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Umberto Boccioni – Biografie, bekannte Werke und künstlerisches Vermächtnis

Umberto Boccioni 1914

Der italienische Bildhauer, Maler, Schriftsteller und Grafiker Umberto Boccioni war eine der Hauptfiguren des italienischen Futurismus und einer der bedeutendsten Bildhauer des 20. Jahrhunderts.

Im Jahr 1914 veröffentlichte er seine Schrift Pittura, scultura futuriste (dinamismo plastico), in der er seine Ideen über das Verhältnis von Gestalt, Bewegung und Raum erläuterte. 

Trotz der Kürze seines Lebens, das bereits im Alter von 34 Jahren endete, blieb Boccionis Einfluss auf die Bildhauerei auch noch viele Jahre nach seinem Tod erhalten.

Sein ikonisches Meisterwerk "Einzigartige Formen der Kontinuität im Raum" veranschaulicht seine Theorie der Dynamik. Ein Konzept, das er auch in anderen Werken erforschte.

Heute sind Werke von Umberto Boccioni in einigen der renommiertesten Kunstmuseen in Europa und Amerika zu sehen.


Biografie von Umberto Boccioni

Frühwerk

Boccioni wurde 1882 in Reggio Calabria, Süditalien, geboren. 1897 zog seine Familie nach Catania an der Ostküste Siziliens, wo er seinen Schulabschluss an einer technischen Lehranstalt ablegte. Auf Sizilien arbeitete der junge Boccioni mit lokalen Zeitungen zusammen und schuf Drucke und Radierungen. 1901 zog er nach Rom und studierte an der Universität für Bildende Kunst (Libera Accademia di Belle Arti di Roma). In Rom lernte er Gino Severini kennen, einen italienischen Maler, der später auch zu einem der führenden Mitglieder der futuristischen Bewegung werden sollte. Severini wurde vor dem Ersten Weltkrieg mit dem Klassizismus in Verbindung gebracht und arbeitete in einer Vielzahl von Medien, darunter das Mosaik und Fresko.

Severini und Boccioni wurden Schüler von Giacomo Balla. Durch Balla lernten sie den Divisionismus kennen, die optische Farbtheorie hinter Seurats und Signacs neo-impressionistischem Ansatz. Auch kamen die beiden mit Vittore Grubicy in Kontakt, dem treibenden Akteur des italienischen Divisionismus. Boccioni verbrachte dann einige Zeit in Paris und Venedig, bevor er nach Mailand aufbrach. Dort erwartete ihn eine vorausschauende Stadt, die nicht in altmodischen Kunststilen verwurzelt war. Hier traf er die Künstler Romolo Romani und Gaetano Previati, die ihm den Pointillismus und Symbolismus vorstellten. In Mailand lernte auch den Initiator und Haupttheoretiker des Futurismus kennen, den italienischen Schriftsteller Filippo Tommaso Marinetti.

Mittleres Werk und Beginn des Futurismus

Die Anfänge des Futurismus fielen mit Boccionis produktivster Periode als Künstler zusammen. Am 11. Februar 1910 wurde unter der Leitung von Boccioni das "Manifest der futuristischen Maler" in Marinettis Zeitschrift Poesia veröffentlicht und von Severini, Balla und anderen unterzeichnet. An die "Jungen Künstler Italiens" gerichtet, griff dieses neue Manifest Institutionen wie Museen und Bibliotheken an, die die Futuristen heute für überflüssig hielten. Boccioni und die Futuristen zielten auf einen der wichtigsten Prestigeansprüche Italiens ab: Die klassische Vergangenheit der Kunst und Kultur in Italien, die sie als Hindernis für die Entwicklung des Landes als moderne Staatsmacht betrachteten.

Später im selben Jahr veröffentlichte Boccioni das "Technische Manifest der futuristischen Malerei", ebenfalls in Marinettis Poesia. Er erklärte:

"Alle zuvor verwendeten Subjekte müssen beiseite geschoben werden, um unser turbulentes Leben aus Stahl, Stolz, Fieber und Geschwindigkeit wiederzugeben."

Als junger Künstler hatte Boccioni Themen ausgewählt, die ihm einfach auffielen, aber als Futurist wählte er sie als Träger für malerische Theorien. Ein Thema, das ihn oft inspirierte, war die Stadt und das städtische Leben, was in mehreren Werken aufgegriffen wurde.

1912 veranstaltete die futuristische Gruppe eine beeindruckende Gemäldeausstellung in der Galerie Bernheim-Jeune in Paris. Im Mittelpunkt von Boccionis Beitrag stand eine Gruppe von drei Gemälden mit dem Titel States of Mind, die von vielen als das bisher ambitionierteste Projekt des Künstlers erachtet wurden. In States of Mind versuchte er, die Abhängigkeit von jeder beschreibenden Realität aufzugeben und die Farben und Formen sich selbst ausdrücken zu lassen. Kurz gesagt, entwarf Boccioni diese Werke, um die futuristische Denkweise auszudrücken, in der die Vergangenheit keinen Einfluß darauf hatte, wie der Künstler die Welt um ihn herum sah.

