Kunstwerke vorführten, waren die Rezensenten besonders über Monets Gemälde und ihre Titel verwirrt.

Jules-Antoine Castagnary schrieb über die Ausstellung in der Zeitung Le Siècle Folgendes:

"Sie sind Impressionisten, weil sie keine Landschaft darstellen, sondern die Empfindung, die die Landschaft erzeugt."

Aus der Landschaft wurden nun Bezeichnungen von Impressionen, von Eindrücken, die die Wirklichkeit verlassen und in die Welt des Idealismus eintreten.

Louis Leroy, ein Kritiker der satirischen Zeitung Le Charivari, schrieb:

"Impression - Ich wusste es. Ich habe mir gerade noch gesagt: 'Wenn ich beeindruckt bin, muss da drin eine Impression sein".... Und welche Freiheit, welche Leichtigkeit in der Pinselführung! Die Tapeten in ihrem Embryonalzustand sind noch mehr verarbeitet als diese Meereslandschaft!'

(Übersetzt nach https://fr.wikisource.org/wiki/L%27Exposition_des_impressionniste — Impression, j'en étais sûr. Je me disais aussi, puisque je suis impressionné, il doit y avoir de l'impression là-dedans... Et quelle liberté, quelle aisance dans la facture! Le papier peint à l'état embryonnaire est encore plus fait que cette marine-là!)

Während diese Kritiker - insbesondere Leroy, dessen Worte so bekannt geworden sind - die Bewegung voranbringen sollten, wurde nach ihren Kritiken die Société Anonyme Coopérative des Artistes Peintres, Sculpteurs, Graveurs in der Öffentlichkeit umbenannt, und fortan nur noch als "Impressionisten" bezeichnet.

Der Einfluss von Impression, Sonnenaufgang

Claude Monet, Auszüge seiner

Claude Monet, Auszüge seiner "Kathedrale von Rouen"-Serie

Nach dieser Umbenennung erlebte die impressionistische Bewegung einen Zuwachs an Popularität, wobei Monet an der Spitze stand. Für den Rest seines Lebens hielt der Künstler weiterhin Impressionen seiner Umgebung fest.

  • In den Jahren 1890 und 1891 beendete er eine Serie, in der er die Auswirkungen von Licht, Atmosphäre und jahreszeitlichen Veränderungen auf Heuschober studierte.
  • In den folgenden Jahren wandte er in seiner Serie der Kathedrale von Rouen die gleiche Vorgehensweisen an einer gotischen Fassade an. 
  • Bei seinem ehrgeizigsten Projekt schuf Monet über 30 Jahre hinweg 250 großformatige Gemälde von seinem Seerosenteich.

Heute ist Impression, Sonnenaufgang Teil der festen Sammlung des Pariser Musée Marmottan Monet. Hier besticht er weiterhin durch seine lebhafte Farbskala, seine ausdrucksstarke Pinselführung und natürlich durch seine bahnbrechende Geschichte.

Paris

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