In Paris besuchte Boccioni verschiedene Ateliers, darunter die von Braque, Brâncuși und Duchamp-Villon. Was er sah, ermutigte ihn, seine Prinzipien auch auf die Bildhauerei anzuwenden, was zu Werken wie "Einzigartige Formen der Kontinuität im Raum" führte. Dieses neue Interesse veranlasste ihn auch, das "Manifest der futuristischen Skulptur" zu verfassen.

Späte Periode und Tod

1913 begann Boccioni, an der experimentellen Zeitung Lacerba mitzuwirken, die vom florentinischen Autor und Futuristen Giovanni Papini gegründet worden war. Mit dieser Zeitung hatten Boccioni und andere nun eine Publikation, die ausschließlich der Förderung der Ideen der Bewegung gewidmet war. Im April des folgenden Jahres veröffentlichte Boccioni sein Buch Pittura, scultura futuriste (dinamismo plastico), das mit Abstand die umfassendste Darstellung der futuristischen Kunsttheorie eines Gründungsmitglieds ist.

1914 begann der Erste Weltkrieg und breitete sich schnell in ganz Europa aus, wobei die außergewöhnliche Grausamkeit der von den Futuristen seit langem geforderten Säuberungsgewalt sehr nahe kam. Aus diesem Grund meldete sich Boccioni im Juli 1915 zusammen mit Marinetti, Russolo und mehreren anderen Futuristen beim lombardischen Freiwilligenbataillon an.

Das Bataillon wurde im Dezember desselben Jahres aufgelöst, und während seiner Freistellung vom Krieg malte, schrieb und lehrte Boccioni weiter. Er wurde im Juni 1916 erneut eingezogen und vor Verona mit einer Artilleriebrigade stationiert. Während einer Trainingsübung wurde Boccioni von seinem Pferd geworfen und niedergetrampelt. Boccioni, erst 33 Jahre alt, erlag seinen schweren Verletzungen und starb einen Tag später am 17. August 1916.


Künstlerisches Vermächtnis

Der italienische Futurismus hatte einen großen Einfluss auf Künstler in ganz Europa, darunter die Dada-Bewegung, Art Déco und Surrealismus, während der russische Futurismus wiederum einen starken Einfluss auf Rayonismus und Konstruktivismus hatte.

Trotz seines frühen Todes gilt Umberto Boccioni als einer der großen Bildhauer des 20. Jahrhunderts. Seine "Einzigartige Formen der Kontinuität im Raum" wird von vielen als überarbeitete Version der Nike von Samothrake gewertet und ist zu einer der bekanntesten Skulpturen des 20. Jahrhunderts geworden.


Umberto Boccioni Werke

Selbstbildnis, 1905

Selbstporträt Umberto Boccioniv

Beschreibung des Kunstwerks: Dieses Selbstporträt zeigt Boccionis künstlerischen Stil als Student an der Akademie in Rom. Obwohl es sich stark von seinem gereiften Stil des Futurismus unterscheidet, der in Ton und Pinselführung viel weicher ist, hegte er das Bild und verkaufte es nicht.

Es ist typisch für die Zeit, als er von einem vom frühen Impressionismus inspirierten Stil zu einem eher volumenorientieren Ansatz überging, der durch die Untersuchung von Werken von Paul Cézanne angeregt wurde.

Il lavoro (The City Rises), 1910

Il lavoro (The City Rises), 1910

Beschreibung des Kunstwerks: The City Rises wird von vielen als das allererste wirklich futuristische Gemälde angesehen. Boccioni benötigte ein Jahr zur Fertigstellung, das nach der Fertigstellung europaweit ausgestellt wurde. Es zeugt von dem Einfluss, den der Neoimpressionismus und Symbolismus auf die Künstler der Bewegung auch nach der Einführung des Futurismus im Jahr 1909 ausgeübt hat. Erst um 1911 adaptierte Boccioni Elemente des Kubismus zu einem eigenständigen futuristischen Stil.

States of Mind I: The Farewells, 1911

Umberto Boccioni: States of Mind I: The Farewells

Beschreibung des Kunstwerks: The Farewells war das erste von Boccionis dreiteiliger Serie States of Mind, die als einer der Höhepunkte der futuristischen Malerei gilt. Im Mittelpunkt des Bildes steht die Bewegung selbst - moderne Maschinen, die dem Wort "Geschwindigkeit" eine neue Bedeutung verleihen. In dieser Arbeit, die in einem Bahnhof spielt, fängt Boccioni die Dynamik von Bewegung und Chaos ein.

Einzigartige Formen der Kontinuität im Raum, 1913

Einzigartige Formen der Kontinuität im Raum

Beschreibung des Kunstwerks: Obwohl Boccioni in erster Linie Maler war, sind seine kurzen Ausflüge in die Skulptur von großer Bedeutung. Die Geschwindigkeit und Fließeigenschaften der Bewegung, sind in diesem Bronzestück brillant eingefangen, wobei die menschliche Figur durch den Raum gleitet, fast so, als ob der Mensch selbst zur Maschine wird und sich frontal entgegen kraftvoller Winde bewegt.


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